• 08.07.2016, 21:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 9. Juli 2016 von Alois Vahrner - Heinz Fischer und die Zeit danach

Innsbruck (OTS) - Gestern ist die zwölfjährige Ära von Heinz Fischer
als Bundespräsident zu Ende gegangen. Mit seinem bedächtigen, aber in
jedem Fall überdachten Kurs war Fischer ein sehr gutes
Staatsoberhaupt, das dem Land gutgetan hat.

Nach seiner Wahl 2004 erzählte Heinz Fischer, der 1957 zum
Bundespräsidenten gewählte Adolf Schärf habe oft über die Einsamkeit
in den Weiten der Hofburg geklagt. Er hoffe, dass es ihm nicht auch
so gehe. Vielleicht war er auch deshalb ein „ruheloser Präsident“,
schrieb Herbert Lackner, ein jahrzehntelanger Intimkenner, im profil.
Und fasste seine Präsidentschaft in Zahlen: 75 Länder habe der früher
von Flugangst Geplagte bereist, Staatschefs aus 76 Ländern kamen nach
Wien. 180 Grußworte und 200 Reden wurden gehalten, geschätzte 2500
Selfies pro Jahr gemacht, 1000 Interviews gegeben, 1548 Bundesgesetze
beurkundet und drei Regierungen (und etliche danach berufene neue
Minister) angelobt.
Aus gutem Grund ist die Amtszeit des Bundespräsidenten auf maximal
zwei sechsjährige Perioden beschränkt. Fast 4400 Tage lang oberster
politischer Repräsentant des Landes zu sein, ist wahrlich eine lange
Zeit. Heinz Fischer wurde gestern mit allen Ehren verabschiedet – zu
Recht!
SPÖ-Mann Heinz Fischer hatte sich 2004 mit 52,4 zu 47,6 Prozent gegen
ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner durchgesetzt. Fischer, der
achte Bundespräsident der Zweiten Republik, kündigte an, ein
„Präsident für alle Österreicher“ sein zu wollen. Ein Anspruch, dem
ihn zumindest anfangs nicht immer alle in anderen Parteien so
abnahmen, den er letztlich aber sehr wohl erfüllte – etwa auch, als
er gegen den von Wiens Bürgermeister Michael Häupl und dem Boulevard
erzwungenen 180-Grad-Schwenk der SPÖ-Spitze um Kanzler Faymann und
Verteidigungsminister Darabos in Richtung Berufsheer nicht mitmachte
und glasklar für die Beibehaltung der Wehrpflicht eintrat. Und das
blieb dann tatsächlich „in Stein gemeißelt“.
Fischer, der während der Amtszeit sehr an Popularität zulegte (im
zweiten Wahlgang holte er ohne einen VP-Gegenkandidaten 79,3
Prozent), blieb in seinen Aussagen stets bedächtig, seine Aussagen
waren aber in jedem Fall sehr wohl überdacht. Viele hätten sich
zuweilen schärfere Positionen gewünscht, Fischer wollte aber nicht zu
sehr ins politische Tagesgeschäft verstrickt werden, sondern wirkte
vielmehr verbindend. Fischer war ein guter Präsident, mehr
Staatsnotar und moralische Instanz als politischer Kraftprotz oder
Unruheherd. Er hat durch sein Agieren die in Teilen der Bevölkerung
diskutierte Sinnhaftigkeit des Amtes sicher nicht in Frage gestellt.
Sein Nachfolger, ob Alexander van der Bellen oder Norbert Hofer,
wird es nicht leicht haben. Vor allem dabei, die derzeitigen Gräben
zuzuschütten und die wohl wieder fast Hälfte der Wähler, die für den
anderen Kandidaten gestimmt hat, gut mitzuvertreten.

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