• 05.09.2016, 09:13:38
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Lehrpraxis: Ärztekammer pocht auf hundertprozentige Finanzierung

Bund und Sozialversicherungen sind säumig – Ausbildung in Allgemeinmedizin gefährdet

Utl.: Bund und Sozialversicherungen sind säumig – Ausbildung in
Allgemeinmedizin gefährdet =

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) kritisiert, dass
die Finanzierung der verpflichtenden Lehrpraxis über ein Jahr nach
Inkrafttreten der Ausbildungsreform noch immer nicht gesichert ist.
„Mit der Reform wurde ein erster wichtiger Schritt getan, indem die
Lehrpraxis beim Allgemeinmediziner für alle angehenden Ärztinnen und
Ärzte zur Pflicht erhoben wurde. Auf die Pflicht folgt aber
bekanntlich die Kür, in diesem Fall die hundertprozentige
Finanzierung. Auf diese warten wir noch immer“, sagte Karlheinz
Kornhäusl, stv. Obmann der Bundeskurie angestellte Ärzte und Obmann
der Bundessektion Turnusärzte, am Montag in einer Aussendung.

Zwar hätten die Bundesländer im vergangenen November einstimmig
beschlossen, 30 Prozent der Kosten für die Lehrpraxis zu übernehmen.
Seitens des Bundes und der Sozialversicherungen passiere aber noch
immer nichts, sodass die Finanzierung nach wie vor ungesichert sei.
Kornhäusl: „Nur in drei Bundesländern – Vorarlberg, Salzburg und
Oberösterreich – liegen Konzepte zur Finanzierung der Lehrpraxis
vor.“ In Kärnten werde derzeit an einem eigenen Modell gearbeitet,
das von Land, Krankenkasse und dem Spitalsträger Kabeg getragen
werden solle, ergänzte Gert Wiegele, Obmann der Bundessektion Ärzte
für Allgemeinmedizin und approbierte Ärzte.

Die Säumigkeit des Bundes bzw. der übrigen Länder und der
Sozialversicherungen könnte in nicht allzu ferner Zukunft zum
Bumerang werden, so Wiegele weiter: „Die Kolleginnen und Kollegen
stehen laufend vor der Entscheidung, welche Fachrichtung sie nach der
neun-monatigen Basisausbildung einschlagen sollten. Für diejenigen,
die sich für die Allgemeinmedizin entscheiden, muss es dann genügend
Stellen in Lehrpraxen geben.“ Solange das nicht der Fall sei und der
Abschluss der Ausbildung in Allgemeinmedizin somit dank der
ungeklärten Finanzierungsfrage auf wackeligen Beinen stehe, würden
sich angehende Medizinerinnen und Mediziner kaum für die
Allgemeinmedizin entscheiden. Das wiederum könne langfristig den
bereits bestehenden Ärztemangel verschärfen, sagten Kornhäusl und
Wiegele. Für Wiegele stellt sich auch die Frage, wer das Gehalt der
Jungärzte in den Lehrpraxen bezahlt: „Die niedergelassenen Ärzte, die
eine Lehrpraxis betreiben, können sich das beim aktuellen Grundgehalt
nicht leisten. Hier ist die Politik gefordert. Sie muss den
Ausbildnern diesen Mehraufwand abgelten bzw. ihnen finanziell unter
die Arme greifen“, forderte Wiegele.

Dabei sei die Lehrpraxis beim medizinischen Nachwuchs durchaus
beliebt, führte Kornhäusl weiter aus: „Wir wissen aus der Evaluierung
der praktischen Ausbildung, dass der Lehrpraxis Top-Noten ausgestellt
werden. Die Arbeit im Praxisalltag wird gut angenommen und ist
gefragt. Hier zu sparen, wäre grundverkehrt.“ Wichtig sei dabei, die
Lehrpraxis auch wirklich in einer Ordination zu absolvieren. Derzeit
sei es jedoch noch erlaubt, die sechs Monate Lehrpraxis in einer
Spitalsambulanz zu verbringen. „Das geht am Sinn der Lehrpraxis
vorbei. Ziel ist es ja – neben der allgemeinmedizinischen Ausbildung
– den Alltag in einer Ordination kennen zu lernen. Das ist in einer
Ambulanz nicht möglich“, sagten die beiden Standesvertreter
abschließend. (slv)

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