Bauforschung 2020

Mehr Forschung, Entwicklung, Innovation in der Bauwirtschaft

Wien (OTS) - Die österreichische Bauwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen. Eine zunehmenden Kluft zwischen oberen und unteren Segmenten am Wohnungsmarkt, die sehr kostenintensive Normenflut, das Bevölkerungswachstum bei anhaltender Knappheit von Bauland, die Veränderung von Haushaltsgrößen und –typen sowie steigende Wohnkosten bei (bestenfalls) stagnierenden Einkommen sind nur einige Beispiele dafür.

Im internationalen Wettbewerb werden sich die heimischen Betriebe nur durch hochwertige, innovative Produkte und Leistungen behaupten können, ist Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, überzeugt. Die Intensivierung der Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsaktivitäten ist dafür unabdingbar, so Bornett.

Vor diesem Hintergrund hat die KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich, Bundesinnung Bau sowie dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie eine Studie zum bauspezifischen Forschungsbedarf erstellt und Grundlagen für ein entsprechendes Forschungsförderungsprogramm erarbeitet. Projektpartner waren die Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) sowie das Industriewissenschaftliche Institut (iwi), beide Mitglieder des Forschungsschwerpunkts „Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“ der Austrian Cooperative Research (ACR). In die inhaltliche Diskussion waren darüber hinaus alle im ACR-Forschungsschwerpunkt „Nachhaltiges Bauen“ engagierten Forschungseinrichtungen eingebunden.

Eine derartige Brancheninitiative wurde bereits im Zeitraum 2006 bis 2009 unter dem Titel BRA.IN Bauwirtschaft mit großem Erfolg durchgeführt. Die Zahl der von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderten Projekte wie auch die Anzahl der Akteure haben sich im Rahmen dieser Initiative mehr als verdreifacht und die Kooperationen zwischen Bauwirtschaft und Wissenschaft wurden intensi-viert. Der Anteil der Bauwirtschaft an den gesamten FFG-Projektbeteiligungen stieg von 7,8% auf 15,8% bzw. an den Projektgesamtkosten von 4,5% auf 11,2%. Nach Auslaufen der Initiative kam es zwar zu einem Rückgang, das Niveau liegt aber seither mit rd. 8% deutlich über dem von 2005, wodurch die nachhaltige Wirkung von BRA.IN eindrucksvoll belegt wird.

Im Rahmen der aktuellen Studie waren sich Experten weitgehend einig, dass es vor allem um Innovationen geht, die gleichzeitig qualitätssteigernd und kostensparend wirken. Die neue Forschungsförderungsinitiative für die Bauwirtschaft soll auf möglichst breiter Ebene ansetzen, einerseits im Hinblick auf die F+E-Definition bzw. den Innovationsbegriff, aber auch durch die Einbeziehung aller baurelevanten Branchen, Produkte und Leistungen. Sie soll Forschungskooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen forcieren und alle Phasen des FEI-Prozesses abdecken. Neben technischen und technologischen Innovationen müssen auch sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fragestellungen Berücksichtigung finden.

Aus Expertensicht wären im Hinblick auf das Förderausmaß die Orientierung am wirtschaftlichen Projektrisiko und eine Fokussierung auf vier Forschungsfelder sinnvoll:

1. Wohnbedarf & Baunachfrage 2. Produkte & Verfahren 3. Ausführung & Umsetzung 4. Wettbewerbsfähigkeit & Betriebswirtschaft

Der aktuelle Forschungsbedarf kann nach Forschungsbereichen bzw. -themen wie folgt systematisiert werden:

Material und Konstruktionen

  • Bauteil- und Baustoffinnovationen
  • Bauphysikalische Optimierungen

Innenraum und Wohnen

  • Emissionen und Schadstoffe,
  • Nutzer-Behaglichkeit

Organisation und Prozesse

  • Digitalisierung, Elektronik, IKT-Einsatz
  • Prozessoptimierung
  • Neue Geschäftsfelder
  • Humanressourcen

Ressourcen und Energie

  • Ressourcenmanagement
  • Lebenszyklusbetrachtung
  • Energie- und Umwelttechnik

Immobilien, Wohnraum und Citys

  • Demografische Entwicklung
  • Leistbarer Wohnraum
  • Finanzierungsmodelle

Studienautor Walter Bornett ist davon überzeugt, dass eine neue Initiative die FEI-Aktivitäten in der Bauwirtschaft stimulieren wird und für deren erfolgreiche Umsetzung die Kooperation mit anwendungsorientierten Forschungseinrichtungen, z.B. aus dem Netzwerk der Austrian Cooperative Research (ACR), von zentraler Bedeutung ist.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Walter Bornett
KMU Forschung Austria
w.bornett@kmuforschung.ac.at
+43 1 505976123
www.kmuforschung.ac.at

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