• 06.11.2016, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 7. November 2016 von Peter Nindler "Nicht am Sockel der Immunität"

Innsbruck (OTS) - Eduard Wallnöfer verkörpert als Mensch und
Politiker Tiroler Zeitgeschichte. Wenn seine Büste schon an dem
zentralen Ort des Erinnerns in Innsbruck aufgestellt wird, dann muss
sie auch Teil der differenzierten Erinnerungskultur sein.

Die Kontroverse über die von Rudi Wach gestaltete Büste des
ehemaligen Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer ist eine wertvolle.
Weil es um die stets herausfordernde Auseinandersetzung mit der
Erinnerungskultur in Tirol geht. Zu oft wurde in der Vergangenheit
glorifiziert, zu wenig differenziert. Die Person Wallnöfer und der
von der Volkspartei forcierte Aufstellungsort für die Skulptur am
gleichnamigen Platz vor dem Landhaus offenbaren den gesamten
Spannungsbogen. Auch weil der Wallnöfer-Platz zum zentralen Raum des
öffentlichen Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus geworden
ist.
Den Konflikt allein auf die 2005 bekannt gewordene Mitgliedschaft
Wallnöfers in der NSDAP auszurichten, wäre jedoch stereotyp. Wer
diesen inzwischen fixen Bestandteil und dunklen Fleck in seiner
Biographie überzeichnet, wird dem Menschen und Politiker Wallnöfer
keinesfalls gerecht. Auf einem Podest der „Diskussions-Immunität“ hat
er ebenfalls nichts verloren. Sich allerdings zeitgemäß auf eine der
prägendsten Persönlichkeiten des Landes einzulassen, damit tut sich
knapp 30 Jahre nach Wallnöfers Tod vor allem die ÖVP nach wie vor
schwer. Weil die Legendenbildung weiterhin gegenwärtig ist und sich
noch zu viele Parteigänger an die absoluten ÖVP-Zeiten unter ihrem
Übervater „Walli“ zurückerinnern und wohl auch -sehnen.
In seiner politischen Hochzeit in den 1960er- und 1970er-Jahren hat
Wallnöfer Tirol mit Weitblick (infrastrukturell) modernisiert, am
Ende seiner Amtszeit fehlte ihm jedoch das Gespür für die
vielfältiger gewordene Gesellschaft. Das schmälert seine politischen
Leistungen nicht, doch für die neuen Herausforderungen etwa in der
Umwelt-und Verkehrspolitik ließ er die notwendige Umsicht vermissen.
Das Agrargemeinschafts-Unrecht bleibt ebenfalls ein Makel; weil aus
Wallnöfers Selbstverständnis heraus nicht nur die Volkspartei,
sondern viele gesellschaftliche Bereiche das Klavier waren, auf dem
der Bauernbund gespielt hat. Also wie umgehen mit Eduard Wallnöfer im
Jahr 2016? Unaufgeregt.
Statuen und Büsten sind nicht mehr zeitgemäß, außerdem wird an
Wallnöfer ohnehin landauf, landab erinnert. Der Ankauf über die
Landesgedächtnisstiftung ist fragwürdig, doch die Entscheidung
gefallen. Vielleicht gehört die Walli-Büste sogar auf den
Landhausplatz, weil er als Mensch und Politiker einen Teil Tiroler
Zeitgeschichte und den Umgang damit verkörpert. Aber es braucht dazu
eine historische Kommentierung, die nicht nur Wallnöfer gerecht wird,
sondern auch der Erinnerungskultur.

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