• 14.06.2016, 13:30:03
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Wie können wir den Herausforderungen in der Landwirtschaft begegnen?

Internationale Experten diskutieren beim Forum for the Future of Agriculture und fordern Zusammenarbeit

Utl.: Internationale Experten diskutieren beim Forum for the Future
of Agriculture und fordern Zusammenarbeit =

Wien (OTS) - Der internationale Kongress Forum for the Future of
Agriculture (FFA) beschäftigte sich heute in Wien mit den
Zukunftsfragen der Landwirtschaft. Diskutiert wurden
Herausforderungen wie die globale Ernährungssicherheit, die Zukunft
der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sowie nötige Rahmenbedingungen für
die Landbewirtschafter, um nachhaltig produzieren zu können.

Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich,
ging auf die Herausforderungen für die Bewirtschafter und mögliche
Lösungsvorschläge ein: „Durch die allgemeine Schwäche der
Rohstoffpreise kommt es in der Landwirtschaft aktuell zu einem
extremen Preisdruck. Zu den sinkenden Einkommen der Bauern kommen
weniger öffentliche Gelder sowie Herausforderungen durch den
Klimawandel hinzu. Eine Möglichkeit, die Rahmenbedingungen bei der
Produktion anzupassen, wäre ein Risikoausgleich bei der
Gewinnbesteuerung. Klimatische Extreme und Unruhen an den
Rohstoffmärkten führen zu stark schwankenden Betriebsergebnissen. Ein
entsprechender Risikoausgleich ließe sich durch eine
Schwankungsrückstellung über mehrere Jahre erreichen. So können Jahre
mit guten Ernten mit darauffolgenden schlechten Jahren „ausgeglichen“
und das witterungs- als auch marktbedingte Risiko minimiert werden.

Eine weitere große Herausforderung für Landwirte ist der steigende
bürokratische Aufwand. Die überbordende Regulierungsflut stellt eine
enorme Belastung für die landwirtschaftlichen Betriebe dar und ist
gleichzeitig die größte Wachstumsbremse. Problematisch sind vor allem
Gewerbe- und Bilanzierungsvorschriften. Die bilanzierenden Betriebe
brauchen unbedingt eine Vereinfachung durch eine umfassendere
Betrachtung des ländlichen Unternehmens anstelle einer Aufsplitterung
in steuerrechtliche Kleinstunternehmen. „Wir Bewirtschafter wollen
Mitarbeiter beschäftigen und mit unseren Produkten zur Wertschöpfung
am Land beitragen. Daran werden wir laufend durch eine Fülle von
unüberschaubaren Vorschriften gehindert. Um die Belastungen für
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu senken, fordern wir weiters eine
Reduktion der Lohnnebenkosten. Außerdem müssen Bewilligungsverfahren
in der Wirtschaft vereinfacht und schneller abgewickelt werden, zum
Beispiel im Investitionsbereich. Damit die Betriebe auch in Zukunft
noch nachhaltig wirtschaften können, und die Lebensmittelproduktion
nicht gefährdet ist, darf es zu keinen weiteren Einschränkungen und
Belastungen in der Land- und Forstwirtschaft kommen“, fasst
Montecuccoli weitere Verbesserungsvorschläge für die
Landbewirtschafter auf nationaler Ebene zusammen.
In Bezug auf die GAP wird es Aufgabe und Herausforderung der
künftigen europäischen Agrarpolitik sein, nachhaltige
Landbewirtschaftung auch in budgetär schwierigen Zeiten zu
ermöglichen und zu unterstützen.

Effizienz steigern und Verschwendung reduzieren

Der Vorsitzende des FFA und ehemalige EU-Umweltkommissar Janez
Potočnik ging auf die globale Lebensmittelproduktion und deren Mängel
ein: „Verschwendung, mangelnde Effizienz und Missachtung der Umwelt.
Damit die weltweite Lebensmittelkette nachhaltig wird, müssen diese
Mängel unverzüglich beseitigt werden. Wir müssen die Effizienz der
Viehfütterung steigern, unsere Nährstoff- und Wassernutzung
optimieren und die entsetzliche Verschwendung von Ressourcen in
unseren derzeitigen Systemen reduzieren.“
Thierry de l’Escaille, Generalsekretär des Europäischen
Grundbesitzerverbands ELO, hielt fest, dass es für langfristige
Nachhaltigkeit eine Kursänderung in der weltweiten Land- und
Forstwirtschaft braucht: „Glücklicherweise tun viele unserer
Mitglieder bereits mehr als jemals zuvor, um diese Ziele zu
erreichen. Alleine schaffen wir das aber nicht. Der europäische
Verbraucher muss sich entscheiden: Er kann nicht so außergewöhnlich
niedrige Lebensmittelpreise fordern, dass Bauernhöfe in den Konkurs
getrieben werden und gleichzeitig die höchsten Qualitätsstandards
verlangen. Landwirte verdienen es, für ihre harte Arbeit von den
Verbrauchern fair entlohnt zu werden.“

Juan Gonzalez-Valero, Head Public Policy and Sustainability beim
Pflanzenschutz- und Saatgutunternehmen Syngenta, betonte:
„Zukunftsweisende Innovationen müssen gleich mehrere Aufgaben
erfüllen: die Ressourceneffizienz steigern, um die
landwirtschaftliche Produktivität gerade im Hinblick auf den
Klimawandel zu erhalten. Gleichzeitig müssen sie dazu beitragen, die
Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme zu stärken, um die natürlichen
Ressourcen zu schützen. Letztendlich gilt es, auch den
Wissenstransfer in die ländlichen Regionen zu unterstützen, um die
wirtschaftlichen Vorteile einer verbesserten landwirtschaftlichen
Produktion zu teilen.“

Das Forum leitete der ehemalige EU-Umweltkommissar Janez Potočnik. Zu
den hochrangigen Rednern zählten unter anderem Folkhard Isermeyer,
Präsident des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, Raimund Jehle
(FAO), Allan Buckwell (Institut für Europäische Umweltpolitik),
Tassos Haniotis (Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission),
MEP Elisabeth Köstinger, LK-Präsident Hermann Schultes sowie Hans
Bruyninckx, Direktor der Europäischen Umweltagentur.

Das FFA ist eine internationale Plattform der unterschiedlichsten
Interessenvertreter, die gemeinsam beraten, wie die europäische
Landwirtschaft auf die großen aktuellen und zukünftigen
Herausforderungen reagieren muss. Jedes Jahr finden ein Forum in
Brüssel sowie zwei regionale Veranstaltungen mit Partnern vor Ort
statt, um die Diskussion auf regionaler Ebene fortzuführen.
Veranstalter des FFA in Wien waren der Europäische
Grundbesitzerverband (ELO), das Pflanzenschutz- und
Saatgutunternehmen Syngenta sowie die Land&Forst Betriebe Österreich.

Weitere Informationen unter: www.forumforagriculture.com

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