• 01.07.2016, 14:57:06
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„Europa darf nicht scheitern“ – Tagung in Wien eröffnet

7. Sommerakademie für Senioren-Führungskräfte in Wien mit umfangreichem Programm

Utl.: 7. Sommerakademie für Senioren-Führungskräfte in Wien mit
umfangreichem Programm =

Wien (OTS) - Heute Freitag wurde in der Politischen Akademie der ÖVP
in Wien die 7. Sommerakademie der Europäischen Seniorenunion für
Senioren-Führungskräfte eröffnet. Unter dem Motto „Europa darf nicht
scheitern“ tagen diesmal rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus
16 verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten drei Tage lang in Wien. Sie alle
sind Führungskräfte der Seniorenorganisationen, die in der
Europäischen Seniorenunion (ESU), einer Mitgliedsorganisation der
Europäischen Volkspartei (EVP), organisiert sind. In Österreich ist
dies der Österreichische Seniorenbund, der diese Veranstaltung zum
siebenten Mal in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Politischen
Akademie der ÖVP, dem Wilfried Mertens Centre für European Studies
(WMCES) und der ESU gerne organisiert.

Zum Auftakt begrüßten Dr. Werner Fasslabend, Ehrenpräsident der
politischen Akademie und somit Gastgeber der Veranstaltung, Tomi
Huhtanen, Direktor des Wilfried Martens Centre für European Studies
und somit Mitveranstalter der Tagung sowie LAbg. Ingrid Korosec,
Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer. Auch Dr. Marilies Flemming, Europabeauftragte des
Österreichischen Seniorenbundes und von Beginn an Organisatorin der
Sommerakademie in Wien, richtete Grußworte an die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer. Em. Prof. Dr. An Hermans präsentierte zum Einstieg das
Ergebnis der vorangegangenen Arbeit, deren Ergebnis in Form eines
Videos präsentiert wurde. Insgesamt war man sich in den einleitenden
Worten einig: Europas Seniorinnen und Senioren haben eine
Verantwortung für die Gemeinschaft. Mit ihrer Erfahrung müssten sie
dazu beitragen, die Zukunft des Kontinents zu gestalten. Die Tagung
wird schon seit dem Herbst vorbereitet und hat die Flüchtlingskrise
im Zentrum der Beratungen. Durch die aktuellen Entwicklungen rund um
den Brexit hat sie jedoch eine noch weitere Dimension erhalten.

Fasslabend: „Brexit bringt vier Verlierer und nur einen
Gewinner“

Dr. Werner Fasslabend, Ehrenpräsident der politischen Akademie,
analysierte zum Einstieg die konkreten Auswirkungen des Brexit: „Ich
sehe hier eine „loose-loose-loose-loose-win“-Situation, also vier
Verlierer und nur einen Gewinner. Zu den Verlierern zählt
Großbritannien selbst, weil wir dort nun interne Konflikte mit
Schottland und Irland sehen und weil wir eine Abkoppelung von den
direkten Nachbarn feststellen müssen. Europa verliert seine zweit
größte Volkswirtschaft aus dem Kreis der Mitglieder, was das Gewicht
Europas in der Welt verringert. Die Gemeinschaft verliert ein
kritisches Mitglied, das viele Entwicklungen und Entscheidungen durch
seine Zustimmung – der man in anderen Ländern Beispielcharakter zumaß
– möglich machte. Die Welt verliert, weil die Entwicklungen rund um
den Brexit die weiterhin labile Weltwirtschaftslage mit Sicherheit
nicht verbessern werden. Zu den Gewinnern aber gehören Putin und
China, weil die Destabilisierung Europas, überhaupt der westlichen
Welt, in deren Interesse ist.“

Zwt.: Huhtanen: „Zurück zu den europäischen Wurzeln! Föderalistisch,
aber nicht zentralistisch und vor allem weniger technokratisch!“

