Arbeitsklimaindex Tourismus für Wien: Unzufriedene MitarbeiterInnen, kaum Perspektiven und wenig Lohn

vida-Tusch: „Die Branche muss dringend etwas tun, um als Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden!“

Wien (OTS) - Im Städtetourismus ist Wien einer der großen Player in Europa. 2015 wurde mit über 14 Millionen Nächtigungen ein neuer Rekordwert erreicht. Eine Branche jubelt – nicht miteinstimmen in den Chor der Begeisterung können die Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe. Ganz im Gegenteil: die Attraktivität der Tourismusbranche ist mittlerweile beunruhigend niedrig. Nur ein Drittel der Beschäftigten im Wiener Tourismus kann sich vorstellen, auf lange Sicht in derselben Position zu bleiben. Zudem ist das Vertrauen der MitarbeiterInnen, dass ihr Betrieb eine wirtschaftlich sichere Zukunft hat, in Wien deutlich geringer als im Rest von Österreich. Das zeigen heute vorgelegte Daten einer erstmals für Wien durchgeführten Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex, präsentiert von Gewerkschaft vida, AK Wien und IFES.++++

Einkommen reicht nicht für gutes Leben

„Die Wiener Hotel- und Gastronomiebranche kann es sich nicht mehr leisten die laut schrillenden Alarmglocken zu ignorieren“, so AK Präsident Rudolf Kaske. Besonders dramatisch: Nur ein Prozent der Beschäftigten sagt, dass sie sehr gut von ihrem Verdienst leben können, für 22 Prozent reicht es gerade. Dreiviertel der Beschäftigten kommen mit ihrem Einkommen nicht aus! „Traumjobs sehen anders aus. Wertschätzung muss sich auch finanziell bemerkbar machen. Wer zum Leben zu wenig verdient, begibt sich natürlich auf die Suche nach einem anderen Job. Solange sich hier nicht rasch etwas ändert, wird der Tourismus eine Fluchtbranche bleiben“, ist Kaske überzeugt.

Belastungen für Beschäftigte immer größer

Während die Nächtigungszahlen in Wien explodieren, bleibt der Anstieg bei den Beschäftigten im Tourismus auffallend niedrig. Um den Gästeansturm zu bewältigen, müssen die Beschäftigten also deutlich mehr als noch vor einigen Jahren arbeiten. „Diese Arbeitsverdichtung drückt die Stimmung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern natürlich weiter“, erklärt Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida. Zudem lagern immer mehr Unternehmen ihre Wäscherei, Reinigung oder auch die Haustechnik an Fremdfirmen aus und stellen kein eigenes Personal mehr dafür ein.

Turbo für bessere Ausbildung muss her

Die Branche muss auch in Sachen Ausbildung dringend mehrere Gänge höher schalten. Österreichweit haben 2008 noch 14.495 junge Menschen eine Lehre im Bereich „Tourismus und Freizeitwirtschaft“ begonnen, 2015 waren es nur mehr 9.075, ein sattes Minus von über 37 Prozent. In Wien ist die Lehrlingszahl um knapp 19 Prozent zurückgegangen. „Die Branche bekommt jetzt die Rechnung dafür präsentiert, dass in vielen Betrieben Lehrlinge oft nur als billige Arbeitskräfte herhalten müssen“, analysiert Tusch. „Aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens bleibt in vielen Fällen schlicht und einfach keine Zeit, den Nachwuchs qualitativ hochwertig auszubilden. Dass junge Menschen dann ihren Enthusiasmus verlieren, braucht niemanden zu wundern“, sagt der Gewerkschafter.

Die Tourismusbranche muss etwas tun, um als Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden. Die Beschäftigten brauchen Karrieremöglichkeiten, Weiterbildung und Perspektiven. Zudem muss es eine deutlich verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben geben. Wochenendarbeit, Dienstpläne, die oft nicht eingehalten werden oder viel zu kurze Ruhezeiten wirken für viele abschreckend. „Die Branche ist nicht beziehungsfähig – Arbeitgeber verlangen ein Maximum, sind aber oft nur minimal bereit, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern entgegenzukommen. Daraus können keine Erfolgsgeschichten entstehen“, so Tusch.

Einladung zu Tourismusgipfel

Für AK Präsident Rudi Kaske ist es höchst an der Zeit, dass sich die Branche gemeinsam mit der ArbeitnehmerInnenvertretung an einen Tisch setzt: „Aus diesem Grund laden wir gerne zu einem Tourismusgipfelgespräch mit allen relevanten Playern“, sagt Kaske. Bei diesem Treffen sollen Lösungen gesucht werden, wie die Beschäftigten im Tourismus wieder mehr Perspektiven bekommen und die Branche wieder ein attraktiver Arbeitgeber wird. „Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite haben hier im Grunde ein gleiches Anliegen: Denn unzufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können dazu führen, dass auch die Gäste nicht ganz zufrieden sind und eine Spirale nach unten in Gang gesetzt wird, bei der alle verlieren“, so Kaske. Dabei sollten auch VertreterInnen von Betrieben mit hoher Zufriedenheit unter den MitarbeiterInnen erläutern, was sie anders machen, um Best-Practice-Beispiele zu sammeln.

Die gesamte Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex finden sie auf www.vida.at

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