• 19.10.2016, 13:24:55
  • /
  • OTS0161

AK-Kalliauer zu Pierer und Kapsch: „Hören Sie auf mit der Miesmacherei des Standortes und der Beschäftigten!“

Linz (OTS) - Die Industriellen Stefan Pierer und Georg Kapsch
lieferten wieder wahre Tiraden gegen den Staat, die
Sozialpartnerschaft und vor allem gegen die Arbeitnehmer/-innen. „Wer
im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“, erinnert
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer den KTM-Chef Pierer an die
Rettungsaktion seines eigenen Unternehmens durch den Staat: „Wer für
seine Firma Landeshaftungen und für seine Entwicklungstätigkeiten
öffentliche Unterstützung in Anspruch nimmt, dessen Angriffe auf den
Staat sind peinlich und wirklich entbehrlich!“

„Die international überdurchschnittlich guten Leistungen von
Österreichs Volkswirtschaft mieszumachen, ist ein Generalangriff auf
alle Arbeitnehmer/-innen und auf die vielen Betriebe, die miteinander
sehr gut arbeiten. Ein Beitrag dazu ist das funktionierende
Zusammenspiel von Gesetz, Kollektivverträgen und
Betriebsvereinbarungen, ein österreichischer Bonus, um den uns sehr
viele Staaten beneiden. Er bewahrt die Betriebe und die Beschäftigten
vor einem bodenlosen Wettbewerb nach unten“, sagt AK-Präsident
Kalliauer. Eine Aufweichung von arbeitsrechtlichen Schutzstandards
kommt für die Arbeiterkammer nicht in Frage. Enormen
Verbesserungsbedarf gibt es aber bei den Löhnen, bei den
Arbeitsbedingungen und vor allem bei den Steuertricks der Konzerne.

Österreichs Arbeitnehmer/-innen sind überdurchschnittlich flexibel

Permanent beklagen Unternehmervertreter/-innen die angeblich
„untragbare Arbeitszeitregulierung“. Die Realität sieht für die
österreichischen Arbeitnehmer/-innen ganz anders aus – flexibles
Arbeiten ist für sie „tägliches Brot“:
• bei deutlich mehr als der Hälfte ist die Arbeitszeitdauer pro Tag
nicht gleich,
• fast ein Drittel der Beschäftigten hat jede Woche andere
Arbeitszeiten,
• jede/r Zweite hat keinen fixen Arbeitsbeginn und/oder kein fixes
Arbeitsende.

Damit weist Österreich bei der Flexibilität überdurchschnittlich hohe
Werte auf. Besorgniserregend kommt dazu, dass zwei von drei
Arbeitnehmern/-innen fast immer oder sehr oft unter Termindruck
arbeiten müssen. (Quelle: Europaweite Erhebung über die
Arbeitsbedingungen - 6th Working Conditions Survey von Eurofound)

Lohnnebenkosten im EU-Schnitt

„Österreich liegt bei den Lohnnebenkosten etwa im EU-Schnitt,“
reagiert AK-Präsident Kalliauer auf Pierers Schelte. „Die in den
Löhnen enthaltenen Sozialversicherungsbeiträge sind ein wichtiger
Beitrag für die Finanzierung von Pensionen und anderen
Versicherungsleistungen unseres hervorragenden Sozialsystems.“
Übrigens beträgt das mittlere Bruttoeinkommen in Österreich nicht
(wie Pierer behauptet) 3.000 Euro, sondern liegt fast ein Drittel
darunter – laut Sozialversicherungsdaten bei rund 2.100 Euro.

Der wahre Schaden für den Standort ist die Steuervermeidung

Durch die internationale Steuervermeidung und -hinterziehung entgehen
Österreich und anderen Staaten wichtige Finanzierungsmittel. „Das ist
der wahre Schaden für Österreich“, so Kalliauer, „für dessen Behebung
sich der Finanzminister mehr einsetzen sollte.“

Mit der Wirtschaftskraft, dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, rangiert
Österreich seit Jahren unter den besten zehn Industriestaaten. Auch
die außenwirtschaftliche Performance ist sehr dynamisch: in den
letzten zwei Jahrzehnten sind die Exporte real um rund 150 Prozent
gestiegen.

Aufholbedarf hat Österreich aber bei seiner binnenwirtschaftlichen
Entwicklung: Denn die massiven Zuwächse im Export lassen zwar die
Profite der Exportindustrie florieren, nicht aber die Löhne der
Arbeitnehmer/-innen und auch nicht die Investitionen der Unternehmen.
Der private Konsum der Menschen ist gerade einmal um ein Drittel
höher als vor zwanzig Jahren, und die Investitionen haben sich noch
schwächer entwickelt.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel