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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Abschied einer Supermacht", von Alois Vahrner
Ausgabe vom 23. November 2016
Utl.: Ausgabe vom 23. November 2016 =
Innsbruck (OTS) - Mit dem Slogan „Make America Great Again“ gewann
Donald Trump die US-Präsidentenwahl. Trumps immer klarer sichtbarer
politischer und wirtschaftlicher Kurs wird die Supermacht wohl ganz
im Gegenteil massiv schwächen.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion und des Ostblocks verblieben die
USA als einzige wirkliche Supermacht. Auch wenn Russland unter
Präsident Wladimir Putin zunehmend machtbewusster wurde und vor allem
auch China politisch und wirtschaftlich seine Stärke und Einfluss
immer weiter ausbaute. Die Vereinigten Staaten, die unumstrittene
Führungsmacht des demokratischen Westens, haben ihre Interessen
global mit aller Härte durchgesetzt, vielfach wie bei den Kriegen im
Irak auch mit brutaler Härte.
Mit der Kür Trumps, der statt nach globaler Führungsrolle eher
nach Superegoismus klingt, wird jetzt vieles anders: In den USA
werden die Steuern für die Reichen, deren Steuersatz schon jetzt oft
tiefer ist als jener der Ärmeren, die massiv für Milliardär Trump und
vermeintlich gegen das „Establishment“ votiert hatten, weiter
gesenkt. „Eine perverse Situation“, findet
US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz.
Die Zukunft der NATO ist ebenso unklar – und damit auch die bisher
unverbrüchliche Schutzmacht-Funktion der USA für Europa. Es ist wohl
nur eine Frage der Zeit, bis Trump das weltweite Klimabündnis
aufkündigt. Trump will Millionen Einwanderer ausweisen, eine Mauer zu
Mexiko bauen und offenbar auch Mauern im bisher gerade von den USA so
intensiv forcierten globalen Freihandel. Als eine seiner ersten
Amtshandlungen will Trump das Pazifik-Freihandelsabkommen TPP
aufkündigen und in der Folge auch das Nafta-Abkommen mit Kanada und
Mexiko neu verhandeln. Auch das heftig umstrittene
amerikanisch-europäische Freihandelsabkommen TTIP dürfte (zur Freude
aller hiesigen Kritiker) unter Trump schnurstracks in die Schublade
wandern. Eine neue Welle des Protektionismus könnte unabsehbare
Folgen für die Weltkonjunktur haben – und auch für unzählige
heimische Arbeitsplätze.
Vom Freihandel profitieren in der Regel wirtschaftlich
konkurrenzfähige Länder mehr als andere. Trump sieht für die USA hier
offenbar Nachteile, vor allem auch gegenüber dem erstarkten China.
Dass Amerika mit Abschottung und dem Ausmotten unwirtschaftlicher und
umweltfeindlicher Technologien wie der Kohleindustrie „great again“,
also zu neuer Größe, finden wird, ist aber mehr als fraglich. Im
Pazifikraum, aber auch darüber hinaus wird China seine Position wohl
noch stark ausbauen. Eine zarte Hoffnung ist, dass sich vielleicht
auch neue Chancen für Europa ergeben. Leider überwiegen bei Trumps
Kurs aber die Risiken, für die USA wie auch für die gesamte
Weltwirtschaft. Wir steuern auf sehr turbulente Zeiten zu.
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