• 03.08.2016, 13:59:05
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Österreichische Getreideernte steigt heuer auf 3,7 Mio. t

Griesmayr: Hohe Erträge und durchschnittliche Qualität - Importbedarf sinkt

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8052 Im Bild
v.l.n.r.: Christian Gessl, Abteilungsleiter der AMA, Franz Stefan
Hautzinger, Vorsitzender des Verwaltungsrates der AMA und selbst
Getreidebauer im burgenländischen Seewinkel und Günter Griesmayr,
Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA).

Utl.: Griesmayr: Hohe Erträge und durchschnittliche Qualität -
Importbedarf sinkt =

Wien (OTS) - Die österreichischen Landwirte haben heuer eine
mengenmäßig sehr gute Getreideernte erzielt. Die Erträge sind im
Mittel relativ hoch ausgefallen, die Qualität wird als
durchschnittlich bezeichnet. Rund 85% der Ernte sind bereits
eingebracht. "Die diesjährige Getreideproduktion wird derzeit auf
rund 3,7 Mio. t geschätzt und liegt damit um 16% über dem
Vorjahreswert wie auch spürbar über dem Niveau der letzten fünf
Jahre. Inklusive Mais erwarten wir eine heimische Gesamtproduktion
von 5,7 Mio. t (+17%). Diese Menge beeinflusst die österreichische
Getreidebilanz positiv. Bei einem gleichbleibenden Inlandsverbrauch
verringert sich der im Vorjahr hohe Netto-Importbedarf von 800.000 t
im Wirtschaftsjahr 2016/2017 um 75% und wird voraussichtlich 200.000
t erreichen - vorausgesetzt die Maisernte entspricht den derzeitigen
Erwartungen", informierte heute Günter Griesmayr,
Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA).

Regenfälle ließen Ernte zu Zitterpartie werden

"Mai und Juni boten ideale Witterungsbedingungen für die
entscheidenden Phasen der Ertragsbildung des Getreides. Dieser
Wetterverlauf brachte allerdings auch einen erhöhten Krankheitsdruck
mit sich. Die heuer vermehrt aufgetretenen Hagelschäden verursachten
regional große Einbußen, wirken sich aber auf die Getreidebilanz
nicht entscheidend aus", berichtete der Vorsitzende des
AMA-Verwaltungsrats, Franz Stefan Hautzinger. "Regenphasen zu Beginn
und während der Ernte strapazierten jedoch die Nerven der Bäuerinnen
und Bauern und ließen die Druscharbeiten vielfach zu einer
Zitterpartie werden. Abgesehen vom Alpenvorland und den klassischen
Spätdruschgebieten im Waldviertel konnten die Erntearbeiten aber
mittlerweile in den meisten Regionen abgeschlossen werden", so
Hautzinger. Insbesondere auf Böden mit niedriger Bonität liegen die
Erträge weit über dem Durchschnitt.

Deutliche Flächenverschiebung zwischen den Kulturen

Die österreichische Getreideanbaufläche umfasst heuer 570.286 ha
(ohne Mais und Ölsaaten) und ist damit gegenüber dem Vorjahr nahezu
gleichgeblieben. Weichweizen hat um 4.917 ha zugelegt, während die
Hartweizenfläche mit einer Ausdehnung von 4.172 ha relativ gesehen
(+21,9%) am stärksten unter allen Getreidearten zugenommen hat.
Roggen folgt dem Abwärtstrend der letzten Jahre (-2.121 ha), während
Triticale ausgedehnt wurde (+1.165 ha). Der große Verlierer bei den
diesjährigen Flächenverschiebungen ist die Sommergerste mit einem
Minus von 12.781 ha, hingegen wurden auf 1.544 ha mehr Wintergerste
gegenüber dem Vorjahr ausgesät.

Die Flächenzuwächse werden bei Hartweizen auf die attraktiven
Preise zurückgeführt, bei Triticale auf die zunehmende Verwendung
dieser Frucht im industriellen Bereich. Niedrige Roggenpreise
aufgrund der guten Versorgung im letzten Jahr und geringere Erträge
der Sommergerste gegenüber der Wintergerste sind die Gründe für den
Flächenrückgang bei diesen Getreidearten. Die Körnermaisfläche folgt
dem rückläufigen Trend der letzten zwei Jahre (seither -31.752 ha).
Hauptursache dafür war das vermehrte Auftreten des Maiswurzelbohrers.

Ölsaatenfläche - Trend durchbrochen

Beim Anbau der Sojabohne ist es heuer zu einem Rückgang von 12,4%
(-7.048 ha) gekommen. Bei Raps ist überraschenderweise die Fläche
wieder leicht ausgedehnt worden (um 5,6% auf 39.600 ha), sie liegt
aber weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2014 (52.800 ha).
Ölkürbis zählt mit einer Zunahme von 7.295 ha (22,7%) zu den großen
Gewinnern der diesjährigen Flächenverschiebungen. Österreichweit
übertrifft heuer erstmals die Kürbisanbaufläche (39.470 ha) jene von
Roggen (37.406 ha).

