• 05.09.2016, 09:29:44
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Digitale Erpressung: Bundeskriminalamt gründet Sonderkommission Clavis

Wien (OTS) - Schadsoftware, die Daten auf Computern, Tablets und
Smartphones verschlüsselt oder blockiert, breitet sich weiter aus.
Das Bundeskriminalamt (BK) hat eine Sonderkommission (SOKO) zur
Bekämpfung der Erpressersoftware eingerichtet.

Aufgrund des Anstieges der Erpressungen durch Ransomware wurde Anfang
Juni 2016 die SOKO Clavis im Cybercrime-Competence-Center (C4) des
BKs eingerichtet. Zurzeit besteht das Team aus einer
SOKO-Mitarbeiterin und drei Mitarbeitern. Diese übernehmen seit der
Gründung der SOKO im Juni 2016 alle bundesweit angezeigten
Ransomware-Fälle.

Das Wesen dieser Kriminalitätsform und der internationale Bezug
erfordern eine zentrale Bearbeitung, damit einzelne Straftaten einer
Serie bzw. einer Tätergruppierung zugeordnet werden können. Die
Aufgaben der Ermittler der SOKO beginnen mit der Sicherstellung der
infizierten Computer um elektronische Beweismittel zu sichern.
Anschließend werden die Schadsoftware und die Bitcoin-Transaktionen
analysiert. Wichtig ist es, einen Überblick zu erlangen und
Zusammenhänge zu erkennen, um Tendenzen und Trends herauslesen zu
können. Erst wenn man ein Bild von der Bedrohung hat, ist es möglich,
die Ermittlungsrichtung festzulegen. Eine weitere Aufgabe der SOKO
ist es, rasch Angriffe mit Schadsoftware zu erkennen und rechtzeitig
davor zu warnen. Die Ermittler der SOKO bearbeiten etwa 30 neue Fälle
pro Woche. Die Spuren führen meist ins Ausland. Dadurch sind nicht
nur Anordnungen heimischer Staatsanwaltschaften und Gerichte
erforderlich, sondern auch eine intensive Kooperation mit
ausländischen Strafverfolgungsbehörden. Aktuell sind mehr als 120
verschiedene Formen von Ransomware bekannt. In den letzten Monaten
trat die Ransomware „Cerber“ im europäischen Raum besonders häufig in
Erscheinung.

Die Spezialisten des C4 haben auch die Führung der „Operation Cerber“
unter dem Schirm der Joint Cybercrime Action Taskforce (J-CAT) bei
Europol übernommen. J-CAT fungiert dabei als Informationsdrehscheibe
und administriert die länderübergreifende Zusammenarbeit auf
operativer Ebene. Die Fälle werden von den Mitgliedsländern an
Europol herangetragen und nach entsprechender Prüfung kann eine J-CAT
Operation begonnen werden. Die Operation Cerber wurde von Österreich
initiiert und andere betroffene Staaten haben sich dieser Taskforce
bereits angeschlossen. Diese Form der Zusammenarbeit ermöglicht
effiziente und effektive Ermittlungen über die Landesgrenzen hinweg.
Vorgehensweise der Täter
Aktuell sind vorzugsweise kleinere und mittlere Unternehmen
betroffen. Die Täter versenden Emails mit bösartigem Inhalt, den die
Empfänger öffnen bzw. anklicken sollen. Um die Nachrichten möglichst
glaubhaft und plausibel erscheinen zu lassen, werden diese
beispielsweise als Bewerbungsschreiben getarnt. Das Schadprogramm
wird aktiviert, sobald beigefügte „Bewerbungsunterlagen“ geöffnet
werden oder einer Link angeklickt wird. Falsche Bewerbungsschreiben
sind aber nur eine von unzähligen Täuschungsvarianten mit denen die
Kriminellen vorgehen. Der Schaden durch den Ausfall der Systeme ist
für die Firmen teilweise beträchtlich. Besonders drastisch können die
Folgen für kritische Infrastrukturen, wie zum Beispiel Krankenhäuser,
sein.

Allgemeines über Ransomware
Ransomware ist ein Sammelbegriff für Schadsoftware, die speziell
dafür entwickelt wird, elektronische Daten und Systeme zu
verschlüsseln, sodass diese nicht mehr verwendet werden können. Für
die Entschlüsselung wird dann Lösegeld (engl.: ransom) erpresst,
meistens in Form des virtuellen Zahlungsmittels Bitcoin oder durch
Prepaid-Karten. Beide Zahlungsformen sind anonym und erschweren
dadurch die Strafverfolgung. Die Verbreitung der
Verschlüsselungssoftware erfolgt insbesondere über präparierte
E-Mails, durch Sicherheitslücken in Webbrowsern oder durch
unbewusstes Herunterladen aus dem Internet (drive-dy-download).
Betroffen sind sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, Behörden
und sonstige Organisationen.

Allgemeines über Bitcoin
Bitcoin ist ein virtuelles Zahlungsmittel, das nicht über eine Bank
reguliert, sondern immer dezentral zwischen zwei Stellen direkt
transferiert wird (peer-to-peer). Letztlich ist Bitcoin ein durch
komplexe Verfahren errechneter, fälschungssicherer Code. Die Anzahl
errechenbarer Codes ist mit 21 Millionen limitiert und somit auch
inflationssicher. Alle bereits errechneten Bitcoin-Adressen sind in
der „Blockchain“ gespeichert und öffentlich einsehbar. Der Wert für 1
BTC errechnet sich einzig aus Angebot und Nachfrage und liegt aktuell
bei ca. 520 Euro. Der Erwerb und der Tausch von Bitcoin sind legal,
man benötigt dafür lediglich eine elektronische Geldbörse (e-wallet).
Der Verkauf von Bitcoin gegen anerkannte Währungen ist jederzeit
möglich.

Beispiel für eine BTC-Adresse: 1DAUhfMPTPDyTCgvesS8brh6q7TFQVuKsf

Tipps der Cybercrime-Experten des BK

• Regelmäßig Backups durchführen und diese physisch vom Netz trennen
(abstecken).
• Vor dem Klicken auf Links und Dateianhänge auf die
Vertrauenswürdigkeit des Absenders achten und die Glaubwürdigkeit und
Plausibilität der Nachricht prüfen.
• Schreibrechte von Mitarbeitern restriktiv handhaben. In der Regel
ist die Verschlüsselung ist von Daten nur dann möglich, wenn der
jeweilige Benutzer über entsprechende Schreibrechte verfügt.
• Software des Betriebssystems, Browser (einschließlich aller
Plug-Ins) und Sicherheitssoftware stets am aktuellen Stand halten und
Firewall aktivieren.
• Download von potenziell gefährlichen Dateien (z. B. exe, com, bat,
vbs, msi, js …) unterbinden.
• Den Empfang von verschlüsselten Containern (z. B. zip, rar)
blockieren.
• Makros in Office-Dokumenten deaktivieren; die Ausführung von
potenziell gefährlichen Codes, z. B. JavaScript, vermeiden.
• Die Ausführung von Schadsoftware verhindern, indem man nur den
Start von zuvor festgelegter Software auf „Whitelisting“- oder
Signatur-Basis erlaubt. In jedem Fall die Ausführung von Dateien in
TEMP-Ordnern unterbinden. Für den Mobilbereich sollte ausschließlich
die Installation von Apps aus „offiziellen“ Quellen zulässig sein.

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