Frühe Hilfen: Investitionen in die frühe Kindheit lohnen sich

2. Österreichische Fachtagung zu Frühe Hilfen am 22.9.2016 in Wien

Wien (OTS) - Am 22. September 2016 findet am FH Campus Wien die 2. Österreichische Fachtagung zu Frühe Hilfen „Vom Konzept zur Umsetzung“ statt. Im Zentrum der 2. Frühe Hilfen Fachtagung stehen die Fortschritte und Erfahrungen in der Umsetzung. Der Weltbank-Experte Johannes Koettl wird bei der Tagung den Kosten-Nutzen-Effekt der Frühen Hilfen mit konkreten Zahlen unterlegen. Er präsentiert internationale Evidenz und spezifische Länder-Beispiele, die verdeutlichen, dass Investitionen in die frühe Kindheit sowohl Wirtschaftlichkeit als auch Chancengerechtigkeit fördern und einen kosteneffizienten Weg darstellen, gut ausgebildete und kompetente Erwerbstätige hervorzubringen.

Frühe Hilfen werden im Sinne eines intersektoralen Ansatzes von mehreren Ressorts (neben Gesundheit und Frauen vor allem Familie, Soziales und Integration) – sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene - sowie mit den Sozialversicherungsträgern vorangetrieben.

Für Gesundheits- und Frauenministerin Sabine Oberhauser steht der Aspekt der gesundheitlichen Chancengleichheit im Vordergrund: „Frühen Hilfen zielen darauf ab, frühzeitig eine positive Wirkung auf die Gesundheit zu erzielen. Es existieren viele Maßnahmen, aber gerade benachteiligte Gruppen nehmen diese häufig nicht in Anspruch. Den Frühen Hilfen gelingt es durch ein niederschwelliges aufsuchendes Angebot, dieses Ziel besser zu erreichen.“

Familienministerin Sophie Karmasin unterstreicht die Bedeutung von Maßnahmen, die Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit stärken: „Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, aber häufig kommt es zu Verunsicherung, wenn sich das gegenseitige Kennenlernen schwieriger gestaltet als erwartet oder die Organisation des Alltags mit Kind anders verläuft als geplant. Hier können Frühe Hilfen einfach, unbürokratisch und vor allem ohne Stigmatisierung helfen.“

Für Sozialminister Alois Stöger steht der Aspekt der frühzeitigen Unterstützung in Hinblick auf Bildungs- und Berufschancen im Vordergrund: „Ich will, dass die Fähigkeiten und Stärken von Kindern gefördert werden und alle Kinder in Österreich gleich gute Chancen haben. Bereits im frühen Lebensalter werden die Weichen für die berufliche, seelische und soziale Zukunft gestellt. Frühe Hilfen bieten professionelle und frühzeitige Unterstützung für Kinder und Familien, die’s schwer haben. Davon profitieren alle, denn diese Betreuung hat Auswirkungen auf Gesundheit, Selbstwertgefühl und Lebenszufriedenheit und daneben auch positive Effekte auf das Sozialbudget.“ Konkret verweist der Sozialminister auf die bedarfsori-entierte Mindestsicherung, die Arbeitslosenversicherung und die Schuldnerberatung.

Verbandsvorsitzende Ulrike Rabmer-Koller: „Am Thema Frühe Hilfen zeigt sich, dass nur gemeinsame Lösungen im Sinne der Gesundheit gefunden werden können. Unterschiedlichste Politikfelder fokussieren sich auf eine gemeinsame Zielsetzung für mehr Kindergesundheit und jeder leistet dazu seinen Beitrag. Wir als Sozialversicherung haben diesen Ansatz von Anfang an gefordert und unterstützt, weil gesundheitliche Fragen nicht allein vom Gesundheitssektor gelöst werden können. Wir tragen Verantwortung für die Förderung der Gesundheit. Diese wird aber noch wirksamer, wenn wir das Thema institutionell gemeinsam weiter tragen.“

Für FGÖ-Leiter Klaus Ropin leisten Frühe Hilfen einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsförderung, insbesondere im Bereich der psychosozialen Gesundheit, deshalb unterstützt der FGÖ unter anderem die Konferenz. Es bestehen zahlreiche Anknüpfungspunkte zu Initiativen des FGÖ. „Wir kooperieren auch bei unserer ‚Initiative auf Gesunde Nachbarschaft!‘ mit dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen, hier wollen wir als Ergänzung zu Frühen Hilfen partizipative Ansätze zur sozialen Unterstützung und Teilhabe und zur Verbesserung der Lebenswelten in Gemeinden und Städten für Schwangere und Familien mit Kleinkindern erarbeiten.“