Tomi Huhtanen, Direktor des Wilfried Martens Centre für European
Studies, zeichnete zu Beginn seines Referates bestehende Umbrüche in
der Gesellschaft auf: „Seit 1840 ist die Lebenserwartung in jedem
Jahr um drei Monate gestiegen. Ein heute geborenes Kind hat die
fünfzigprozentige Chance, über 100 Jahre alt zu werden. Das ist keine
Fiktion, das ist Europa! Lebensbegleitendes Lernen werde daher zum
Schlüsselpunkt für die erfolgreiche Zukunft Europas und seiner
Bürgerinnen und Bürger. Die früher bekannten drei Lebensphasen
(Anmerkung: Ausbildung / Arbeitsleben / Pensionszeit) befinden sich
in Auflösung, für die Zukunft erwarten wir vier, fünf oder sogar
sechs Lebensphasen, die einander abwechseln und damit völlig neue
Karriereverläufe!“

Nach einer Analyse der aktuellen Entscheidungen rund um den Brexit
hielt Huhtanen fest: „Um Europa weiter zu entwickeln müssen wir
zurück zu den Wurzeln, zum Gründungsgedanken der EU. Das europäische
Narrativ wird heute nämlich nur noch als technokratisch wahrgenommen.
Wir müssen stärker zusammenarbeiten. Föderalistisch, aber nicht
zentralistisch und vor allem weniger technokratisch!“

Korosec: „Brexit muss als Chance zum Neustart der EU begriffen
werden!“

Die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes hielt in ihren
Grußworten fest: „In einer unglaublich populistischen Kampagne wurde
den Menschen in Großbritannien vorgemacht, es ginge ihnen ohne die EU
besser. Wurde versprochen, man würde sich hunderte Millionen Pfund
pro Woche (!) ersparen mit diesem Austritt – und würde diese Summen
ins zuletzt ausgehungerte britische Gesundheitssystem NHS stecken.
Kein Wunder, dass gerade die Älteren daher den Schlachtrufen der
Austritts-Befürworter mehrheitlich gefolgt sind. Sie ersehnten ein
besseres Gesundheitssystem. Gleich am Tag nach der Abstimmung mussten
sie aber erkennen: Dieses Versprechen existiert nicht mehr, es wurde
als Fehler bezeichnet. Und die zuvor ganz lauten
Austritts-Befürworter offenbarten, dass sie überhaupt gar keinen Plan
hatten, wie ein solcher Austritt denn überhaupt strukturiert ablaufen
könnte. Diesem Populismus müssen wir uns in unseren Ländern entgegen
stellen! Den Brexit müssen wir als Chance zum Neustart der EU
begreifen!“

Hermans: „Mögliche Gräben zwischen Jung und Alt mit unserer
Arbeit überbrücken!“

Em. Prof. Dr. An Hermans, Präsidentin der ESU, fasste in ihrem
Referat die Themen und Ergebnisse der vorangegangenen sechs
Sommerakademien in Wien zusammen. Dabei betrachtete sie insbesondere
der Relation der verschiedenen Generationen zueinander: „Wir haben im
Vorjahr begonnen, Lebensgeschichten in Europa zu sammeln. So können
wir Erfahrungen und Erlebtes der Älteren an die Jüngeren weitergeben,
so können wir voneinander lernen. Mit dieser Arbeit wollen wir
mögliche Gräben zwischen Jung und Alt überbrücken!“ Dazu präsentierte
die ESU-Präsidentin ein Video, an deren Ende, sie betont: „Wir wollen
ein Europa, das die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Ein Europa,
das keinen Unterschied aufgrund von Geschlecht, Alter,
Religionsbekenntnis oder Herkunft macht. Ein Europa, das in der Lage
ist, in der sich stets ändernden Welt zu behaupten. Arbeiten wir
gemeinsam daran!“

Die Veranstaltung wird heute Nachmittag mit Referaten von Prof. Dr.
Steven Van Hecke (Institut für den öffentlichen Sektor, Katholische
Universität Leuven, Belgien), Dr. Marilies Flemming (Österreich) und
Dr. Wilhelm Sandrisser (BMI, Österreich) fortgesetzt.

Morgen Samstag erwarten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Referate
von Mag. Igor Sekardi (IV, Österreich), Prof. Erich Leitenberger
(Stiftung Pro Oriente), Dr. Marilies Flemming (Österreich) und dem
Generalsekretär der ESU, Guido Dumon.
Am Sonntag folgen die Berichte der Mitgliedsorganisationen der ESU,
sowie die umfassende Ergebniszusammenfassung durch die
ESU-Präsidentin Hermans.
(Forts. möglich)

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