• 20.09.2016, 11:51:02
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Frühe Hilfen: Investitionen in die frühe Kindheit lohnen sich

2. Österreichische Fachtagung zu Frühe Hilfen am 22.9.2016 in Wien

Utl.: 2. Österreichische Fachtagung zu Frühe Hilfen am 22.9.2016 in
Wien =

Wien (OTS) - Am 22. September 2016 findet am FH Campus Wien die 2.
Österreichische Fachtagung zu Frühe Hilfen „Vom Konzept zur
Umsetzung“ statt. Im Zentrum der 2. Frühe Hilfen Fachtagung stehen
die Fortschritte und Erfahrungen in der Umsetzung. Der
Weltbank-Experte Johannes Koettl wird bei der Tagung den
Kosten-Nutzen-Effekt der Frühen Hilfen mit konkreten Zahlen
unterlegen. Er präsentiert internationale Evidenz und spezifische
Länder-Beispiele, die verdeutlichen, dass Investitionen in die frühe
Kindheit sowohl Wirtschaftlichkeit als auch Chancengerechtigkeit
fördern und einen kosteneffizienten Weg darstellen, gut ausgebildete
und kompetente Erwerbstätige hervorzubringen.

Frühe Hilfen werden im Sinne eines intersektoralen Ansatzes von
mehreren Ressorts (neben Gesundheit und Frauen vor allem Familie,
Soziales und Integration) – sowohl auf Bundes- als auch auf
Landesebene - sowie mit den Sozialversicherungsträgern
vorangetrieben.

Für Gesundheits- und Frauenministerin Sabine Oberhauser steht der
Aspekt der gesundheitlichen Chancengleichheit im Vordergrund: „Frühen
Hilfen zielen darauf ab, frühzeitig eine positive Wirkung auf die
Gesundheit zu erzielen. Es existieren viele Maßnahmen, aber gerade
benachteiligte Gruppen nehmen diese häufig nicht in Anspruch. Den
Frühen Hilfen gelingt es durch ein niederschwelliges aufsuchendes
Angebot, dieses Ziel besser zu erreichen.“

Familienministerin Sophie Karmasin unterstreicht die Bedeutung von
Maßnahmen, die Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit stärken: „Eltern
wollen das Beste für ihre Kinder, aber häufig kommt es zu
Verunsicherung, wenn sich das gegenseitige Kennenlernen schwieriger
gestaltet als erwartet oder die Organisation des Alltags mit Kind
anders verläuft als geplant. Hier können Frühe Hilfen einfach,
unbürokratisch und vor allem ohne Stigmatisierung helfen.“

Für Sozialminister Alois Stöger steht der Aspekt der frühzeitigen
Unterstützung in Hinblick auf Bildungs- und Berufschancen im
Vordergrund: „Ich will, dass die Fähigkeiten und Stärken von Kindern
gefördert werden und alle Kinder in Österreich gleich gute Chancen
haben. Bereits im frühen Lebensalter werden die Weichen für die
berufliche, seelische und soziale Zukunft gestellt. Frühe Hilfen
bieten professionelle und frühzeitige Unterstützung für Kinder und
Familien, die’s schwer haben. Davon profitieren alle, denn diese
Betreuung hat Auswirkungen auf Gesundheit, Selbstwertgefühl und
Lebenszufriedenheit und daneben auch positive Effekte auf das
Sozialbudget.“ Konkret verweist der Sozialminister auf die
bedarfsori-entierte Mindestsicherung, die Arbeitslosenversicherung
und die Schuldnerberatung.

Verbandsvorsitzende Ulrike Rabmer-Koller: „Am Thema Frühe Hilfen
zeigt sich, dass nur gemeinsame Lösungen im Sinne der Gesundheit
gefunden werden können. Unterschiedlichste Politikfelder fokussieren
sich auf eine gemeinsame Zielsetzung für mehr Kindergesundheit und
jeder leistet dazu seinen Beitrag. Wir als Sozialversicherung haben
diesen Ansatz von Anfang an gefordert und unterstützt, weil
gesundheitliche Fragen nicht allein vom Gesundheitssektor gelöst
werden können. Wir tragen Verantwortung für die Förderung der
Gesundheit. Diese wird aber noch wirksamer, wenn wir das Thema
institutionell gemeinsam weiter tragen.“

