- 07.11.2016, 14:03:36
- /
- OTS0154
SPÖ-Klubtagung (4) - Hakel: Digitalisierung braucht die richtigen Rahmenbedingung, damit neue Jobs entstehen
Matznetter: Weitreichende Anpassungen bei Arbeitszeit und Organisation des Sozialstaats notwendig – shpock-Gründerin Klausberger: „Wir schaffen es, von Wien aus global zu agieren“
Utl.: Matznetter: Weitreichende Anpassungen bei Arbeitszeit und
Organisation des Sozialstaats notwendig – shpock-Gründerin
Klausberger: „Wir schaffen es, von Wien aus global zu agieren“ =
Wien (OTS/SK) - Was braucht ein Wirtschaftsstandort, um die Gründung
von Start-ups zu begünstigen, und wie muss sich der Sozialstaat
darauf einstellen, um mit den Folgen einer großflächigen
Digitalisierung zurechtzukommen – damit setzten sich Elisabeth Hakel,
SPÖ-Sprecherin für Kultur und Start-ups, SPÖ-Wirtschaftssprecher
Christoph Matznetter und die Start-up-Gründerin Katharina Klausberger
(„shpock“) in ihren Impulskommentaren auf der SPÖ-Klubtagung am
Montag auseinander. Moderiert wurde die Diskussion von
SPÖ-Technologiesprecher Philip Kucher. ****
Elisabeth Hakel geht davon aus, dass Digitalisierung die Arbeitswelt
und die Arbeit an sich verändern wird. Es werden Arbeitsplätze
verschwinden, und nicht einfach automatisch Neue entstehen: „Man muss
die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit neue Arbeitsplätze
entstehen.“ Sie berichtete darüber, wie das Start-up-Paket, das die
Regierung im Sommer beschlossen hat, entstanden ist, an dem sie
maßgeblich mitgearbeitet hat.
Für Hakel stand am Anfang, zu Jahresbeginn, ein Gespräch mit dem
Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, der ihr erzählte, was aus
seiner Sicht gut funktioniert in Österreich und was es noch braucht.
Auf der Positivseite stehen demnach die sehr hohe Lebensqualität und
auch das Bildungssystem, dazu noch funktionierende Behörden, auch
wenn die Bürokratie manchmal Schwierigkeiten mache. Im Soll ebenfalls
das Bildungssystem, in dem bestimmte Skills, wie Fremdsprachen,
unternehmerisches Denken, Programmieren, noch stärker betont werden
sollten; weniger Bürokratie für die GründerInnen steht ebenfalls auf
der Wunschliste. Und: Start-ups und Gründungen sollten Chefsache
werden.
Wie Hakel berichtete, hat sie sowohl von Klubobmann Andreas Schieder
als auch vom neuen Bundeskanzler Christian Kern sehr viel
Unterstützung bekommen; Kern habe darauf gedrängt, dass hier was
weitergeht. Das Ergebnis ist das im Sommer beschlossene
Start-up-Paket mit gezielten Förderungen bei den Lohnnebenkosten in
den ersten Jahren von jungen Unternehmen, leichterem Zugang zu
Risikokapital, einem One-Stop-Shop für GründerInnen, dem Patentscheck
und einer Vereinfachung bei der Rot-Weiß-Rot-Karte.
Für die Zukunft wünscht sich Hakel ähnlich große Fortschritte bei der
Gewerbeordnung, der Ausbildung von Fachkräften, maßgeschneiderten
Mitarbeiterbeteiligungsmodellen für Start-ups; außerdem brauche
Österreich ein modernes Insolvenzrecht. Die strengen Regelungen von
Basel 3 sieht Hakel als ein Problem, weil viele JungunternehmerInnen
deswegen kein Geld von der Bank bekommen. Sie hofft darauf, dass die
EU-Regeln für Start-ups angepasst werden; denn sie habe leider zu oft
gesehen, dass ein erfolgreiches Projekt an zwei, drei tausend Euro
scheitert, „weil sich Banken nicht bewegen wollen oder dürfen“. Beim
Thema Arbeitszeitflexibilisierung spricht sich Hakel für einen
Mittelweg aus.
Matznetter: Wie erfolgt Verteilung von Wohlstand, wenn es
nicht mehr über die Arbeit geht?
SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter betätigte sich
schließlich, wie er selbst sagte, als „Spaßbremse“. Er verwies auf
eine Studie von A.T. Kearney, wonach durch die Digitalisierung 1,8
Millionen Arbeitsplätze wegfallen könnten. Wie Matznetter erläuterte,
habe es auch nach den bisherigen industriellen Revolutionen
(Mechanisierung, Elektrifizierung, Automatisierung) immer
weitreichende Anpassungen bei der Arbeitszeit infolge der
Effizienzsprünge gegeben.
Gefragt seien freilich auch Anpassungen in anderen Bereichen, so
Matznetter. Er ist überzeugt davon, dass man mit neun Jahren
Pflichtschule in Zukunft nicht das Auslangen finden werde. Eine
Anhebung des Pensionsalters werde sich „nicht ausgehen, wenn die
Nachfrage nach Arbeit zurückgeht“. Angesichts von 300 Mio.
Überstunden sieht Matznetter allerdings sehr wohl die Möglichkeit,
das anders zu verteilen.
Die Grundfrage formulierte Matznetter so: „Wie kann Verteilung des
Wohlstands erfolgen, wenn es nicht mehr über die Arbeit geht?“ Er
betonte: „Wir werden eine andere Finanzierung des Sozial- und
Wohlfahrtsstaats brauchen, eine, die nicht nur am Arbeitslohn hängt.“
In dem Zusammenhang forderte der SPÖ-Wirtschaftssprecher mehr
Fairness in der Besteuerung von internationalen Konzernen: „Fairness
heißt, dass nicht nur die Kleinen Steuern zahlen, sondern auch die
Großen.“
Im Zeitalter der Digitalisierung müssen auch Gewerkschaften und
Sozialdemokratie sich einstellen auf die neuen Arbeitsverhältnisse,
Stichwort Crowdworking, das Matznetter mit den Tagelöhnern
vergangener Jahrhunderte verglich. Die Organisation werde schwieriger
und müsse im Internet erfolgen. Zum Schluss zeigte sich Matznetter
aber optimistisch: „Das kann funktionieren, die Chancen sind da, wir
können den Kampf gewinnen.“
„Wir schaffen es, von Wien aus global zu agieren“
Katharina Klausberger ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin der
erfolgreichen Flohmarkt-App shpock. Sie berichtete, wie sie gemeinsam
mit drei anderen Web-Entwicklern, ausgehend von einer Idee, die App
entwickelt und das Unternehmen gegründet hat, wie sie in ihrer
Anfangszeit sich selbst beigebracht haben, wie man Apps programmiert.
Einen Monat nach dem Start hatte shpock 10.000 Downloads, heute ist
das Unternehmen in sechs Ländern tätig, hat 30 Mio. Downloads, im
Monat verwenden über 10 Mio. Leute shpock, sie rufen 2 Mrd. Seiten
auf und verbringen pro Monat 10 Mio. Stunden dort. Klausberger: „Wir
schaffen es, von Wien aus global zu agieren.“
„Das Team ist der Schlüssel“, so Klausberger, dazu noch „Drive und
Willingness, zu lernen, was es für mobile Entwicklung braucht“. Was
sie sich an Rahmenbedingungen wünscht? Für ihr Unternehmen war die
Unterstützung durch die aws entscheidend – „ohne diese Unterstützung
hätten wir nicht starten können“. Klausberger hob auch hervor, dass
die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Österreich in den letzten
Jahrzehnten toll waren. Die MitarbeiterInnen ihres Unternehmens
hätten ihren Hintergrund weder auf Eliteunis noch in reichen
Elternhäusern. Hier wünscht sich die Unternehmerin auch mehr
Möglichkeiten für Anreize für fähige MitarbeiterInnen, konkret für
Beteiligungsprogramme, die gerade am Anfang wichtig seien, wo man
nicht viel zahlen kann. Teammitglieder, die mit ins Risiko gehen,
sollen dann auch belohnt werden können. Beim vieldiskutierten Thema
Arbeitszeitflexibilisierung „sollte man schauen, dass man sich
gegenseitig nicht behindert“.
Spannend findet Klausberger die von Bildungsministerin Sonja
Hammerschmid angekündigte Initiative, dass an den Schulen verstärkt
Coding unterrichtet werden wird, um ein tiefes Verständnis von
Digitalisierung zu fördern. Man müsse, so Klausberger, die richtigen
Leute ausbilden, und wenn die nicht zu finden seien, es leichter
machen, dass man sie nach Österreich bekommt. (Schluss) sc
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | SPK






