- 17.11.2016, 10:12:48
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- OTS0071
Tourismus stützt die österreichische Außenwirtschaft
Aktuelle Entwicklungen der österreichischen Zahlungsbilanz
Utl.: Aktuelle Entwicklungen der österreichischen Zahlungsbilanz =
Wien (OTS) - Im ersten Halbjahr 2016 erzielte Österreich laut
vorläufigem Ergebnis einen Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 5,5
Mrd EUR (3,3 % des BIP). Das ist der höchste absolute Wert seit dem
globalen Handelseinbruch im Jahr 2009. Tragende Säule der Entwicklung
war der Reiseverkehr, der mit einem Einnahmenüberschuss im Ausmaß von
5,8 Mrd EUR einen neuen Spitzenwert erreichte.
Im Güterhandel wurde im ersten Halbjahr 2016 ein Handelsüberschuss
von 1,3 Mrd EUR (–0,6 Mrd EUR zum Vorjahr) erzielt. Bei den
Wirtschaftsdienstleistungen lag der Saldo das dritte Jahr in Folge
unter 1 Mrd EUR. Damit war es vor allem der heimische Tourismus, der
mit einem Einnahmenüberschuss von 5,8 Mrd EUR – und damit einem neuen
Spitzenwert – die Außenwirtschaft stützte. Das Defizit aus
einkommensrelevanten Außenwirtschaftsströmen (Löhne, Gehälter,
Vermögenseinkommen, Steuern und Subventionen) verringerte sich im
Jahresabstand und betrug –2,3 Mrd EUR.
Die Exporte von Gütern und Wirtschaftsdienstleistungen entwickelten
sich im ersten Halbjahr mit +1,2 % bzw. +2,4 % verhalten. Das höchste
Absatzwachstum kam aus den 2004 bis 2013 beigetretenen
EU-Mitgliedstaaten . Die heimischen Exporteure hatten insbesondere in
der Russischen Föderation, den USA und der Türkei Rückgänge zu
verzeichnen.
Deutlich mehr Urlaubende aus Deutschland
Demgegenüber entwickelt sich das Jahr 2016 bisher zum außerordentlich
erfolgreichen Tourismusjahr in Österreich. Die Reiseverkehrseinnahmen
von ausländischen Gästen stiegen im ersten Halbjahr um 6,3 % auf 9,3
Mrd EUR. Das ist der höchste absolute Wert, der bislang in einem
Halbjahr erzielt wurde. Vor allem deutsche Gäste haben vermehrt in
Österreich genächtigt (+4,9 % auf rund 27 Mio von insgesamt 53,2 Mio
Nächtigungen ausländischer Gäste). Auch die Zahl der Nächtigungen der
einheimischen Gäste hat im ersten Halbjahr zugenommen (+3,3 % auf
17,6 Mio). Die Ausgaben pro Nächtigung sind gestiegen, wobei die
Teuerung in der Gastronomie und Hotellerie in Rechnung zu stellen
ist. Neben den Ausgaben deutscher Gäste haben auch jene von
schweizerischen (+15,2 %), niederländischen (+9,4 %) und
italienischen Gästen (+7,5 %) im ersten Halbjahr zugenommen. Der
Zuwachs aus China fiel neuerlich dynamisch aus (+9,4 %). Mit
Gesamteinnahmen von 56 Mio EUR lag der asiatische Wachstumsmarkt auf
Rang 18 der Herkunftsländer, und damit vor Japan, das Rang 23
belegte. Bei den Einnahmen russischer Gäste war neuerlich ein Minus,
und zwar im Ausmaß von 23,4 %, zu verzeichnen. Nach wie vor ist die
Russische Föderation eine wichtige Quelle für den heimischen
Tourismus und lag im ersten Halbjahr 2016 mit einem Einnahmenvolumen
von 132 Mio EUR auf Rang 13 der Herkunftsländer.
Direktinvestitionen: weniger Forderungen, aber auch weniger
Verpflichtungen
Bei den Direktinvestitionen gab es im ersten Halbjahr 2016 Rückgänge
bei den Forderungen und Verbindlichkeiten, zurückzuführen auf den
Rückzug einer in Österreich zwar nicht realwirtschaftlich tätigen
Zweckgesellschaft (Special Purpose Entity), die aber ihre
konzerninternen Finanzen über Österreich abwickelte. Darüber hinaus
fanden im ersten Halbjahr Investitionen und Übernahmen statt, wie
etwa der Kauf des deutschen Getriebe-Herstellers „Getrag“ durch Magna
International Inc., die das Ausmaß des negativen Basiseffekts auf die
Entwicklung der Forderungen (–20,3 Mrd EUR) und Verbindlichkeiten
(–21,4 Mrd EUR) aus Direktinvestitionen dämpften.
Die Forderungen aus Wertpapierveranlagungen im Ausland sind im ersten
Halbjahr 2016 transaktionsbedingt um 4 Mrd EUR gestiegen. Neben
verzinslichen Wertpapieren wurden vor allem ausländische
Investmentzertifikate nachgefragt. Die Verbindlichkeiten Österreichs
im Ausland wurden hingegen im ersten Halbjahr insgesamt um 4,7 Mrd
EUR verkürzt, da die heimischen Banken ihre Auslandsrefinanzierung
weiter zurückgefahren haben. Österreichische Staatsanleihen fanden
weiterhin international Absatz, und zwar im Ausmaß von 2,2 Mrd EUR.
Damit lagen Ende Juni 2016 218,3 Mrd EUR oder rund 70 % des Bestands
an heimischen Staatspapieren im Besitz ausländischer Gläubiger.
Revidierte Zahlen für 2014 und 2015
Für die Vergleichsjahre 2014 und 2015 wurde die Zahlungsbilanz
routinemäßig revidiert, um aktuellen Informationen aus
Unternehmensbilanzen sowie Statistik- und Registerdaten Rechnung zu
tragen, die nur mit zeitlicher Verzögerung verfügbar sind. Damit
wurde die Leistungsbilanz für das Jahr 2014 von 2 % auf 2,4 % im
Verhältnis zum BIP revidiert, für das Jahr 2015 von 2,6 % auf 1,9 %.
Beigetragen haben dazu neben aktuellen Jahresabschlussdaten der
Unternehmen auch Revisionen der Basisstatistiken, wie der
Außenhandelsstatistik, sowie die Verfügbarkeit neuer Datenquellen zur
Rückversicherung und zur EU-Mehrwertsteuer. In Summe ist der Umfang
der Revisionen mit jenem früherer Jahre vergleichbar und stellt im
Hinblick auf die zugrundeliegenden Transaktionsvolumina keinen
außerordentlichen Revisionsanfall dar.
Oesterreichische Nationalbank
Statistik Hotline
(+43-1) 404 20-5555
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