• 27.07.2016, 12:20:02
  • /
  • OTS0072 OTW0072

Fachverband Hotellerie: „Brauchen Bekenntnis zum Standort Österreich und Wettbewerb auf Augenhöhe“

WKÖ-Fachverbandsobmann Egger fordert mehr ÖW-Mittel für Inlandsgast und Unterstützung der Politik bei Betriebsübergaben und Ausbildung

Utl.: WKÖ-Fachverbandsobmann Egger fordert mehr ÖW-Mittel für
Inlandsgast und Unterstützung der Politik bei
Betriebsübergaben und Ausbildung =

Wien (OTS) - Wie die heute, Mittwoch, von der Statistik Austria
veröffentlichten Tourismus-Zahlen zeigen, hat die heimische
Hotellerie mit einem Plus von 0,9% bei den Nächtigungen im Mai und
Juni „ein passables Ergebnis erzielt. Damit sehen wir uns gut
aufgestellt, zumal die Feiertagsverschiebung in diesem Zeitraum und
die EM dominierend waren“, betonte Siegfried Egger, Obmann des
Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, in der
Sommer-Pressekonferenz des Fachverbandes.

Egger: Mehr Mittel für Tourismuswerbung im eigenen Land

Die Rahmenbedingungen für die heimische Hotellerie waren im
vergangenen Jahr besonders schwierig, resümierte Egger und verwies
unter anderem auf die Mehrwertsteuer-Erhöhung. „Dies trifft die
Branche hart. Wenn wir schon mit diesen 13% belastet werden, dann
brauchen wir ein klares Bekenntnis der Politik zum Standort
Österreich. So sollte ein größerer Anteil der Mittel der ÖW für den
Inlandsgast und die Werbung im eigenen Land ausgegeben werden.“

Teilerfolge konnte der Fachverband beim Meldegesetz erreichen – der
bürokratische Mehraufwand konnte im neuen Gesetzesentwurf dank
gezieltem Lobbying reduziert werden. Entschärfungen gibt es auch bei
der Pauschalreise-Richtlinie: Auch hier hat der Fachverband
Hotellerie - gemeinsam mit dem Fachverband Reisebüros - erreicht,
dass kein zusätzlicher Gewerbeschein notwendig ist, wenn im Rahmen
von pauschalen Zusatzleistungen, wie etwa Ski- oder Liftkarten,
verkauft werden. „Die Pauschale ist unser Verkaufsinstrument Nummer
eins – wir sind für dieses fertig geschnürte Urlaubspaket
international bekannt und beliebt. Daher ist es erfreulich, dass der
Pauschalverkauf nicht verkompliziert wird.“

Vieles tut sich im Tourismus auch im Bereich Arbeitszeit. Egger:
„Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind sich einig, dass sich die
arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen ändern müssen – schließlich
bestimmt der Gast am Ende des Tages die Arbeitszeit im Tourismus.
Daher ist die Nachtruheverkürzung ein wichtiger Schritt.

Zu den Paritätsklauseln in den AGB von Online-Buchungsplattformen
zeigte sich Egger erfreut, dass es nun eine gesetzliche Lösung geben
soll, die mehr Klarheit und Fairness für die Branche schaffen soll.
Zuvor hatte der Fachverband ja gemeinsam mit der WKÖ-Bundessparte
Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie der ÖHV eine Initiative
gestartet bzw. eine Klage vorbereitet, die nun nicht eingebracht
werden musste.

Familienbetriebe gleich fördern wie Startups

„Auch zum Konzept Familienbetrieb erwarte ich mir von der Politik ein
klares Bekenntnis“, betonte der Fachverbandsobmann. Gerade vor dem
Hintergrund ausufernder Bürokratie brauche es Entlastung bei den
Betriebsübergaben, forderte Egger eine Gleichstellung von jungen
Betriebsübernehmern mit Startups, für die die Bundesregierung ja erst
kürzlich ein Förder-Paket geschnürt hat. In Anlehnung dazu sei auch
in der Hotellerie eine Befreiung von Lohnnebenkosten und
Erleichterungen bei Betriebsanlagenüberprüfung für Jungunternehmer
nach der Übernahme des – meist familiären – Betriebes erforderlich,
so Egger.

