SPÖ-Klubtagung (4) - Hakel: Digitalisierung braucht die richtigen Rahmenbedingung, damit neue Jobs entstehen

Matznetter: Weitreichende Anpassungen bei Arbeitszeit und Organisation des Sozialstaats notwendig – shpock-Gründerin Klausberger: „Wir schaffen es, von Wien aus global zu agieren“

Wien (OTS/SK) - Was braucht ein Wirtschaftsstandort, um die Gründung von Start-ups zu begünstigen, und wie muss sich der Sozialstaat darauf einstellen, um mit den Folgen einer großflächigen Digitalisierung zurechtzukommen – damit setzten sich Elisabeth Hakel, SPÖ-Sprecherin für Kultur und Start-ups, SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter und die Start-up-Gründerin Katharina Klausberger („shpock“) in ihren Impulskommentaren auf der SPÖ-Klubtagung am Montag auseinander. Moderiert wurde die Diskussion von SPÖ-Technologiesprecher Philip Kucher. ****

Elisabeth Hakel geht davon aus, dass Digitalisierung die Arbeitswelt und die Arbeit an sich verändern wird. Es werden Arbeitsplätze verschwinden, und nicht einfach automatisch Neue entstehen: „Man muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit neue Arbeitsplätze entstehen.“ Sie berichtete darüber, wie das Start-up-Paket, das die Regierung im Sommer beschlossen hat, entstanden ist, an dem sie maßgeblich mitgearbeitet hat.

Für Hakel stand am Anfang, zu Jahresbeginn, ein Gespräch mit dem Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, der ihr erzählte, was aus seiner Sicht gut funktioniert in Österreich und was es noch braucht. Auf der Positivseite stehen demnach die sehr hohe Lebensqualität und auch das Bildungssystem, dazu noch funktionierende Behörden, auch wenn die Bürokratie manchmal Schwierigkeiten mache. Im Soll ebenfalls das Bildungssystem, in dem bestimmte Skills, wie Fremdsprachen, unternehmerisches Denken, Programmieren, noch stärker betont werden sollten; weniger Bürokratie für die GründerInnen steht ebenfalls auf der Wunschliste. Und: Start-ups und Gründungen sollten Chefsache werden.

Wie Hakel berichtete, hat sie sowohl von Klubobmann Andreas Schieder als auch vom neuen Bundeskanzler Christian Kern sehr viel Unterstützung bekommen; Kern habe darauf gedrängt, dass hier was weitergeht. Das Ergebnis ist das im Sommer beschlossene Start-up-Paket mit gezielten Förderungen bei den Lohnnebenkosten in den ersten Jahren von jungen Unternehmen, leichterem Zugang zu Risikokapital, einem One-Stop-Shop für GründerInnen, dem Patentscheck und einer Vereinfachung bei der Rot-Weiß-Rot-Karte.

Für die Zukunft wünscht sich Hakel ähnlich große Fortschritte bei der Gewerbeordnung, der Ausbildung von Fachkräften, maßgeschneiderten Mitarbeiterbeteiligungsmodellen für Start-ups; außerdem brauche Österreich ein modernes Insolvenzrecht. Die strengen Regelungen von Basel 3 sieht Hakel als ein Problem, weil viele JungunternehmerInnen deswegen kein Geld von der Bank bekommen. Sie hofft darauf, dass die EU-Regeln für Start-ups angepasst werden; denn sie habe leider zu oft gesehen, dass ein erfolgreiches Projekt an zwei, drei tausend Euro scheitert, „weil sich Banken nicht bewegen wollen oder dürfen“. Beim Thema Arbeitszeitflexibilisierung spricht sich Hakel für einen Mittelweg aus.

Matznetter: Wie erfolgt Verteilung von Wohlstand, wenn es nicht mehr über die Arbeit geht?

SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter betätigte sich schließlich, wie er selbst sagte, als „Spaßbremse“. Er verwies auf eine Studie von A.T. Kearney, wonach durch die Digitalisierung 1,8 Millionen Arbeitsplätze wegfallen könnten. Wie Matznetter erläuterte, habe es auch nach den bisherigen industriellen Revolutionen (Mechanisierung, Elektrifizierung, Automatisierung) immer weitreichende Anpassungen bei der Arbeitszeit infolge der Effizienzsprünge gegeben.

