AK-Wissenschaftspreis 2016 verliehen: „Arbeit ist das halbe Leben“

Linz (OTS) - Das Erwerbsleben erstreckt sich auf 40 bis 45 Jahre. Somit kann man mit Recht davon ausgehen, dass wir die Hälfte unseres Lebens mit Arbeit verbringen. Deshalb stand der 33. Wissenschaftspreis, den die AK in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität Linz vergibt, unter dem Motto „Arbeit ist das halbe Leben“. Aus den eingereichten Arbeiten wurden drei ausgezeichnet.

Ist Arbeit nur Lebensunterhalt – oder doch mehr? Welche Funktion hat Arbeit in unserem heutigen Leben? Gibt es nicht auch Sinnstiftung, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben oder die Positionierung in der Gesellschaft? „Diese Faktoren gewinnen angesichts neuer Arbeitsformen, hinsichtlich zeitlicher und räumlicher Begrenzung oder hinsichtlich atypischer Beschäftigung zusehends an Bedeutung“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer bei der Preisverleihung. „Ich sehe in dieser Diskussion eine wichtige Herausforderung für unsere Interessenvertretungstätigkeit.“

Ein Foto von der Preisverleihung finden Sie auf unserer Homepage http://ooe.arbeiterkammer.at zum kostenlosen Download.

Die Preisträger/-innen und ihre Arbeiten:

● Dipl.Ing.in Theresa Adamski MAS untersuchte in ihrer Masterthesis den „Zusammenhang von Geschlecht und Arbeit in der Konstruktion der Identitätskonzepte der Firma Bat‘a“. Als Quelle nutzt die Autorin die deutschsprachige Wochenzeitschrift „Der Pionier“. In der Arbeit werden Geschlechter- und Arbeitsdiskurse des tschechischen Schuhherstellers Bat’a sichtbar gemacht, die auch eng mit Konzepten von Modernität in Zusammenhang stehen. Die Analysen zeigen, dass die Arbeitskonzepte und der Arbeitsbegriff in der Zeitschrift nicht ohne Berücksichtigung von Geschlechterhierarchien behandelt werden können. Während der unspezifische Begriff Arbeit auf einer unmarkierten männlichen Norm aufbaut und sich auf Erwerbsarbeit bezieht, wird ‚weibliche’ Arbeit immer als solche gekennzeichnet. Bei Männern wird ausschließlich der Erwerbsarbeit Relevanz beigemessen, während Frauen vor allem der Haus- und Familienarbeit und erst nachrangig der Erwerbsarbeit nachgehen sollten.

● Markus Ellmer, BSc MSc beschäftigte sich in seiner Masterarbeit mit dem relativ neuen Phänomen von digitalen Arbeitsvermittlungsplattformen am Beispiel von „Amazon Mechanical Turk“ (AMT) und Arbeitsbedingungen von sogenannten Crowdworkern/-innen, am Beispiel von AMT spricht man von Turkern/-innen. Die Arbeitsbeziehungen auf AMT sind von Macht- und Informationsasymmetrien zulasten der Turker/-innen charakterisiert. Der Autor geht systematisch den Ursachen dieser Asymmetrien nach, die vorwiegend im Design der digitalen Infrastruktur begründet liegen. Er stellt ganz klar fest, dass es elektronische Tools wie Turkopticon oder Faircrowdwork braucht, um für die notwendige Transparenz auf derartigen Plattformen zu sorgen. Der Autor zeigt auf, dass digitale Arbeit gestaltbar ist und für exkludierte Gruppen durchaus inklusiven Charakter hat, wenn Standards geschaffen und eingehalten werden.

● MMag.a Dr.in Claudia Kathan untersuchte in ihrer Dissertation die Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen von (Nachwuchs-)Wissenschaftern/-innen im Lichte der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Zunächst erfolgt ein (historischer) Abriss universitätsrechtlicher Grundlagen, der besonders dem Verständnis des neuen Karrieremodells des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie den in diesem Zusammenhang geltenden arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen dient. Danach widmet sich die Verfasserin den an den Universitäten vorhandenen Karrieremodellen, indem zunächst ein Bogen zwischen dem ursprünglichen Vier-Säulen-Modell und dem kollektivvertraglichen Tenure-Track-Modell gespannt wird sowie Unterschiede herausgearbeitet werden. In der Folge wird das Karrieremodell einer rechtsvergleichenden Untersuchung zugeführt, indem das in Deutschland bestehende Modell näher betrachtet wird.

Jetzt einreichen für 2017!

Der AK-Wissenschaftspreis 2017 zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus, die 2016 und 2017 fertiggestellt wurden/werden und die der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeitnehmern/-innen dienen. Die Arbeiten müssen sich mit dem Thema „Arbeit 4.0“ befassen. „Arbeit 4.0“ wird vor allem durch Automatisierung, Digitalisierung und damit auch neuen Arbeitsformen wie etwa Crowd- oder Click-Working geprägt. Diese Veränderungen bergen Chancen und Risiken, vor allem aber werden die Arbeitsformen und die Arbeitsbeziehungen stark verändert. Das Preisgeld beträgt gesamt 9.000 Euro. Details zur Ausschreibung und zum Thema unter http://ooe.arbeiterkammer.at

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. (FH) Wolfgang Spitzbart
+43 (0)50 6906-2186
wolfgang.spitzbart@akooe.at
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