Die Leiterin des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen Sabine Haas präsentiert den aktuellen Stand zu Frühe Hilfen in Österreich inklusive erster Daten aus FRÜDOK - der Falldokumentation zu den begleiteten Familien. Demnach hat es seit Anfang 2015 mehr als 1.000 Zuweisungen gegeben, bei rund 850 Familien kam eine Begleitung durch Frühe Hilfen zustande. Aktuell werden rund 750 Familien begleitet. In Vorarlberg haben rund 50 Prozent der begleiteten Familien Migrationshintergrund, in den anderen Bundesländern liegt dieser Anteil bei ca. 30 Prozent. Der Anteil der Alleinerzieher/innen liegt bei etwa einem Viertel. „Zu den häufigsten Betreuungsgründen zählen Armut, psychische Erkrankungen und Zukunftsängste, aber auch schlichte Überforderung mit den Umstellungen, die ein Leben mit Kind mit sich bringt.“

Frühe Hilfen

Frühe Hilfen sind ein Programm zur bedarfsgerechten Unterstützung von Familien in der ersten Lebensphase eines Kindes, von der Schwangerschaft bis in die ersten drei bzw. sechs Lebensjahre, mit dem Ziel einen positiven Effekt für die Entwicklung von Kindern zu erreichen. Der Aufbau von regionalen Frühe-Hilfen-Netzwerken wurde in der Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie, in den Rahmen-Gesundheitszielen, in der Gesundheitsförderungsstrategie im Rahmen der Zielsteuerung Gesundheit und im Regierungsprogramm verankert.

Seit Anfang 2015 wurden seitens der Länder und der Sozialversicherungsträger vor allem durch die Finanzierung aus den Vorsorgemitteln und den Landesgesundheitsförderungsfonds in allen österreichischen Bundesländern regionale Frühe-Hilfen-Netzwerke nach dem einheitlichen Grundmodell auf- bzw. ausgebaut. Die erste Ausbaustufe wurde im Frühjahr 2016 abgeschlossen. Es gibt aktuell 23 regionale Netzwerke, die 52 der insgesamt 120 österreichischen Bezirke abdecken. Somit steht derzeit für fast die Hälfte der Bevölkerung ein entsprechendes Angebot zur Verfügung.

Nationales Zentrum Frühe Hilfen

Das BMGF unterstützt die breitere Etablierung von Frühen Hilfen in Österreich durch ein an der GÖG angesiedeltes Nationales Zentrum Frühe Hilfen. Die Aufgaben des Nationalen Zentrums sind die bundesweite Abstimmung und Vernetzung, die Qualitätssicherung der Umsetzung sowie Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit zu fördern und zu unterstützen. Die Bundesmittel werden neben Maßnahmen zur Gesamtabstimmung und Vernetzung der regionalen Aktivitäten u. a. auch für gemeinsame Schulungen und eine überregionale Evaluation sowie ein einheitliches Dokumentationssystem verwendet. Damit werden die Budgets für die regionale Umsetzung von diesbezüglich erforderlichen Kosten entlastet. Das BMGF wird aus Vorsorgemitteln der Bundesgesundheitsagentur für den Zeitraum Jänner 2015 bis Mai 2017 rund 1 Mio. € zur Erfüllung dieser Aufgaben zur Verfügung stellen. Zusätzlich beteiligen sich auch das Sozialministerium, das Familienministerium, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger und der FGÖ an der Finanzierung der überregionalen Aufgaben und der Fachtagung. Im Mai 2017 wird ein Evaluationsbericht über die Umsetzung der Frühen Hilfen vorliegen.

Medienvertreter/innen sind herzlich zur Teilnahme an der Fachtagung eingeladen.

Rückfragen & Kontakt:

Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH.at)
Mag. Theresia Unger
Tel.: 01/51561-141
E-Mail: theresia.unger@goeg.at
Website: www.fruehehilfen.at

Gesundheit Österreich GmbH
Reinhard Buchinger
Tel.: 01/51561-221
E-Mail: reinhard.buchinger@goeg.at
Website: www.goeg.at

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