Gefragt seien freilich auch Anpassungen in anderen Bereichen, so Matznetter. Er ist überzeugt davon, dass man mit neun Jahren Pflichtschule in Zukunft nicht das Auslangen finden werde. Eine Anhebung des Pensionsalters werde sich „nicht ausgehen, wenn die Nachfrage nach Arbeit zurückgeht“. Angesichts von 300 Mio. Überstunden sieht Matznetter allerdings sehr wohl die Möglichkeit, das anders zu verteilen.

Die Grundfrage formulierte Matznetter so: „Wie kann Verteilung des Wohlstands erfolgen, wenn es nicht mehr über die Arbeit geht?“ Er betonte: „Wir werden eine andere Finanzierung des Sozial- und Wohlfahrtsstaats brauchen, eine, die nicht nur am Arbeitslohn hängt.“ In dem Zusammenhang forderte der SPÖ-Wirtschaftssprecher mehr Fairness in der Besteuerung von internationalen Konzernen: „Fairness heißt, dass nicht nur die Kleinen Steuern zahlen, sondern auch die Großen.“

Im Zeitalter der Digitalisierung müssen auch Gewerkschaften und Sozialdemokratie sich einstellen auf die neuen Arbeitsverhältnisse, Stichwort Crowdworking, das Matznetter mit den Tagelöhnern vergangener Jahrhunderte verglich. Die Organisation werde schwieriger und müsse im Internet erfolgen. Zum Schluss zeigte sich Matznetter aber optimistisch: „Das kann funktionieren, die Chancen sind da, wir können den Kampf gewinnen.“

„Wir schaffen es, von Wien aus global zu agieren“

Katharina Klausberger ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin der erfolgreichen Flohmarkt-App shpock. Sie berichtete, wie sie gemeinsam mit drei anderen Web-Entwicklern, ausgehend von einer Idee, die App entwickelt und das Unternehmen gegründet hat, wie sie in ihrer Anfangszeit sich selbst beigebracht haben, wie man Apps programmiert. Einen Monat nach dem Start hatte shpock 10.000 Downloads, heute ist das Unternehmen in sechs Ländern tätig, hat 30 Mio. Downloads, im Monat verwenden über 10 Mio. Leute shpock, sie rufen 2 Mrd. Seiten auf und verbringen pro Monat 10 Mio. Stunden dort. Klausberger: „Wir schaffen es, von Wien aus global zu agieren.“

„Das Team ist der Schlüssel“, so Klausberger, dazu noch „Drive und Willingness, zu lernen, was es für mobile Entwicklung braucht“. Was sie sich an Rahmenbedingungen wünscht? Für ihr Unternehmen war die Unterstützung durch die aws entscheidend – „ohne diese Unterstützung hätten wir nicht starten können“. Klausberger hob auch hervor, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Österreich in den letzten Jahrzehnten toll waren. Die MitarbeiterInnen ihres Unternehmens hätten ihren Hintergrund weder auf Eliteunis noch in reichen Elternhäusern. Hier wünscht sich die Unternehmerin auch mehr Möglichkeiten für Anreize für fähige MitarbeiterInnen, konkret für Beteiligungsprogramme, die gerade am Anfang wichtig seien, wo man nicht viel zahlen kann. Teammitglieder, die mit ins Risiko gehen, sollen dann auch belohnt werden können. Beim vieldiskutierten Thema Arbeitszeitflexibilisierung „sollte man schauen, dass man sich gegenseitig nicht behindert“.

Spannend findet Klausberger die von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid angekündigte Initiative, dass an den Schulen verstärkt Coding unterrichtet werden wird, um ein tiefes Verständnis von Digitalisierung zu fördern. Man müsse, so Klausberger, die richtigen Leute ausbilden, und wenn die nicht zu finden seien, es leichter machen, dass man sie nach Österreich bekommt. (Schluss) sc

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