Für FGÖ-Leiter Klaus Ropin leisten Frühe Hilfen einen wesentlichen
Beitrag zur Gesundheitsförderung, insbesondere im Bereich der
psychosozialen Gesundheit, deshalb unterstützt der FGÖ unter anderem
die Konferenz. Es bestehen zahlreiche Anknüpfungspunkte zu
Initiativen des FGÖ. „Wir kooperieren auch bei unserer ‚Initiative
auf Gesunde Nachbarschaft!‘ mit dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen,
hier wollen wir als Ergänzung zu Frühen Hilfen partizipative Ansätze
zur sozialen Unterstützung und Teilhabe und zur Verbesserung der
Lebenswelten in Gemeinden und Städten für Schwangere und Familien mit
Kleinkindern erarbeiten.“

Die Leiterin des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen Sabine Haas
präsentiert den aktuellen Stand zu Frühe Hilfen in Österreich
inklusive erster Daten aus FRÜDOK - der Falldokumentation zu den
begleiteten Familien. Demnach hat es seit Anfang 2015 mehr als 1.000
Zuweisungen gegeben, bei rund 850 Familien kam eine Begleitung durch
Frühe Hilfen zustande. Aktuell werden rund 750 Familien begleitet. In
Vorarlberg haben rund 50 Prozent der begleiteten Familien
Migrationshintergrund, in den anderen Bundesländern liegt dieser
Anteil bei ca. 30 Prozent. Der Anteil der Alleinerzieher/innen liegt
bei etwa einem Viertel. „Zu den häufigsten Betreuungsgründen zählen
Armut, psychische Erkrankungen und Zukunftsängste, aber auch
schlichte Überforderung mit den Umstellungen, die ein Leben mit Kind
mit sich bringt.“

Frühe Hilfen

Frühe Hilfen sind ein Programm zur bedarfsgerechten Unterstützung von
Familien in der ersten Lebensphase eines Kindes, von der
Schwangerschaft bis in die ersten drei bzw. sechs Lebensjahre, mit
dem Ziel einen positiven Effekt für die Entwicklung von Kindern zu
erreichen. Der Aufbau von regionalen Frühe-Hilfen-Netzwerken wurde in
der Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie, in den
Rahmen-Gesundheitszielen, in der Gesundheitsförderungsstrategie im
Rahmen der Zielsteuerung Gesundheit und im Regierungsprogramm
verankert.

Seit Anfang 2015 wurden seitens der Länder und der
Sozialversicherungsträger vor allem durch die Finanzierung aus den
Vorsorgemitteln und den Landesgesundheitsförderungsfonds in allen
österreichischen Bundesländern regionale Frühe-Hilfen-Netzwerke nach
dem einheitlichen Grundmodell auf- bzw. ausgebaut. Die erste
Ausbaustufe wurde im Frühjahr 2016 abgeschlossen. Es gibt aktuell 23
regionale Netzwerke, die 52 der insgesamt 120 österreichischen
Bezirke abdecken. Somit steht derzeit für fast die Hälfte der
Bevölkerung ein entsprechendes Angebot zur Verfügung.

Nationales Zentrum Frühe Hilfen

Das BMGF unterstützt die breitere Etablierung von Frühen Hilfen in
Österreich durch ein an der GÖG angesiedeltes Nationales Zentrum
Frühe Hilfen. Die Aufgaben des Nationalen Zentrums sind die
bundesweite Abstimmung und Vernetzung, die Qualitätssicherung der
Umsetzung sowie Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit zu fördern
und zu unterstützen. Die Bundesmittel werden neben Maßnahmen zur
Gesamtabstimmung und Vernetzung der regionalen Aktivitäten u. a. auch
für gemeinsame Schulungen und eine überregionale Evaluation sowie ein
einheitliches Dokumentationssystem verwendet. Damit werden die
Budgets für die regionale Umsetzung von diesbezüglich erforderlichen
Kosten entlastet. Das BMGF wird aus Vorsorgemitteln der
Bundesgesundheitsagentur für den Zeitraum Jänner 2015 bis Mai 2017
rund 1 Mio. € zur Erfüllung dieser Aufgaben zur Verfügung stellen.
Zusätzlich beteiligen sich auch das Sozialministerium, das
Familienministerium, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger
und der FGÖ an der Finanzierung der überregionalen Aufgaben und der
Fachtagung. Im Mai 2017 wird ein Evaluationsbericht über die
Umsetzung der Frühen Hilfen vorliegen.

Medienvertreter/innen sind herzlich zur Teilnahme an der Fachtagung
eingeladen.

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