Abgründig - Wie Schönheitschirurg Mieterinnen loswerden wollte.

Diese wehren sich kreativ und laden heute zum Solidaritätsumtrunk ein.

Wien (OTS) - In der Nacht vom Freitag (30.09.) auf Samstag standen die beiden Designerinnen Charlotte Jakoubek und Monika Bacher nur mehr vor den Trümmern ihres Geschäftes und ihrer Existenz. Dort, wo einmal ihre liebevoll gestaltetes Geschäft war, befand sich nur mehr ein großes Loch, das in den Keller führte. Die gesamte Bodenkonstruktion des Geschäftes war herausgerissen worden, ohne Rücksicht auf die Einrichtung und die Ware. Die neue Kollektion nebst Stoffen, Materialien und Strickmaschinen wurde komplett vernichtet, das Türschloss mit Superkleber unbrauchbar gemacht.

Zur Vorgeschichte

Im Vorjahr kaufte der Innsbrucker Schönheitschirurg Markus Handle einen größeren Hausanteil in der Wiener Schadekgasse 4 und errichtete im zweiten Stock eine luxuriöse Privatordination. Die Modedesignerinnen Monika Bacher und Charlotte Jakoubek betreiben im Erdgeschoß desselben Hauses seit vielen Jahren ihr Modelabel modus vivendi – mittlerweile eine Institution im Grätzl. Im Erdgeschoß befand sich der Verkaufsraum und im ersten Stock das Atelier, wo auch zwei MitarbeiterInnen beschäftigt sind. Handle wollte wahrscheinlich die Räumlichkeiten des Modelabels für seine Klinik verwenden. Der unbefristete Mietvertrag der Designerinnen dürfte dem Chirurgen und Hausbesitzer ein Dorn im Auge gewesen sein. Er versuchte diesen Vertrag per Gericht wg. angeblichem „Eigenbedarf“ zu kündigen, was erwartungsgemäß erfolglos blieb.

Eine Kellersanierung wie ein Bombenangriff

Dann gab Handle ein Privatgutachten in Auftrag, welches einen angeblichen holzzerstörenden Pilz im Keller genau unterhalb des Ateliers gefunden haben wollte - und das einen akuten "Sanierungsbedarf" diagnostizierte. Handle ließ die Fassade einrüsten und ein Transparent vor dem Atelierfenster aufhängen. Danach gab es jeweils über Nacht und meist am Wochenende bisher ungeklärte Vorfälle, die eine normale Geschäftstätigkeit unmöglich machten. So war z.B. die Sicherung kaputt und das Geschäft hatte drei Tage keinen Strom. Und vom Keller aus wurden immer größere Löcher in den Fußboden gerissen und so der Parkettboden des Shops zerstört. Die Designerinnen behalfen sich, indem sie Holzplatten über die ständig neuen Löcher legten.

Aufforderung zur Räumung?

Der Schönheitschirurg behauptet nun, dass er die Mieterinnen wiederholt zur Räumung des Geschäftes aufgefordert habe, um die Keller-Sanierung durchzuführen -was die Designerinnen bestreiten. Zwar war die Sanierung des Kellers baubehördlich genehmigt. Aber nicht nachvollziehbar ist, wieso für eine Kellersanierung das darüberliegende Geschoß evakuiert und gleich die ganze Ziegeldecke weggerissen und die Stahlträger abgeschnitten wurden. –Dafür lag jedenfalls auch keine behördliche Genehmigung vor. Die Kellerdecke war eine Ziegel–Stahlträgerkonstruktion, der wohl ein holzzerstörender Pilz nichts anhaben kann. Ein konkretes Angebot für ein Ersatzlokal gab es vom Schönheitschirurgen nie. Gegen die Sanierung des Kellers haben die Designerinnen keine Einwände. Die Bereitschaft eine Sanierung im notwendigen Umfang zuzulassen war dem Schönheitschirurgen nicht genug, er wollte eine vollständige Räumung. Handle hat den Designerinnen angeboten, sie mögen ihr Geschäft freiwillig aufgeben, was die Designerinnen jedoch ablehnten. „Wir sind seit vielen Jahren hier im Grätzl und mittlerweile eine Institution. Wir wollen hier bleiben“, so die rechtmäßigen Mieterinnen. Mittlerweile haben sie eine einstweilige Verfügung bei Gericht beantragt und verlangen, dass der verursachte Schaden ersetzt und der Boden des Geschäftslokales wieder hergestellt wird. Strafrechtliche Schritte wegen Sachbeschädigung gegen den Schönheitschirurgen werden geprüft.

Welle der Solidarität

Jakoubek und Bacher sehen nun ihre berufliche Existenz bedroht. Die Medienberichte haben aber eine Welle Solidarität von Kundinnen, Kolleginnen und Anrainern ausgelöst. „Wir geben nicht so einfach auf, was uns gehört und wir lieb gewonnen haben!“ so die beiden Designerinnen. Das Team von modus vivendi ruft nun zum „Solidaritätsumtrunk“ direkt vor dem Geschäft (bzw. vor dem, was davon noch übriggeblieben ist) auf. Unter dem Motto "shoppen gegen mobben" wird auch wieder das ganze Sortiment erhältlich sein (Gassenverkauf).

Heute, Donnerstag, den 06.10. um 17.00 vor dem Geschäft in der Schadekgasse 4, 1060 Wien

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