VKI: Sollzinsen für Girokonten unverhältnismäßig hoch

Überziehungszinsen im Durchschnitt kaum niedriger als vor der Niedrigzinsphase

Wien (OTS/VKI) - Die Zinsen für Guthaben auf dem Girokonto bewegen sich seit der Bankenkrise kontinuierlich in Richtung null Prozent. Immer wieder ist sogar von Negativzinsen die Rede. Bisher hat es allerdings noch keine österreichische Bank gewagt, für Einlagen ihrer Kunden „Strafzinsen“ zu verlangen. Völlig anders sieht die Entwicklung im Bereich der Sollzinsen aus. Die Zinsbelastung für die Inanspruchnahme der „Einkaufsreserve“ ist, wenn überhaupt, nur moderat gesunken. Betrachtet man das Verhältnis der Mittelwerte von Soll- zu Habenzinssatz, ergibt sich ein deutliches Bild: Während man 2008, also zu Beginn der Bankenkrise, für die Nutzung des Überziehungsrahmens im Durchschnitt das 14,4-fache des Habenzinssatzes zahlte, ist es heute das 352,5-fache. Den ausführlichen Bericht gibt es in der Dezemberausgabe der Zeitschrift KONSUMENT (www.konsument.at).

Nach Erhebung des Zinsmittelwerts auf Basis von Daten der Arbeiterkammer und des Verein für Konsumenteninformation (VKI) beliefen sich die Sollzinsen 2008 auf durchschnittlich 10,17 Prozent; 2014 lagen sie im Mittel noch immer bei 10,05 Prozent, aktuell sind es 9,5 Prozent. Auf der Habenseite gingen die Zinsen von rund 0,7 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 0,027 Prozent im Mittel zurück. Wären die Sollzinsen im selben Verhältnis zurückgegangen wie die Habenzinsen, müssten sie heute theoretisch bei 0,39 Prozent liegen.

Natürlich entstehen den Banken auch Kosten, die sie auf den Überziehungszins aufschlagen müssen. Trotzdem gibt es klarerweise einen Spielraum, wie die zum Teil recht unterschiedlichen Reaktionen auf die allgemein gesunkenen Zinssätze zeigen. So hat beispielsweise die easybank ihre Sollzinsen von 9 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 6,9 Prozent reduziert; Erste Bank und Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien hingegen haben die Schuldzinsen in einigen ihrer Angebote sogar um mehr als 3 Prozent erhöht.

„Die Kreditanstalten zieren sich, die Zinsentwicklung der letzten Jahre an die Privatkunden weiterzugeben. Da verwundert es auch kaum noch, wenn gerade Institute mit hohen Sollzinsen versuchen, den für sie einträglichen Überziehungsrahmen als ‚Einkaufsreserve für die Weihnachtsgeschenke‘ zu vermarkten“, sagt Bernd Lausecker, Finanzexperte des VKI. Besonders für Menschen, die am Ende des Geldes noch viel Monat übrig haben, ist das eine bedenkliche Situation. Er empfiehlt allen Konsumenten, die ihren Kontorahmen häufig nutzen müssen, die Möglichkeit eines Bankwechsels gründlich zu prüfen.

SERVICE: Den ausführlichen Bericht und weitere Informationen zum Thema gibt es in der Dezemberausgabe der VKI-Zeitschrift KONSUMENT und online unter www.konsument.at.

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