- 24.10.2016, 12:06:20
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WIFO zur Wertschöpfungsabgabe: Beschäftigungsplus möglich, aber auch Risiken
Wien (OTS) - Die von der Politik diskutierte Einführung einer
Wertschöpfungsabgabe dürfte zwar kurzfristig positive Effekte haben,
die möglichen Nachteile sind aber schwierig einzuschätzen. Auf lange
Sicht könnte die Nachfrage nach Arbeitskräften sogar sinken. Zu
diesem Schluss kommt WIFO-Steuerexpertin Margit Schratzenstaller in
einer aktuellen Kurzexpertise. Sie verweist auf zusätzlichen
Forschungsbedarf.
Die politisch umstrittene Wertschöpfungsabgabe könnte sich
kurzfristig positiv auf die Beschäftigung auswirken. Ob sie sich
jedoch eignet, die soziale Sicherung in Österreich besser zu
finanzieren, lässt sich nicht belegen: Die neue Abgabe könnte die
internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Investitionsnachfrage
hemmen. Das ergibt eine gemeinsam mit dem Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) erstellte Kurzexpertise des
Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), die in
Kürze erscheint.
Es ist geplant, die Wertschöpfungsabgabe als Arbeitgeberbeitrag
zur Sozialversicherung auszugestalten. Sie würde die derzeit rein
lohnsummenbasierten Arbeitgeberbeiträge teilweise ersetzen und
stattdessen Unternehmens- und Kapitalerträge besteuern. In Zeiten von
Digitalisierung und Automatisierung, die die Arbeitskräftenachfrage
dämpfen können, soll die neue Abgabe beitragen, die soziale Sicherung
zu finanzieren. Zudem wäre, so die Idee, der Faktor Arbeit entlastet.
Ob eine derartige Steuer langfristig eine Beschäftigungssteigerung
mit sich bringt und zur sozialen Sicherung beiträgt, ist aber nicht
belegbar: "Für gesicherte Aussagen fehlen die Daten. Die Forschung
ist lückenhaft", sagt WIFO-Ökonomin Margit Schratzenstaller. Dass die
Finanzierungsbasis der Sozialversicherungen massiv gefährdet ist, sei
zudem in Österreich derzeit nicht absehbar. Unklar ist auch, wie sich
eine Wertschöpfungsabgabe auf die Einkommensverteilung auswirkt:
"Falls Unternehmen die Abgabe über die Preise auf die privaten
Haushalte teilweise überwälzen, würden einkommensschwache
Bevölkerungsschichten sogar darunter leiden."
Auf lange Sicht könnte die Abgabe die Investitionen der
Unternehmen dämpfen. Wenn die inländischen Unternehmensgewinne
stärker belastet werden, dürften Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum
leiden. "Damit würde die Nachfrage nach Arbeitskräften letztlich
sogar sinken und nicht - wie erhofft - steigen", sagt
Schratzenstaller. Ebenfalls zu bedenken: Gewinne sind von Unternehmen
besser zu ihren Gunsten gestaltbar als die Lohnsumme. Vor allem
multinationale Unternehmen, die einen größeren Spielraum zur
Gewinnverlagerung ins Ausland haben, wären schwierig zu besteuern.
Eine Diskussion über die Zukunft der sozialen Sicherung hält
WIFO-Ökonomin Schratzenstaller dennoch für überfällig. "Der Faktor
Arbeit ist in Österreich definitiv zu stark belastet. Einzelne neue
Abgaben wie die Wertschöpfungsabgabe greifen aber zu kurz. Was fehlt,
ist ein umfassendes Konzept zum Umbau des Steuer- und
Abgabensystems."
In den WIFO-Monatsberichten (http://monatsberichte.wifo.ac.at)
erscheint in den nächsten Tagen eine Analyse der möglichen
Auswirkungen der Einführung einer Wertschöpfungsabgabe.
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