• 10.11.2016, 09:00:01
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  • OTS0019

Leichte Aufhellung der internationalen Konjunktur

Wien (OTS) - Vor dem Hintergrund einer leichten Verbesserung des
internationalen Indikatorenbildes expandierte die österreichische
Wirtschaft im III. Quartal 2016 robust um 0,4%. Wachstumstreiber war
erneut die Binnennachfrage, während die Außenwirtschaft abermals
dämpfend wirkte.

Die Weltkonjunktur verläuft derzeit weiterhin träge, wenngleich
internationale Konjunkturindikatoren für die Zukunft eine leichte
Verstärkung der Aufwärtstendenz andeuten. Rohstoffexportierende
Länder profitieren allmählich von der Stabilisierung der
Rohstoffpreise auf höherem Niveau. Begünstigt durch eine stärkere
Auslandsnachfrage beschleunigte sich in den USA das
Wirtschaftswachstum im III. Quartal. Die Investitionszurückhaltung
der privaten Unternehmen hielt jedoch an.

In der EU insgesamt und im Euro-Raum veränderte sich die
Konjunkturdynamik nicht. Wie erwartet schlug sich das Votum
Großbritanniens für den EU-Austritt der EU nicht in den
Wachstumsraten des Euro-Raumes im III. Quartal nieder. Auch in
Großbritannien selbst expandierte die Wirtschaft robust.

Im Großteil der EU-Länder erwies sich die private Konsumnachfrage
im 1. Halbjahr 2016 als Wachstumsstütze. Gemäß Verbraucherumfragen
dürfte diese Entwicklung im 2. Halbjahr anhalten. In Deutschland
wurden die Einzelhandelsumsätze im III. Quartal ausgeweitet, wobei
sich die Dynamik jedoch zuletzt abschwächte.

Gemäß der WIFO-Schnellschätzung expandierte die österreichische
Wirtschaft im III. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,4%. Das
Wachstum wurde abermals von der Binnennachfrage getragen. Die
Ausweitung der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte erhöht
die Bereitschaft zum Kauf langlebiger Konsumgüter (wie etwa
Pkw-Neuanschaffungen).

Der Wachstumsbeitrag des Außenhandels zum BIP ist hingegen bereits
seit dem IV. Quartal 2015 negativ, weil die Importe stärker zunehmen
als die Exporte. Entsprechend träge verläuft die Konjunktur der
Exportindustrie. Der WIFO-Konjunkturtest und die aktuelle Entwicklung
des Produktionsindex im produzierenden Gewerbe deuten jedoch auf eine
Aufhellung des Klimas in der Sachgüterzeugung im weiteren Verlauf
hin.

Positive Impulse kamen vom heimischen Tourismus. Gemäß den bisher
vorliegenden Ergebnissen wurden in der Sommersaison 2016 (Mai bis
September) die höchsten Tourismuseinnahmen seit dem Jahr 1995
erzielt.

Die Inflation (VPI) zog im September sprunghaft auf 0,9% an, vor
allem weil die Treibstoffverbilligung gegenüber dem Vorjahr zuletzt
deutlich geringer war als in den Monaten zuvor. Die nach wie vor
starken preistreibenden Effekte der Ausgabengruppe "Restaurants und
Hotels" waren zuletzt für rund ein Drittel des gesamten
Preisauftriebes bestimmend.

Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich keine Änderung: Die Zahl der
unselbständig aktiv Beschäftigten stieg im Oktober nach vorläufigen
Berechnungen saisonbereinigt im Vormonatsvergleich erneut, gegenüber
dem Vorjahr erhöhte sie sich um 1,6%. Gleichzeitig stagnierte die
Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat. Im
Oktober waren 340.800 Personen arbeitslos gemeldet. Nach
österreichischer Berechnungsmethode lag die Arbeitslosenquote im
Oktober saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat nahezu unverändert bei
9,1%.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Die laufende Konjunkturberichterstattung gehört zu den wichtigsten
Produkten des WIFO. Um die Lesbarkeit zu erleichtern, werden
ausführliche Erläuterungen zu Definitionen und Fachbegriffen nach
Möglichkeit nicht im analytischen Teil gebracht, sondern im
vorliegenden Glossar zusammengefasst.

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik
Austria veröffentlichten "saison- und arbeitstägig bereinigten
Veränderungen" der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO
diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als
Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren
Verlauf auf und machen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser
interpretierbar.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch
http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden über 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2015)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen mit aufrechtem Dienstverhältnis,
die Kinderbetreuungsgeld beziehen bzw. Präsenzdienst leisten. Zieht
man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv
Beschäftigten".

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