- 18.10.2016, 16:48:09
- /
- OTS0229 OTW0229
Sportausschuss: Antidopingagentur setzt Präventionsmaßnahmen in Schulen
Anti-Doping-Bericht 2015 weist mehr Kontrollen aus
Utl.: Anti-Doping-Bericht 2015 weist mehr Kontrollen aus =
Wien (PK) - Die heimischen SportlerInnen wurden im vergangenen Jahr
von der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) 2.734 mal auf Doping
getestet. In einem öffentlichen Teil der Sitzung behandelte der
Sportausschuss heute den Jahresbericht 2015, aus dem hervorgeht, dass
24 SportlerInnen und damit um die Hälfte mehr als im vergangenen Jahr
gesperrt wurden (III-258 d.B.). Den Abgeordneten stand NADA-Chef
Michael Cepic als Auskunftsperson zur Verfügung, der sich für mehr
Unabhängigkeit der Kontrollen und ein länderübergreifendes
Mentoringprogramm aussprach. Cepic betonte die Wichtigkeit der
Informations- und Präventionsarbeit, vor allem bei jungen
SportlerInnen. Der Bericht wurde von den Abgeordneten einstimmig zur
Kenntnis genommen.
Die jüngsten Entwicklungen auf internationaler Ebene wirken sich auch
auf Österreich aus, so Cepic in seiner Replik über das Jahr 2015.
Während die Doping-Kontrollen im Vergleich zu 2014 um 3,6%
angestiegen sind, war ein Rückgang der Anträge auf medizinische
Ausnahmegenehmigungen für Medikamenten-Einnahmen zu verzeichnen. Die
meisten Sperren gab es im Kraftdreikampf mit 13, gefolgt vom Radsport
mit sieben Fällen. Auf der Grundlage der Novelle zum Anti-Doping-
Bundesgesetz 2014 wurde die Anzahl der EinzelsportlerInnen im
Nationalen Testpool von zirka 1.100 im Jahr 2014 auf zirka 750
eingeschränkt. Die Vernetzung von Exekutive, Gerichten und
Staatsanwaltschaft wurde erfolgreich verbessert, unterstrich Cepic.
NADA setzt auf Kooperation mit strafrechtlichen Behörden
Der Rückgang der Anträge auf medizinische Ausnahmegenehmigungen für
Medikamenten-Einnahmen ist laut NADA auf gesetzliche Änderungen und
eine verstärkte Bewusstseinsbildung zurückzuführen, erfuhr Eva
Mückstein von den Grünen. Ein solcher Antrag muss von erkrankten
SportlerInnen gestellt werden, wenn eine medikamentöse Behandlung,
die verbotene Substanzen enthält, alternativlos ist. 2014 waren es 63
Anträge, im vorigen Jahr 43. Nun sind alle betroffenen Medikamente
online gelistet und können mittels Suchfunktion abgerufen werden.
Dadurch können die SportlerInnen einfach auf alle notwendigen
Informationen zugreifen, die Notwendigkeit Anträge zu stellen habe
sich somit reduziert, informierte Geschäftsführer Michael Cepic die
Abgeordneten. Aber nicht nur die SportlerInnen werden zur
Verantwortung gezogen, auch deren Umfeld muss sich entsprechend
verhalten, führte Cepic gegenüber Ulrike Weigerstorfer (T) aus. Unter
Strafe steht sowohl die Komplizenschaft als auch der Umgang mit
bestraften Personen beispielsweise als Trainer.
Um internationalen aber auch nationalen Trends Rechnung zu tragen,
strebt die NADA die Schaffung einer Intelligence & Investigations"-
Abteilung an. Damit könnte die nicht-analytische Beweisführung, also
Ermittlungsarbeit und die Kooperation mit strafrechtlichen Behörden,
weiter ausgebaut werden. Dopingrelevante Informationen könnten
gesammelt, bewertet und bei ausreichendem Verdacht ein Anti-Doping
Verfahren eingeleitet werden. Durch reine Stichproben-Kontrollen
seien nicht ausreichend Ergebnisse zu erzielen, weshalb zusätzliche
Untersuchungen und Nachforschungen notwendig seien, erwiderte Cepic
auf die Frage von Norbert Sieber(V). Von Michael Bernhard (N)
angesprochen, machte Cepic die Abgeordneten auf eine
Kronzeugenregelung aufmerksam. Grundlage dafür ist der Welt-Anti-
Doping-Code, ein weltweit gültiges Regelwerk von Anti-Doping-
Bestimmungen. Wenn wesentliche Beweise für Verstöße hervorgebracht
werden, werden die Strafen der Hinweisgeber erheblich gesenkt.
