• 29.06.2016, 10:30:01
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"Österreich 2025": Eine Agenda für mehr Dynamik, sozialen Ausgleich und ökologische Nachhaltigkeit

Abstieg ins Mittelfeld stoppen - Österreich zurückführen an die Spitze

Utl.: Abstieg ins Mittelfeld stoppen - Österreich zurückführen an
die Spitze =

Wien (OTS) - Österreichs Wirtschaft steht heute an einer Weggabelung:
Nach einem beeindruckenden Aufstieg in die Riege der
einkommensstärksten Volkswirtschaften erlebt sie nun schon ein halbes
Jahrzehnt schwachen Wachstums, sinkender Reallöhne, steigender
Arbeitslosigkeit und schrumpfender Marktanteile. In internationalen
Rankings wird Österreich hinsichtlich
Telekommunikationsinfrastruktur, Bildung und der Gleichstellung der
Geschlechter bestenfalls im Mittelfeld gereiht; in Bezug auf
Innovation und Umweltziele verliert Österreich seine bisher gute
Positionen, statt an die Spitze vorzustoßen. Abgabenquote und
Regulierungsdichte sind überdurchschnittlich und drücken Stimmung und
Investitionsbereitschaft. Die "Kalte Progression",
überdurchschnittliche Inflation und zunehmende Einkommensdifferenzen
belasten den Konsum. Angesichts dieser Diagnose erarbeitet das WIFO
in seinem aktuellen Forschungsprogramm "Österreich 2025" auf der
Basis detaillierter Analysen Maßnahmenvorschläge, um die
österreichische Wirtschaft wieder an die Spitze zurückzuführen.

Ohne wirtschaftspolitische Neuorientierung droht die
österreichische Wirtschaft ins Mittelfeld abzugleiten. Eine Rückkehr
an die Spitze erfordert eine neue Strategie mit hohen Ambitionen und
einem optimierten Verhältnis zwischen Mitteleinsatz und
Aufgabenerfüllung.

Im Forschungsprogramm "Österreich 2025" erarbeitet das WIFO zur
Zeit eine solche Reformagenda für eine Rückkehr zur Spitzenposition,
zu der nun ein erster Fortschrittsbericht vorliegt. Das
Forschungsprogramm stützt sich auf 23 Einzelprojekte und bindet die
Erfahrungen aus dem 2006 veröffentlichten "WIFO-Weißbuch: Mehr
Beschäftigung durch Wachstum auf Basis von Innovation und
Qualifikation" sowie die Ergebnisse des von der Europäischen
Kommission beauftragten und vom WIFO koordinierten mehrjährigen
Forschungsprogramms "WWWforEurope - Welfare, Wealth and Work for
Europe" ein.

Dynamik und Lebensqualität als Ziel

Statt des Bruttoinlandsproduktes als alleinigem Erfolgsmaßstab
zielt die vom WIFO entwickelte Strategie auf die direkte Steigerung
der Lebensqualität ab, verstanden als simultanes Zusammenwirken von
ökonomischer Dynamik (Einkommenswachstum, Strukturwandel, Mobilität,
Offenheit), sozialem Ausgleich (Teilhabe aller gesellschaftlichen
Gruppen und Einzelpersonen an der Wohlstandsentwicklung) und
ökologischer Nachhaltigkeit (Einhaltung der Klimaziele als Motor für
Investitionen in neue Infrastruktur, Emissionssenkung,
Technologieführerschaft in Sektoren der Nachhaltigkeit).

Fünf Hebel des Wandels

In Ausrichtung auf diese Ziele entwickelt "Österreich 2025" eine
Reformagenda, die sich über fünf Politikfelder spannt und dort
Reformen als Hebel für den Wandel identifiziert:

- Anstreben einer Spitzenposition in der Innovationsaktivität und
Verlagerung des technischen Fortschritts von einer Steigerung der
Arbeitsproduktivität hin zur Erhöhung der Energie- und
Ressourcenproduktivität,

- Hebung der ökonomischen Dynamik durch Anreize auf der Angebots-
und der Nachfrageseite wie etwa Forcierung öffentlicher und privater
Investitionen in neue Infrastruktur, Verringerung der
Einkommensdivergenz zur Belebung des Konsums sowie Senkung der
Regulierungsdichte und Erleichterung von Betriebsgründungen und
-wachstum,

- Senkung der Arbeitslosigkeit bei gleichzeitiger
Qualifizierungsstrategie für das Humankapital sowie Modelle
symmetrischer Flexibilisierung der Arbeitszeit (unter Mitbestimmung
der Arbeitgeber- wie der Arbeitnehmerseite), mit der Grundbedingung
einer Entlastung des Faktors Arbeit von Abgaben und Lohnnebenkosten.

- Die Dekarbonisierung der Wirtschaft durch Nutzung alternativer
Energiequellen, Steigerung der Energieeffizienz und Forcierung neuer
Antriebssysteme ist für Österreich nicht nur Verpflichtung, sondern
auch Chance. Neben dem Abbau von Subventionen für fossile
Energieträger muss Österreich in den Bereichen Energieeffizienz und
Umwelttechnologie eine Vorreiterrolle anstreben und dies gezielt auch
zu einer Verbreiterung seiner Exportbasis nutzen.

- Der öffentliche Sektor soll zum Motor der Reform werden. Neben der
Verlagerung der Steuerlast weg vom Faktor Arbeit hin zum
Ressourcenverbrauch und zu Steuerquellen mit Doppeldividenden in
Bezug auf die Zielerreichung muss die öffentliche Hand diesen Prozess
in ihrer Beschaffungspolitik und mittels Zukunftsinvestitionen
unterstützen. Die Gesamtbelastung durch Abgaben und Regulierung muss
sinken.

Umsetzungsbedingungen

Erfolgsvoraussetzung für die Reformagenda sind die Verfolgung
eines integrierten Gesamtkonzeptes, das konsequente Streben nach der
Erreichung einer Spitzenposition, die Steigerung der Effizienz in
allen Subsystemen und der sozioökologische Umbau der
Wirtschaftsstruktur.

Publikationshinweis:
Karl Aiginger, Marcus Scheiblecker, Österreich 2025: Eine Agenda für
mehr Dynamik, sozialen Ausgleich und ökologische Nachhaltigkeit.
Fortschrittsbericht
WIFO, Wien, Juni 2016 (rund 130 Seiten, 70 €, Download 56 €:
http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/58860)

Das Forschungsprogramm "Österreich 2025"
(http://www.wifo.ac.at/oesterreich_2025) wird von Dr. Marcus
Scheiblecker koordiniert und von folgenden Institutionen finanziell
unterstützt: Bundesministerium für Verkehr, Innovation und
Technologie, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und
Wirtschaft, Oesterreichischer Nationalbank, Klima- und Energiefonds,
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und
Hannes Androsch Stiftung bei der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften. Einzelne Projekte finanziert durch die
Bundesarbeitskammer, das Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, die
Landwirtschaftskammer Österreich und die Wirtschaftskammer Österreich
werden ebenfalls im Rahmen des Forschungsprogramms abgewickelt.

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