Kraus-Winkler: Dominantes Duopol bei den
Onlinebuchungsplattformen

Susanne Kraus-Winkler, Obmann-Stellvertreterin und Präsidentin des
europäischen Dachverbandes Hotrec, stellte eine aktuelle Erhebung
vor, die sich mit dem digitalen Vertrieb in der Hotellerie
beschäftigt.
Demnach nimmt die Dominanz einiger weniger Online-Buchungsplattformen
auf dem europäischen Hotelmarkt zu. Durchschnittlich wurden 2015 in
Europa mehr als 22 Prozent aller Hotelübernachtungen über
Online-Buchungsplattformen generiert (das ist ein Plus um 3
Prozentpunkte im Vergleich zur Erhebung 2013). Kraus-Winkler: „Der
europäische Markt hat rund 200.000 Hotels, die zu einem hohen Anteil
von rund 75% kleine Familienbetriebe sind. Denen gegenüber steht ein
Duopol von zwei dominanten Onlineportalen.“ Allein die Priceline
Group (Booking.com) hält einen Marktanteil von über 60 Prozent.

Wie die Erhebung weiters gezeigt hat, hat die Einführung der
sogenannten „engen Paritätsklauseln“, die im Sommer 2015 europaweit
auf Druck zahlreicher nationaler Wettbewerbsbehörden eingeführt
worden sind, zu keiner Belebung des Wettbewerbs zwischen den Portalen
geführt. Die Mehrheit der Hoteliers in Europa (91,5 Prozent) gab in
der Befragung an, keine Kommissions-Vergünstigung der
Online-Plattformen seit Einführung dieser Klauseln erhalten zu haben.

Airbnb: Steinleitner: Hotels mit Privatvermietern auf
Augenhöhe bringen

Aus ihrer Erfahrung als Wiener Hotelbetreiberin berichtete Andrea
Steinleitner, Stellvertreterin von Egger in der WKÖ und Obfrau der
Fachgruppe Hotellerie in Wien. In der Bundeshauptstadt ist, wie in
vielen europäischen Städten, die private Wohnungsvermietung ein
problematisches Thema für Hoteliers. Allein in Wien werden
mittlerweile ca. 5.600 Wohnungen privat an Touristen vermietet.

Steinleitner: „Wir sehen in Wien einen Bettenboom, wobei es den
Betrieben jedoch nicht gelungen ist, dabei mit den Preisen
mitzuhalten, was die Situation für die ohnehin von der Bürokratie
geplagten Betriebe noch schwieriger macht.“ Sie fordert daher von der
Politik, dass sie für faire Rahmenbedingungen sorgt und einen
Wettbewerb auf Augenhöhe zwischen Hotellerie und Privatvermietern
sorgt: „Es ist Zeit, das Konzept des Gastgebertums wieder mehr in den
Vordergrund zu rücken. Dafür brauchen wir aber Raum und Zeit. Ein
Grund mehr, die bürokratischen Auflagen und steuerlichen Belastungen,
die Zeit und Kosten der Hoteliers binden, dringend zu reduzieren.“
(PWK562/PM)

Fachverband Hotellerie

Der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich
vertritt 17.000 Beherbergungsbetriebe mit 1,05 Millionen Betten. Mit
über 37 Millionen Ankünften und knapp 132 Millionen Nächtigungen
leistet die heimische Hotellerie einen wesentlichen Beitrag zur
direkten und indirekten Wertschöpfung der Tourismus- und
Freizeitwirtschaft in der Höhe von rund 48,8 Milliarden Euro. Das
sind 14,8 Prozent des BIP.

Hochaufgelöstes Bildmaterial finden Sie unter
www.hotelverband.at/bildmaterial

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel