- 26.09.2016, 09:00:01
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Aufsicht testet 2016 Eigenkapitalausstattung der Privatversicherungswirtschaft
Wien (OTS) - Die seit Anfang 2016 geltenden strengeren Vorschriften
zur Berechnung der Eigenkapitalerfordernisse (Solvency II) werden in
Zukunft Schwankungen des erforderlichen Solvenzkapitals verursachen.
Die Versicherungswirtschaft wird 2016 einem Stresstest unterzogen.
Nach einigen Probeläufen im Vorfeld erfolgt seit Jahresbeginn 2016
die Berechnung des Solvenzkapitals in der Versicherungswirtschaft
entsprechend der Richtlinie Solvency II. Dieses am Kreditwesen
angelehnte Regelwerk bestimmt das notwendige Eigenkapital für
Versicherungsunternehmen sowohl für die Aktiva als auch für die
Passiva mit einem risikobasierten Ansatz. Die EU-Aufsichtsbehörde
EIOPA stellt für die Berechnung des besten Schätzwertes der
versicherungstechnischen Rückstellungen eine risikolose
Zinsstrukturkurve zur Verfügung. Da die Zinsstrukturkurve von den
aktuellen Marktzinssätzen abhängt, verändert sich der beste
Schätzwert für versicherungstechnische Rückstellungen entsprechend
dem Zinsumfeld zum Zeitpunkt der Erstellung einer Solvenzbilanz.
Theoretisch heben einander die Auswirkungen einer Zinssatzänderung
auf der Aktiv- und der Passivseite der Versicherungsbilanz auf. Wenn
die Fristigkeitsstruktur der Veranlagungen von jener der
versicherungstechnischen Rückstellungen abweicht, werden in Zukunft
Preisänderungen auf dem Finanzmarkt die Grundlage zur Berechnung des
Mindestkapitalerfordernisses stark beeinflussen.
Abbildung 1 zeigt die von EIOPA vorgegebene risikolose
Zinsstrukturkurve zum 31. Dezember 2015 sowie zum Vergleich die
Schätzwerte der EZB auf Grundlage der Daten vom 30. Dezember 2015 und
vom 23. August 2016. Da für längere Laufzeiten keine Marktdaten
vorliegen, setzt EIOPA am beobachteten liquiden Handelswert für die
längste Restlaufzeit an und verlängert von dieser Restlaufzeit
ausgehend die Zinsstrukturkurve für höhere Restlaufzeiten. Für
Österreich wird dabei eine langfristige Konvergenz zu einem Wert von
3,75% angenommen, der auf einer künftigen erwarteten Inflationsrate
von 2% jährlich und einem langfristigen Durchschnittswert für den
Realzinssatz im Euro-Raum von 1,75% beruht. Seit Ende 2015 verlagerte
sich die Zinsstrukturkurve für mittlere und längere Restlaufzeiten um
etwa 1 Prozentpunkt nach unten und wurde flacher. Bei einer
niedrigeren Zinsstrukturkurve steigen sowohl die
versicherungstechnischen Rückstellungen als auch der Marktwert der
Veranlagungen. Bei einer Verflachung der Zinsstrukturkurve kann
jedoch der Nettoeffekt auf die verfügbaren Eigenmittel deutlich
negativ sein, wenn ein Versicherungsunternehmen wegen der aktuellen
Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung überwiegend
kurzfristig veranlagt ist, während die erwarteten Leistungen in der
ferneren Zukunft anfallen. Die EU-Aufsichtsbehörde führt 2016 einen
Stresstest für reine Lebensversicherungsunternehmen und für
Mischkonzerne mit einem Lebensversicherungszweig durch, dessen
Ergebnisse Ende 2016 veröffentlicht werden.
Abbildung 1: Zinsstrukturkurve zur Berechnung des Marktwertes
versicherungstechnischer Rückstellungen von EIOPA und
Zinsstrukturkurve der EZB - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Die Prämieneinnahmen der privaten Versicherungswirtschaft nahmen
im Jahr 2015 kaum zu (+0,2%); in der Lebensversicherung sanken sie
sogar (-1,2%), während die Umsätze in der Schaden-Unfallversicherung
nur wenig wuchsen (+0,4%). Damit setzte sich die mittelfristige
Strukturverschiebung von der Lebensversicherung zu den beiden anderen
Versicherungszweigen nach einer kurzen Pause im Jahr 2014 fort.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
9/2016 (http://monatsberichte.wifo.ac.at/59013)
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