Kraftfahrer forderte Bezahlung seiner Überstunden – gekündigt AK Linz erreichte mehr als 3.000 Euro Nachzahlung

Linz (OTS) - Als ein Kraftfahrer aus Linz die Bezahlung seiner Überstunden forderte, wurde er gekündigt. Mit Hilfe der Arbeiterkammer bekam der Mann mehr als 3.000 Euro Nachzahlung. Ein Großteil der geleisteten Überstunden war allerdings bereits verfallen. „Unterentlohnung und kurze Verfallsfristen sind leider nach wie vor die Dauerbrenner in der Beratung“, sagte AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer heute beim AK-Sommergespräch für Linz und Linz-Land. Mehr als 2,5 Millionen Euro hat die Arbeiterkammer Oberösterreich bis Ende Juli für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Großraum Linz hereingebracht.

70.230 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Großraum Linz haben sich bis Ende Juli 2016 mit ihren Fragen und Problemen an die AK Oberösterreich gewandt. Genau 11.837 Beratungen wurden persönlich geführt – das ist ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei den E-Mails gab’s ein Plus von 14 Prozent.

Durch kurze Verfallsfristen verlieren Beschäftigte viel Geld, obwohl sie dafür gearbeitet haben. Die Arbeiterkammer hilft sehr oft in Fällen von Unterentlohnung, verfallene Ansprüche kann aber auch die AK nicht einklagen. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen jahrelang unterentlohnt werden, aber aufgrund der kollektivvertraglichen Bestimmungen nur drei Monate nachbezahlt bekommen. Die AK fordert daher die Abschaffung dieser Verfallsfristen. Damit käme die im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) festgesetzte dreijährige Verjährungsfrist zum Tragen.

Wie ungerecht die derzeitige Regelung ist, zeigt der Fall des eingangs erwähnten Kraftfahrers. Zwei Jahre lang war der Mann bei einer Transportfirma beschäftigt. Er musste regelmäßig viele Überstunden leisten, bezahlt wurden sie nicht. Als er die Bezahlung schließlich schriftlich einforderte, wurde er kurz darauf gekündigt. Aufgrund der kurzen Verfallsfristen im Transportgewerbe (drei Monate) waren leider schon viele Überstunden verfallen. Als die Arbeiterkammer intervenierte, wurden dem Mann zwar seine Beendigungsansprüche ausbezahlt, das Überstundenentgelt und die Taggelder blieb der Arbeitgeber aber weiterhin schuldig – mit der Begründung, der Kraftfahrer habe zuletzt ohnehin nur noch wenige Überstunden gemacht, und die seien alle bezahlt worden.

Aus den (zum Glück vorhandenen) Arbeitszeitaufzeichnungen ergab sich allerdings ein anderes Bild. Zudem zeigte sich, dass dem Arbeitnehmer für Arztbesuche regelmäßig Zeitausgleich verbucht worden war. Obwohl die Aufzeichnungen eindeutig waren, versuchte die Firma, den Arbeitnehmer mit einer lächerlichen Vergleichszahlung abzuspeisen. Erst nach intensiven Verhandlungen erreichte die Arbeiterkammer, dass die Firma fast sämtliche Ansprüche – unter anderem mehr als 60 Überstunden, die noch nicht verfallen waren – nachbezahlte. Der Kraftfahrer bekam mehr als 3.000 Euro. Etwa 200 Überstunden waren allerdings bereits verfallen.

„Wir raten deshalb allen Betroffenen, bei Verdacht auf Unterentlohnung rasch zu uns zu kommen“ sagte die Leiterin des AK-Rechtsschutzes Linz, Dr.in Helga Kempinger. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten auch alle Unterlagen (etwa Dienstzettel, Arbeitsvertrag, Lohnzettel oder Arbeitszeitaufzeichnungen) gut aufheben. So haben sie später Beweismittel in der Hand, falls die Abrechnung nicht stimmt. Sei Anfang des Jahres haben Arbeitnehmer/-innen übrigens einen zivilrechtlichen Anspruch auf eine schriftliche Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung.

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