UNICEF Österreich zum internationalen Tag der Kinderrechte

Immer noch Millionen Fälle von Kinderrechtsverletzungen täglich

Wien (OTS) - UNICEF zieht heute, am internationalen Tag der Kinderrechte, eine erschreckende Bilanz: Obwohl seit der Annahme der UN-Kinderrechtskonvention im Jahr 1989 viele Fortschritte für das Wohlergehen der Kinder erzielt wurden, werden jeden Tag die Rechte von Millionen von Kindern immer noch missachtet.

Jedes Kind ist mit dem gleichen und unabdingbaren Recht auf Gesundheit, Bildung und einer geschützten Kindheit zur Welt gekommen. Dies sind die Grundlagen einer sicheren Zukunft und Erfolg im Erwachsenenalter. Weltweit gibt es jedoch Millionen von Kindern, die diese Rechte nicht wahrnehmen können. Somit wird ihnen alles vorenthalten, was sie für eine gesunde und bestmögliche Entwicklung brauchen.

Ein Säugling ohne nachgeburtliche Betreuung wird die ersten Tage schwer überleben. Ein Kind ohne Schutzimpfungen oder sauberes Trinkwasser stirbt wahrscheinlich vor seinem fünften Geburtstag oder lebt sein Leben lang mit gesundheitlichen Einschränkungen. Ein Kind ohne ausreichende Ernährung wird nie sein volles körperliches und geistiges Potenzial erreichen, wodurch Lernen und zukünftige Arbeitsperspektiven eingeschränkt sind. Ein Kind ohne Ausbildung wird es kaum schaffen die notwendigen Fähigkeiten für eine erfolgreiche Karriere zu erhalten, oder die eigenen Kinder eines Tages in die Schule zu schicken. Ein Kind ohne Schutz vor Konflikten, Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung, Kinderarbeit oder Kinderheirat wird mit großer Wahrscheinlichkeit sein Leben lang verängstigt sein, was schwere Konsequenzen zur Folge hat.

Wir sehen solche Fälle überall – Verlust und Missbrauch grundlegender Rechte von Kindern werden meist von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Dies hat zur Folge, dass ganze Bevölkerungsgruppen sozial benachteiligt sind.

„In Zeiten wie diesen sind durch Konflikte, Krisen und vernichtende Armut Millionen Kinder - wie auch deren Zukunft und Rechte - einem großen Risiko ausgesetzt. Daher ist der Schutz der Kinderrechte dringender als je zuvor – und der Schlüssel, um stärkere und stabilere Gesellschaften aufzubauen“, so David Hagen, Kinderrechtsexperte von UNICEF Österreich. „Wir müssen diese Kinderrechtsverstöße beenden, indem wir vor allem die ärmsten Kinder erreichen. Andernfalls zahlen wir den Preis eines langsameren Wachstums, größerer Ungleichheit und weniger Stabilität.“

In Österreich wurde die Kinderrechtskonvention am 6. August 1992 ratifiziert und ist am 05. September 1992 in Kraft getreten. Sie formuliert weltweit gültige Grundwerte im Umgang mit Kindern über alle sozialen, kulturellen, ethnischen oder religiösen Unterschiede hinweg. Die Kinderrechtskonvention ist der am meisten ratifizierte Menschenrechtsvertrag der Welt und setzt erstmals grundlegende Standards für eine gesunde, geschützte und angemessene Kindheit für jedes Kind.

Seit dem 16. Februar 2011 sind einige Kinderrechte der UN-Konvention in der österreichischen Bundesverfassung verankert. Durch das „Bundesverfassungsgesetz über die Rechte der Kinder“ wurden die grundlegenden Rechte von Kindern in Österreich massiv gestärkt.

Die Situation der Kinder weltweit:

Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten ein deutlicher Fortschritt für Kinder erzielt wurde, sterben immer noch beinahe sechs Millionen Kinder jährlich an Ursachen, die eigentlich vermeidbar wären. Des Weiteren sterben Kinder aus ärmeren Haushalten doppelt so oft vor ihrem fünften Geburtstag als Kinder aus reicheren Ländern.

Beinahe 50 Millionen Kinder sind von ihrem Zuhause entwurzelt – 28 Millionen davon mussten aufgrund von Konflikten und Kriegen flüchten. Kinder in belagerten Gebieten wie in Syrien, dem Irak und dem Norden von Nigeria sind häufig Kinderrechtsverstößen ausgesetzt – oftmals sind ihre Schulen, Krankenhäuser und ihr Zuhause unter Beschuss. Weltweit leben 250 Millionen Kinder in Ländern, die von Konflikten betroffen sind.

Fast 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut und über 250 Millionen haben keine Möglichkeit in die Schule zu gehen und zu lernen. Fast 300 Millionen Kinder leben in Gebieten mit stark verunreinigter Luft – das ist nahezu jedes siebte Kind weltweit. Die Luftverschmutzung in diesen Gebieten ist sechsmal höher als internationale Richtlinien erlauben.

Wenn die Trends der vergangenen 15 Jahre bis 2030 anhalten, werden bis dahin circa 167 Millionen Kinder in extremer Armut leben. Etwa 69 Millionen Kinder unter fünf Jahren werden zwischen 2016 und 2030 an vermeidbaren Krankheiten sterben – das sind 3.6 Millionen pro Jahr. Weitere 60 Millionen Kinder im Grundschulalter werden vermutlich nicht in die Schule gehen.

Seit 70 Jahren – für jedes Kind

70 Jahre ist es nun her, dass das Kinderhilfswerk UNICEF aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs entstanden ist. Herbert Hoover, ehemaliger Präsident der USA, zeigte sich damals erschüttert über das Elend in Europa nach dem Krieg: „Von der russischen Grenze bis zum Ärmelkanal gibt es heute 20 Millionen Kinder, die nicht nur schwer unterernährt sind, sondern zunehmend an Tuberkulose, Rachitis und Blutarmut leiden. Wenn Europa eine Zukunft haben soll, dann muss etwas für diese Kinder getan werden.“ Daraufhin gründeten die Vereinten Nationen am 11. Dezember 1946 das Kinderhilfswerk UNICEF mit der Aufgabe, den kranken und hungernden Kindern im verwüsteten Europa so lange zu helfen, bis die schwerste Zeit überwunden war. Nach 70 Jahren Erfahrung in Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe setzt sich UNICEF auch heute noch dafür ein, dass Kinder überleben und eine wohlbehaltene Kindheit erhalten. Zu den zentralen Aufgaben gehören Gesundheit, Ernährung, Bildung, Wasser und Hygiene sowie der Schutz der Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt und Konflikten.

Weltweit waren noch nie so viele Kinder auf der Flucht wie im Jahr 2016, denn Konflikte und extreme Wetterbedingungen zwingen immer mehr Kinder ihr Zuhause zu verlassen. 2.3 Millionen syrische Mädchen und Buben mussten bereits ihre Heimat verlassen. Und die Zahl der Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, steigt weiter an. Derzeit lebt rund eines von neun Kindern weltweit in Krisenregionen. Deshalb ist die von UNICEF geleistete Nothilfe heute wichtiger denn je.

„Jedes Kind hat das Recht gesund, beschützt und stark aufzuwachsen, in die Schule zu gehen und eine faire Chance im Leben zu haben. Unser Einsatz und unsere Verpflichtung gegenüber den Kinderrechten gelten für jedes Kind.“
Dr. Gudrun Berger, Geschäftsführerin UNICEF Österreich

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Christian Lasser, lasser@unicef.at, +43 1 879 21 91 – 65

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