- 22.08.2016, 10:32:22
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E-Medikation: Ärztekammer kritisiert Probebetrieb als unausgereift
ÖÄK-Steinhart: Datenverarbeitung dauert zu lange – keine Arbeitserleichterung – zurück an den Start
Utl.: ÖÄK-Steinhart: Datenverarbeitung dauert zu lange – keine
Arbeitserleichterung – zurück an den Start =
Wien (OTS) - Kritik am Probebetrieb der E-Medikation im steirischen
Bezirk Deutschlandsberg kommt von Johannes Steinhart, Vizepräsident
der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie
niedergelassene Ärzte: „Der Probebetrieb läuft seit Ende Mai.
Mittlerweile zeichnet sich ab, dass das Projekt unausgereift und
nicht praxistauglich ist. In dieser Form ist ein österreichweites
Rollout im Oktober keine Option“, so Steinhart. Die Bundeskurie habe
die teilnehmenden Ärzte zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen, um
sich vor Ort ihre Sorgen anzuhören.
Vor allem die Datenverarbeitung würde sehr viel Zeit in Anspruch
nehmen, aber auch die Anbindung an die vorhandene technische
Infrastruktur funktioniere nicht überall einwandfrei. Steinhart: „Die
Kolleginnen und Kollegen sollen mit der E-Medikation rasch und auf
einen Blick sehen können, welche Medikamente ihre Patienten nehmen
und wo es Wechselwirkungen gibt. Wenn die Datenverarbeitung eine
Minute oder länger dauert, dann ist das keine Zeitersparnis, weder
für Patienten noch Ärzte.“ Auch der Support durch die zuständigen
EDV-Firmen lasse zu wünschen übrig, kritisiert Steinhart.
Dass rund die Hälfte der ursprünglich angemeldeten 30
niedergelassenen Ärzte im Bezirk Deutschlandsberg aus technischen
Gründen nicht am Probebetrieb teilnehmen konnte bzw. mittlerweile nur
noch zwölf Ärzte eingebunden seien, stelle ein weiteres Problem dar:
„Wir brauchen valide Daten für die Evaluierung des Testbetriebs, um
daraus klare Handlungsanleitungen zu gewinnen. Wenn zu wenige Ärzte
mitmachen, könnte die Evaluierung schwierig werden. Die derzeit
untersuchte Gruppe von gerade einmal zwölf Ärzten ist gemessen an der
Gesamtzahl von rund 8.000 Kassenärzten und 10.000 Wahlärzten geradezu
fahrlässig klein“, so der Bundeskurienobmann. Auch der finanzielle
Aspekt sei nicht zu unterschätzen: Die ersten Erfahrungen zeigten,
dass man bis zu mehrere Tausend Euro investieren müsse, um das Tool
ansatzweise effizient verwenden zu können.
Für die ÖÄK sei der weitere Weg jedenfalls klar: „Die E-Medikation
muss zurück an den Start“, fordert Steinhart. Offensichtlich sei das
System sowohl von der technischen Seite als auch im Hinblick auf die
Usability noch zu unausgereift, um österreichweit ausgerollt zu
werden. Man müsse aus der Evaluation des Pilotprojektes aus dem Jahr
2012 lernen, wo klar auf die Anwendbarkeit wie zum Beispiel kurze
Antwortzeiten verwiesen wurde. Auch eine nachhaltige Finanzierung und
ein ordentliches Projektmanagement seien essenziell, wenn das Projekt
gelingen solle, so Steinhart, der abschließend betonte: „Die
Österreichische Ärztekammer unterstützt die Idee der E-Medikation –
aber nicht unter diesen Bedingungen.“ (slv)
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