• 17.11.2016, 09:02:15
  • /
  • OTS0030

Wirtschaftsexperte Marterbauer bei AK-Vollversammlung: „Miesmacherei ist gefährlich, Österreich ist EU-Spitze“

Linz (OTS) - „EU-Spitze oder abgesandelt?“ lautete der Titel des
Gastreferats bei der Vollversammlung der Arbeiterkammer
Oberösterreich. Für Dr. Markus Marterbauer, Leiter der Abteilung
Wirtschaftswissenschaft und Statistik der AK Wien, ist die Antwort
klar: „Das Lamentieren der Unternehmerverbände und einzelner
Unternehmer ist nicht nur kontraproduktiv, sondern auch gefährlich.
Österreich steht im EU-Vergleich gut da.“ Hinter der Miesmacherei
stecke eine politische Strategie. „Für einen Abbau des Sozialstaats
stehen wir nicht zur Verfügung“, betonte der ehemalige Mitarbeiter
des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Die Fakten stünden im krassen Gegensatz zur schlechten Stimmung, so
Marterbauer: „Da besteht die Gefahr einer selbsterfüllenden
Prophezeiung, wenn wir nicht gegensteuern.“ Beim Bruttoinlandsprodukt
pro Kopf liegt Österreich derzeit an vierter Stelle in der
Europäischen Union: „Vor uns liegen nur Luxemburg, Irland und die
Niederlande. Und da kann man sich schon fragen, ob alle diese Staaten
das gesamte BIP mit redlichen Mitteln erwirtschaftet haben.“ Auch bei
anderen Parametern für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes –
etwa beim Index der Industrieproduktion oder bei der Exportquote –
habe sich Österreich zuletzt enorm verbessert.

Bei den Konsumausgaben der privaten Haushalte allerdings hat es
zwischen 2012 und 2015 kein Wachstum gegeben. Dass die deutsche
Wirtschaft seit 2014 stärker wächst als die österreichische, habe
viel mit den Konsumausgaben zu tun: „Da hat der 2015 eingeführte
Mindestlohn viel gebracht.“ In Österreich seien zwar die Einkommen
der Vollzeit-Beschäftigten real gestiegen, besorgniserregend sei aber
die Zunahme der prekären Beschäftigung. Positiv zu sehen sei der
merkliche Rückgang der Sparquote in den österreichischen Haushalten:
„Das zeigt, dass das Vertrauen in den Sozialstaat nach wie vor sehr
hoch ist.“ Wichtig sei vor allem ein Steigen der Mindestlöhne: „Beim
unteren Einkommensdrittel wandern 80 Prozent der zusätzlichen
Einkünfte sofort in den Konsum.“ Durch die Steuerreform würden heuer
die Konsumausgaben wieder steigen.
Das Klagen vieler Unternehmer, dass die Rahmenbedingungen in
Österreich so schlecht seien, sei jedenfalls unangebracht, sagte
Marterbauer: „Es wird von den Gewinnen zuviel ausgeschüttet und
zuwenig investiert. Da verschwindet dann viel Geld auf den
Finanzmärkten, das schafft keine zusätzlichen Arbeitsplätze.“

Natürlich könne man den Unternehmern nicht Optimismus verordnen,
räumte der Wirtschaftsexperte ein. Hier könne und müsse der
öffentliche Sektor als Impulsgeber einspringen.

Vorsicht sei geboten, wenn Deutschland als Vorbild hingestellt werde:
Die Beschäftigung ist in Österreich bis 2008 stärker gewachsen als in
Deutschland, seither etwa gleich stark. Warum ist dann die
Arbeitslosigkeit in Deutschland gesunken? „Das hat mit den
umstrittenen Reformen wie Hartz IV nichts zu tun“, räumte Marterbauer
mit einem gerne verbreiteten Mythos auf, „sondern eher damit, dass
die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Deutschland um vier
Prozent gesunken ist, während sie in Österreich um drei Prozent
gewachsen ist.“

Die Trendwende, meinte Marterbauer, stünde knapp bevor: „Mehr
Nachfrage, Investitionen, Qualifizierung, innovative Formen der
Arbeitszeitverkürzung, Wertschöpfungsabgabe – das sind die
Schlüsselworte für die Zukunft.“ Mit der Miesmacherei müsse endlich
Schluss sein: „Ärmel aufkrempeln statt jammern, heißt die Devise!“

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel