- 06.10.2016, 10:29:06
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Arbeitsklimaindex Tourismus für Wien: Unzufriedene MitarbeiterInnen, kaum Perspektiven und wenig Lohn
vida-Tusch: „Die Branche muss dringend etwas tun, um als Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden!“
Utl.: vida-Tusch: „Die Branche muss dringend etwas tun, um als
Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden!“ =
Wien (OTS) - Im Städtetourismus ist Wien einer der großen Player in
Europa. 2015 wurde mit über 14 Millionen Nächtigungen ein neuer
Rekordwert erreicht. Eine Branche jubelt – nicht miteinstimmen in den
Chor der Begeisterung können die Beschäftigten im Hotel- und
Gastgewerbe. Ganz im Gegenteil: die Attraktivität der
Tourismusbranche ist mittlerweile beunruhigend niedrig. Nur ein
Drittel der Beschäftigten im Wiener Tourismus kann sich vorstellen,
auf lange Sicht in derselben Position zu bleiben. Zudem ist das
Vertrauen der MitarbeiterInnen, dass ihr Betrieb eine wirtschaftlich
sichere Zukunft hat, in Wien deutlich geringer als im Rest von
Österreich. Das zeigen heute vorgelegte Daten einer erstmals für Wien
durchgeführten Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex, präsentiert
von Gewerkschaft vida, AK Wien und IFES.++++
Einkommen reicht nicht für gutes Leben
„Die Wiener Hotel- und Gastronomiebranche kann es sich nicht mehr
leisten die laut schrillenden Alarmglocken zu ignorieren“, so AK
Präsident Rudolf Kaske. Besonders dramatisch: Nur ein Prozent der
Beschäftigten sagt, dass sie sehr gut von ihrem Verdienst leben
können, für 22 Prozent reicht es gerade. Dreiviertel der
Beschäftigten kommen mit ihrem Einkommen nicht aus! „Traumjobs sehen
anders aus. Wertschätzung muss sich auch finanziell bemerkbar machen.
Wer zum Leben zu wenig verdient, begibt sich natürlich auf die Suche
nach einem anderen Job. Solange sich hier nicht rasch etwas ändert,
wird der Tourismus eine Fluchtbranche bleiben“, ist Kaske überzeugt.
Belastungen für Beschäftigte immer größer
Während die Nächtigungszahlen in Wien explodieren, bleibt der Anstieg
bei den Beschäftigten im Tourismus auffallend niedrig. Um den
Gästeansturm zu bewältigen, müssen die Beschäftigten also deutlich
mehr als noch vor einigen Jahren arbeiten. „Diese Arbeitsverdichtung
drückt die Stimmung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
natürlich weiter“, erklärt Berend Tusch, Vorsitzender des
Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida. Zudem lagern immer
mehr Unternehmen ihre Wäscherei, Reinigung oder auch die Haustechnik
an Fremdfirmen aus und stellen kein eigenes Personal mehr dafür ein.
Turbo für bessere Ausbildung muss her
Die Branche muss auch in Sachen Ausbildung dringend mehrere Gänge
höher schalten. Österreichweit haben 2008 noch 14.495 junge Menschen
eine Lehre im Bereich „Tourismus und Freizeitwirtschaft“ begonnen,
2015 waren es nur mehr 9.075, ein sattes Minus von über 37 Prozent.
In Wien ist die Lehrlingszahl um knapp 19 Prozent zurückgegangen.
„Die Branche bekommt jetzt die Rechnung dafür präsentiert, dass in
vielen Betrieben Lehrlinge oft nur als billige Arbeitskräfte
herhalten müssen“, analysiert Tusch. „Aufgrund des hohen
Arbeitsaufkommens bleibt in vielen Fällen schlicht und einfach keine
Zeit, den Nachwuchs qualitativ hochwertig auszubilden. Dass junge
Menschen dann ihren Enthusiasmus verlieren, braucht niemanden zu
wundern“, sagt der Gewerkschafter.
Die Tourismusbranche muss etwas tun, um als Arbeitgeber wieder
attraktiver zu werden. Die Beschäftigten brauchen
Karrieremöglichkeiten, Weiterbildung und Perspektiven. Zudem muss es
eine deutlich verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
geben. Wochenendarbeit, Dienstpläne, die oft nicht eingehalten werden
oder viel zu kurze Ruhezeiten wirken für viele abschreckend. „Die
Branche ist nicht beziehungsfähig – Arbeitgeber verlangen ein
Maximum, sind aber oft nur minimal bereit, den Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern entgegenzukommen. Daraus können keine
Erfolgsgeschichten entstehen“, so Tusch.
Einladung zu Tourismusgipfel
Für AK Präsident Rudi Kaske ist es höchst an der Zeit, dass sich die
Branche gemeinsam mit der ArbeitnehmerInnenvertretung an einen Tisch
setzt: „Aus diesem Grund laden wir gerne zu einem
Tourismusgipfelgespräch mit allen relevanten Playern“, sagt Kaske.
Bei diesem Treffen sollen Lösungen gesucht werden, wie die
Beschäftigten im Tourismus wieder mehr Perspektiven bekommen und die
Branche wieder ein attraktiver Arbeitgeber wird. „Arbeitgeber- und
Arbeitnehmerseite haben hier im Grunde ein gleiches Anliegen: Denn
unzufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können dazu führen,
dass auch die Gäste nicht ganz zufrieden sind und eine Spirale nach
unten in Gang gesetzt wird, bei der alle verlieren“, so Kaske. Dabei
sollten auch VertreterInnen von Betrieben mit hoher Zufriedenheit
unter den MitarbeiterInnen erläutern, was sie anders machen, um
Best-Practice-Beispiele zu sammeln.
Die gesamte Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex finden sie auf
www.vida.at
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