- 18.10.2016, 10:41:16
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Gesundheitsbarometer 2: Falsche Richtung und fehlende Finanzierung
Für 56 Prozent hört die Politik zu wenig auf die Ärzte – Steinhart: „Wir fordern von Finanzminister eine faire Gesundheitsfinanzierung“
Utl.: Für 56 Prozent hört die Politik zu wenig auf die Ärzte –
Steinhart: „Wir fordern von Finanzminister eine faire
Gesundheitsfinanzierung“ =
Wien (OTS) - Wäre das Gesundheitssystem ein Patient, wäre der
Krankenstand schon ausgestellt, denn die Fieberkurve steigt: Bereits
41 Prozent finden, dass das Gesundheitssystem in eine falsche
Richtung läuft. „Auch die Patienten erkennen, dass hier seit Jahren
ein gesundes System krankgespart wird“, bewertet
Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart die eindeutigen
Ergebnisse. ****
In den vergangenen Jahren war in der Gesundheitspolitik der Trend
bemerkbar, weitreichende Entscheidungen möglichst an der Ärzteschaft
vorbei zu treffen. Dass das zu nichts Gutem führt, zeigen die
mangelhafte Umsetzung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) und
der E-Medikation, die PHC-Gesetzgebung oder auch die diversen
Sparprogramme, die in Wien bereits massive Proteste ausgelöst haben.
56 Prozent sind sich sicher, dass die österreichische
Gesundheitspolitik zu wenig auf die Meinung der Ärztinnen und Ärzte
hört. „Statt weiter auf die ärztliche Expertise zu verzichten, um
sich kritische Stellungnahmen zu ersparen, sollten diese Ergebnisse
die Gesprächsbereitschaft der Politik stark steigern“, so Steinhart.
Die Behauptung von Politikern, Kassenfunktionären und
Patientenanwälten, die Öffnungszeiten der Ordinationen seien zu kurz,
weshalb man unbedingt Versorgungszentren benötige, wird durch die
Umfrageergebnisse massiv infrage gestellt: Immerhin zeigen sich 86
Prozent der Befragten mit den Öffnungszeiten der Hausärzte zufrieden,
bei den Fachärzten sind es 75 Prozent. „Hier lässt sich also eine
andere Patientenmeinung erkennen, als gerne verbreitet wird. Die
Zustimmung steigt sogar nochmals, wenn man aktuell in ärztlicher
Behandlung ist“, stellt Hajek fest.
Dass jüngere Menschen die aktuellen Öffnungszeiten tendenziell
kritischer beurteilen, zeigt aber noch weiteren Optimierungsbedarf:
„Es braucht mehr Ärztinnen und Ärzte und mehr Vernetzung“, meint
Steinhart. Gesundheitspolitik und Krankenkassen seien gefordert, die
Rahmenbedingungen im niedergelassenen Bereich für Arzt und Patient
attraktiv zu gestalten.
Bürokratie reduzieren, Gesundheit finanzieren
Die Patienten erkennen sehr gut, dass der Verwaltungsaufwand in
den Ordinationen deutlich reduziert gehört: Die Forderung nach einem
Bürokratieabbau wird von 53 Prozent der Befragten unterstützt. „Eine
Mehrheit hat das Gefühl, dass der Administrationsaufwand für die
Ärztinnen und Ärzten zu groß ist. Dahinter verbirgt sich auch die
Sorge, dass dies zulasten der Patientenbetreuung gehen könnte“,
betont Hajek.
Damit wird auch die Forderung der Ärztekammer unterstützt,
einerseits die Formularflut für Kassenärzte endlich zu reduzieren und
andererseits auch das elektronische Arzneimittelbewilligungssystem
abzuschaffen. „Diese sinnlosen Tätigkeiten produzieren in Österreich
übers Jahr hochgerechnet 16,5 Millionen Minuten Wartezeit, die nichts
bringen“, veranschaulicht Steinhart.
Dass die Befragten mit den Wartezeiten insgesamt weniger zufrieden
sind – bei Fachärzten liegt die Zufriedenheit nur bei 55 Prozent –
verwundert daher nicht.
Regelmäßig bemüht sich die Ärztekammer um einen Ausbau der
kassenfinanzierten Präventions- und Vorsorgeleistungen. Leider wird
dieser Forderung, wie sich am Beispiel der aktuellen Entwicklungen
rund um den Mutter-Kind-Pass zeigt, dessen Tarife seit mehr als 20
Jahren nicht angehoben wurden, zu wenig Gehör geschenkt. Obwohl 82
Prozent der Befragten diesen Ausbau wünschen und nicht glauben, dass
die Krankenkassen ausreichend Leistungen im Bereich der Prävention
und Vorsorge übernehmen, wird hier nicht gegengesteuert.
„Wir fordern von Finanzminister Hans Jörg Schelling eine faire
Gesundheitsfinanzierung, die Ergebnisse des Gesundheitsbarometers
sind für uns ein klares Votum“, so Steinhart. Beim Budget 2017 liege
der Fokus auf dem Thema Sicherheit. Um den Österreichern Sicherheit
zu bieten, brauche es aber auch eine sichere Gesundheitsversorgung.
„Der ehemalige Chef des Hauptverbands der österreichischen
Sozialversicherungen ist hier aufgerufen, die Versorgung
sicherzustellen, statt sie krankzusparen.“ Im Gesundheitsbereich ist
mit Mehrausgaben von 3 bis 4 Prozent zu rechnen, das müsse auch im
Finanzausgleich gewährleistet werden. (lsd)
(Schluss)
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