• 03.11.2016, 10:20:59
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  • OTS0061

AK-Wissenschaftspreis 2016 verliehen: „Arbeit ist das halbe Leben“

Linz (OTS) - Das Erwerbsleben erstreckt sich auf 40 bis 45 Jahre.
Somit kann man mit Recht davon ausgehen, dass wir die Hälfte unseres
Lebens mit Arbeit verbringen. Deshalb stand der 33.
Wissenschaftspreis, den die AK in Kooperation mit der Johannes Kepler
Universität Linz vergibt, unter dem Motto „Arbeit ist das halbe
Leben“. Aus den eingereichten Arbeiten wurden drei ausgezeichnet.

Ist Arbeit nur Lebensunterhalt – oder doch mehr? Welche Funktion hat
Arbeit in unserem heutigen Leben? Gibt es nicht auch Sinnstiftung,
die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben oder die Positionierung in
der Gesellschaft? „Diese Faktoren gewinnen angesichts neuer
Arbeitsformen, hinsichtlich zeitlicher und räumlicher Begrenzung oder
hinsichtlich atypischer Beschäftigung zusehends an Bedeutung“, so
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer bei der Preisverleihung. „Ich sehe
in dieser Diskussion eine wichtige Herausforderung für unsere
Interessenvertretungstätigkeit.“

Ein Foto von der Preisverleihung finden Sie auf unserer Homepage
http://ooe.arbeiterkammer.at zum kostenlosen Download.

Die Preisträger/-innen und ihre Arbeiten:

● Dipl.Ing.in Theresa Adamski MAS untersuchte in ihrer Masterthesis
den „Zusammenhang von Geschlecht und Arbeit in der Konstruktion der
Identitätskonzepte der Firma Bat‘a“. Als Quelle nutzt die Autorin die
deutschsprachige Wochenzeitschrift „Der Pionier“. In der Arbeit
werden Geschlechter- und Arbeitsdiskurse des tschechischen
Schuhherstellers Bat’a sichtbar gemacht, die auch eng mit Konzepten
von Modernität in Zusammenhang stehen. Die Analysen zeigen, dass die
Arbeitskonzepte und der Arbeitsbegriff in der Zeitschrift nicht ohne
Berücksichtigung von Geschlechterhierarchien behandelt werden können.
Während der unspezifische Begriff Arbeit auf einer unmarkierten
männlichen Norm aufbaut und sich auf Erwerbsarbeit bezieht, wird
‚weibliche’ Arbeit immer als solche gekennzeichnet. Bei Männern wird
ausschließlich der Erwerbsarbeit Relevanz beigemessen, während Frauen
vor allem der Haus- und Familienarbeit und erst nachrangig der
Erwerbsarbeit nachgehen sollten.

● Markus Ellmer, BSc MSc beschäftigte sich in seiner Masterarbeit mit
dem relativ neuen Phänomen von digitalen
Arbeitsvermittlungsplattformen am Beispiel von „Amazon Mechanical
Turk“ (AMT) und Arbeitsbedingungen von sogenannten
Crowdworkern/-innen, am Beispiel von AMT spricht man von
Turkern/-innen. Die Arbeitsbeziehungen auf AMT sind von Macht- und
Informationsasymmetrien zulasten der Turker/-innen charakterisiert.
Der Autor geht systematisch den Ursachen dieser Asymmetrien nach, die
vorwiegend im Design der digitalen Infrastruktur begründet liegen. Er
stellt ganz klar fest, dass es elektronische Tools wie Turkopticon
oder Faircrowdwork braucht, um für die notwendige Transparenz auf
derartigen Plattformen zu sorgen. Der Autor zeigt auf, dass digitale
Arbeit gestaltbar ist und für exkludierte Gruppen durchaus inklusiven
Charakter hat, wenn Standards geschaffen und eingehalten werden.

● MMag.a Dr.in Claudia Kathan untersuchte in ihrer Dissertation die
Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen von
(Nachwuchs-)Wissenschaftern/-innen im Lichte der europäischen
Wettbewerbsfähigkeit. Zunächst erfolgt ein (historischer) Abriss
universitätsrechtlicher Grundlagen, der besonders dem Verständnis des
neuen Karrieremodells des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie den in
diesem Zusammenhang geltenden arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen
dient. Danach widmet sich die Verfasserin den an den Universitäten
vorhandenen Karrieremodellen, indem zunächst ein Bogen zwischen dem
ursprünglichen Vier-Säulen-Modell und dem kollektivvertraglichen
Tenure-Track-Modell gespannt wird sowie Unterschiede herausgearbeitet
werden. In der Folge wird das Karrieremodell einer
rechtsvergleichenden Untersuchung zugeführt, indem das in Deutschland
bestehende Modell näher betrachtet wird.

Jetzt einreichen für 2017!

Der AK-Wissenschaftspreis 2017 zeichnet wissenschaftliche Arbeiten
aus, die 2016 und 2017 fertiggestellt wurden/werden und die der
Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von
Arbeitnehmern/-innen dienen. Die Arbeiten müssen sich mit dem Thema
„Arbeit 4.0“ befassen. „Arbeit 4.0“ wird vor allem durch
Automatisierung, Digitalisierung und damit auch neuen Arbeitsformen
wie etwa Crowd- oder Click-Working geprägt. Diese Veränderungen
bergen Chancen und Risiken, vor allem aber werden die Arbeitsformen
und die Arbeitsbeziehungen stark verändert. Das Preisgeld beträgt
gesamt 9.000 Euro. Details zur Ausschreibung und zum Thema unter
http://ooe.arbeiterkammer.at

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