Ausschussobmann Dieter Brosz (G) thematisierte die von der NADA
durchgeführten Überprüfungen, die ergaben, dass 38 Sportfachverbände
die Gesetzesvorgaben vollinhaltlich erfüllten, 20 Verbände lediglich
eine vorläufige Ausarbeitung ihres Verbandsreglements übermittelten
und die Beschlussfassung 2016 zusicherten. Von zwei Verbänden
erfolgte trotz mehrmaliger Kontaktaufnahmen keine Rückmeldung
hinsichtlich des Verbandsreglements, übte Brosz Kritik und wies auf
den Nachholbedarf der Verbände hin.
Präventionsmaßnahmen an Sportschulen
Ein wichtiger Kernbereich der NADA ist Prävention durch Information.
Die NADA setzt bereits bei Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren an
und führt Schulprogramme durch, um den Nachwuchs frühzeitig über die
Konsequenzen und Gefahren von Doping aufzuklären. Ab der 5.
Schulstufe werden so die SchlülerInnen von Leistungssportschulen
sowie künftig auch Fußballakademien über Doping informiert. Durch die
Schulungen soll das Selbstbewusstein gesteigert werden, um die
SchülerInnen dazu zu bewegen, den "richtigen Weg" zu gehen und in der
Situation über alle relevanten Informationen zu verfügen, stellte
Cepic gegenüber Jessi Lintl (F) fest. Aber auch die Öffentlichkeit
soll auf "sauberen Sport" sensibilisiert werden.
Der Übergang von Einnahme von Vitaminen zum Doping sei ein
fließender, meinte Julian Schmid (G) und verwies auf eine doping-
ähnliche Problematik zur Konzentrationssteigerung im Schulbereich. Es
handle sich um ein gesellschaftliches Problem, stimmte Cepic dem
Abgeordneten zu, dieses zu bekämpfen überschreite jedoch den
Aufgabenbereich der NADA.
Breitensport - Masse nicht von Doping betroffen
Beim Breitensport führe die NADA zielgerichtete Kontrollen durch,
grundsätzlich sei die Exekutive dafür zuständig, bemerkte Cepic auf
Rückfrage des Abgeordneten Hermann Krist (S). Der Großteil der
breiten Masse betreibe jedoch kein Doping, sagte Cepic, der auch über
die Problematik von Fitnesscentern als Handelsplattform im Bilde war.
Problematisch sah der NADA-Geschäftsführer Ungleichheiten bei den
Standards der Kontrollen. Während sich österreichische SportlerInnen
konsequenten Überprüfungen unterziehen müssen, haben andere Länder
weniger Erfahrung damit. Die SportlerInnen unterliegen ungleichen
Kontrollen, kritisierte Cepic und brachte den Vorschlag auf, ein
Mentoringprogramm einzuführen, das gleiche Bedingungen bei Kontrollen
sicherstellt.
NADA
Die Nationale Anti-Doping Agentur GmbH (NADA Austria) gibt es in
Österreich seit 2008. Per Gesetz hat sie als unabhängige
Dopingkontrolleinrichtung die Aufgabe der umfassenden Anti-Doping
Arbeit im Sport. Grundlage für ihre Arbeit ist der Welt-Anti-Doping-
Code, ein weltweit gültiges Regelwerk von Anti-Doping-Bestimmungen,
der von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) herausgegeben wird. Der
Sitz der NADA ist in Wien, im Jahr 2015 hat die Organisation neun
MitarbeiterInnen beschäftigt. 103 MitarbeiterInnen waren extern für
Doping-Kontrollen unterwegs. (Schluss) gro
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA






