• 10.08.2016, 09:00:01
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Binnenkonjunktur stützt Wirtschaftswachstum in Österreich

Wien (OTS) - Gemäß der aktuellen Schnellschätzung des WIFO stieg das
reale Bruttoinlandsprodukt in Österreich im II. Quartal 2016
gegenüber der Vorperiode um 0,3% (Trend-Konjunktur-Komponente). Damit
war die Grunddynamik der heimischen Konjunktur im II. Quartal ähnlich
aufwärtsgerichtet wie in den Vorquartalen. Maßgebend für den Zuwachs
war die inländische Nachfrage, während die Außenwirtschaft kaum
Impulse gab. Das Bild der Vorlaufindikatoren verbessert sich zwar
weiter, die allgemeine Stimmung ist jedoch nach wie vor verhalten.

Die Weltkonjunktur gewann zwar im Frühjahr etwas an Dynamik,
verläuft jedoch weiterhin mäßig. In den Schwellenländern scheint die
Konjunktur die Talsohle durchschritten zu haben, nachdem sie sich im
Laufe des Jahres 2015 deutlich eingetrübt hatte. Inzwischen mehren
sich die Anzeichen einer Belebung des Wachstums in China und einer
Abschwächung der Rezession in Russland und Brasilien. Unter den
Industrieländern blieb die Expansion im 1. Halbjahr 2016 vor allem in
den USA gedämpft, während sie sich im Euro-Raum deutlich besser
entwickelte. Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte in den nächsten
Monaten allmählich etwas anziehen; Auftrieb erhält es von der nach
wie vor robusten Entwicklung in den führenden Industrieländern und
dem Abklingen der tiefen Rezession in einigen großen
Schwellenländern. Die Aussichten sind jedoch weiterhin mit
bedeutenden Abwärtsrisiken behaftet, insbesondere in den
Schwellenländern.

In Österreich verstärkte sich das Wachstum auch im 1. Halbjahr
2016. Die Auftriebskräfte sind robust und fußen auf der
Binnenwirtschaft. Die Grundtendenz der Konjunktur weist aufwärts. In
den letzten Monaten wurde die Expansion in Österreich erneut vor
allem durch die Ausweitung der Konsum- und Investitionsnachfrage
gestützt. Der Konsum der privaten Haushalte stieg sowohl im I. als
auch im II. Quartal um jeweils 0,3% gegenüber dem Vorquartal.
Sondereffekte wie die mit Jahresbeginn umgesetzte Steuerreform sowie
Einsparungen aufgrund weiterhin niedriger Energiepreise dürften die
Ausgabenbereitschaft erhöht haben. Auch die öffentlichen
Konsumausgaben wurden weiterhin spürbar ausgeweitet (II. Quartal
+0,2%). Darüber hinaus investieren die heimischen Unternehmen seit
2015 wieder vermehrt; so expandierten die Bruttoanlageinvestitionen,
welche auch Ausrüstungs- und Bauinvestitionen umfassen, im II.
Quartal mit +0,8% weiterhin deutlich. Damit hielt die Erholung nach
dem Einbruch im Jahr 2014 an. Der Außenhandel lieferte neuerlich
keinen Beitrag zum Wirtschaftswachstum.

Die Inflationsdynamik blieb zuletzt unverändert. Der VPI stieg im
Juni 2016 gegenüber dem Vorjahr um 0,6% (Mai ebenfalls +0,6%). Gemäß
harmonisiertem Index lag der Preisauftrieb ebenfalls bei 0,6% und
damit weiterhin deutlich über dem Durchschnitt des Euro-Raumes
(+0,1%). Der Beschäftigungsanstieg hielt im Juli an, die Zahl der
unselbständig aktiv Beschäftigten erhöhte sich im Vormonatsvergleich
saisonbereinigt um 3.300. Im Vorjahresabstand stieg die
Beschäftigtenzahl um 47.000 oder 1,3%. Die Arbeitslosenquote lag im
Juli (saisonbereinigt) bei 9,2%.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik
Austria veröffentlichten "saison- und arbeitstägig bereinigten
Veränderungen" der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO
diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als
Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren
Verlauf auf und machen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser
interpretierbar.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch
http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden über 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2015)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen mit aufrechtem Dienstverhältnis,
die Kinderbetreuungsgeld beziehen bzw. Präsenzdienst leisten. Zieht
man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv
Beschäftigten".

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