Weichweizen: Erntemenge bei rund 1,96 Mio. t

Die Erntemenge von Weichweizen - die Kultur mit dem höchsten
Flächenanteil in Österreich - wird voraussichtlich rund 1,96 Mio. t
betragen und liegt somit um rund 19% über dem Vorjahreswert. Sie
zeichnet sich durch gute Qualitäten - hohe Fallzahlen und gute
Hektolitergewichte - aus. Der Proteingehalt kann allerdings mit den
Werten des Vorjahres nicht mithalten. Zudem werden hervorragende
innere Qualitätsmerkmale gemessen. Erste Ergebnisse der
Untersuchungen aus der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung in
Wien weisen bis dato sehr gute Knet- und Backeigenschaften auf.
Bundesweit dürfte sich die Ernte auf rund 20% Premium- und
Qualitätsweizen sowie 63% Mahlweizen aufteilen. "Die
Qualitätsverteilung ist damit nicht so optimal wie in den vergangenen
Jahren, die Vermarktungschancen für Österreich bleiben aber intakt,
weil die bisher geernteten Qualitäten in Frankreich, Ungarn und
Deutschland unter den Werten von Österreich liegen. Insgesamt können
wir auch heuer alle Absatzschienen bedienen - auch den Export nach
Italien", so Hautzinger.

Bei Hartweizen werden heuer gute Erträge erzielt, die Gesamtmenge
wird auf rund 120.000 t geschätzt. Die bis zum ersten Starkregen
geernteten Bestände sind von sehr guter Qualität (der Anteil der
glasigen Körner erreicht 80 bis 90 %).

Winter- und Sommergerste konnten die guten Vegetationsbedingungen
ausnutzen, die Erträge sind gut - insgesamt werden es voraussichtlich
etwa 890.000 t sein. Die Braugersten-Qualitätskriterien (insbesondere
der Proteingehalt) sind zufriedenstellend. Roggen, nach Weizen das
zweitwichtigste Brotgetreide in Österreich, liefert bis jetzt
zufriedenstellende Mengen und Qualitäten, wobei die Ernte im
Hauptanbaugebiet Waldviertel noch aussteht. Bei Raps werden leicht
überdurchschnittliche Hektarerträge erzielt, diese Kultur hat jedoch
unter dem Spätfrost Ende April (kleinere Kornausbildung) gelitten.

Bioflächen weiter im Vormarsch

In den vergangenen acht Jahren nahm die heimische Bioackerfläche
stark zu (+34,5%). Heuer wurde gegenüber 2015 ein Zuwachs von 10% auf
129.600 ha verzeichnet. Der stärkste Biogewinner gegenüber dem
Vorjahr war Dinkel mit einem Plus von 4.717 ha, gefolgt von der
Sojabohne mit einer Flächenausdehnung von 1.583 ha. Attraktive
Preise, verbesserte Absatzmöglichkeiten sowie die Aufhebung des
Einstiegstopps für Biobetriebe waren dafür ausschlaggebend.
Bioweichweizen bringt zufriedenstellende Erträge. Die Proteingehalte
sind analog zum konventionellen Sektor niedrig. Krankheitsbefall mit
Gelbrost trat auch bei Bioweizen häufig auf. Biodinkel erzielte
ebenfalls gute Erträge auf einer stark ausgeweiteten Fläche, damit
steht hier eine große Menge zur Vermarktung bereit.

Preise für Futtergetreide unter Druck

Die großen Getreidemengen, hohe Lagerbestände, ein erhöhter Anteil
an Mahl- und Futterweizen sowie eine prognostizierte Maisernte von
rund 2 Mio. t belasten derzeit den Markt, vor allem bei
Futtergetreide. Dementsprechend niedrige Notierungen verzeichnet
aktuell die landwirtschaftliche Produktenbörse in Wien. Mahlweizen
der neuen Ernte wird mit einer sehr weiten Bandbreite gehandelt (130
bis 147 Euro/t). Die inneren Eigenschaften wie Teigstabilität,
Teigverarbeitung und Dehneigenschaften könnten das entscheidende
Merkmal für diese Differenzierung sein. Für Qualitätsweizen werden
heuer höhere Preisaufschläge aufgrund der aus derzeitiger Sicht
qualitativ schwachen Ernten in Deutschland, Frankreich und Ungarn
erwartet. "Der Wermutstropfen bei der heuer mengenmäßig sehr guten
Ernte ist, dass die Preise auf einem niedrigeren Niveau liegen und
daher die Deckungsbeiträge schlechter als in den vergangenen Jahren
ausfallen werden", fasste Hautzinger die Situation im Getreidebau
zusammen.
(Schluss)kam

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8052

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