- 13.06.2016, 14:05:13
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BIO AUSTRIA zum Milchdialog: Agrarpolitscher Paradigmenwechsel zur Lösung der Milchkrise erforderlich
Notfallmaßnahmen dringend notwendig – Langfristige Lösung heißt Fokus auf Nachhaltigkeit und Ernährungssouveränität sowie marktangepasste Produktion statt Leistungsmaximierung
Utl.: Notfallmaßnahmen dringend notwendig – Langfristige Lösung
heißt Fokus auf Nachhaltigkeit und Ernährungssouveränität
sowie marktangepasste Produktion statt Leistungsmaximierung =
Wien (OTS) - Anlässlich des morgen, Dienstag, stattfindenden
Milchdialogs findet BIO AUSTRIA Bundesobfrau Gertraud Grabmann
deutliche Worte zur gegenwärtigen Situation am Milchmarkt. „Die
Milchkrise ist nicht nur ein branchenspezifisches Phänomen, sondern
offenbart eine grundlegende Systemkrise in der Landwirtschaft“, so
Grabmann. Die europäische Agrarpolitik sei nach wie vor primär auf
eine Maximierung der Produktion und Steigerung der
Wettbewerbsfähigkeit am globalen Markt ausgerichtet. Mit dem Wegfall
der Milchquoten sei das letzte Korrektiv gefallen. Diese Strategie
ginge nicht nur auf Kosten von Umwelt, Klima und Tierwohl, sondern
auch auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern, konstatiert Grabmann.
„Neben einer kurzfristigen Nothilfe für die konventionellen
Milchbauern brauchen wir daher einen Paradigmenwechsel in der
Agrarpolitik: Nur der Umbau von einer auf Höchstleistung und
permanentes Wachstum ausgelegten Landwirtschaf hin zu einer
ökologisch nachhaltigen, auf Ernährungssouveränität ausgerichteten
Produktion kann mittel- bis langfristig stabile Lösungen bringen“,
betont die BIO AUSTRIA Obfrau.
Ziel des morgigen Branchendialogs müsse es auch sein, langfristige
negative Struktureffekte auf die österreichische Landwirtschaft zu
verhindern. „Eine Preis-Katastrophe wie diese gefährdet das Rückgrat
der österreichischen Landwirtschaft, die bäuerlichen
Familienbetriebe. Daher muss die Politik rasch reagieren, um einen
unumkehrbaren Kahlschlag zu verhindern“, so Grabmann, die den vom
Landwirtschaftsministerium einberufenen Runden Tisch als richtigen
und wichtigen Schritt zu einer Lösungsfindung begrüßt. Kurzfristige,
einmalige Maßnahmen könnten aber die Gesamtproblematik im Agrarsystem
nicht lösen, diese seien nur „ein Pflaster auf einer klaffenden
Wunde“, betont die BIO AUSTRIA Obfrau.
Die Milchkrise offenbare, wo die eigentlichen Fehler im System lägen:
Kühe auf höchste Milchleistung zu züchten und mit Kraftfutter die
Milchleistung immer weiter zu maximieren, sei ein fragwürdiger
Zugang. Hier müsse gegengesteuert werden. „Wir brauchen eine
Rückbesinnung. Kühe müssen wieder mit Nahrung versorgt werden, die
ihrer natürlichen Anforderung als Wiederkäuer entspricht. Das
bedeutet primär Grundfutter aus der Region. Es braucht eine Abkehr
von der Fokussierung auf Milchleistung je Kuh hin zur Milchleistung
je Hektar Grünland“, fordert Grabmann. Die Produktion müsse dabei
marktabhängig gesteuert werden. „Hier sind alle Beteiligten
aufgerufen, neue Systeme der Mengensteuerung zu entwickeln.“
Im Gegensatz zum konventionellen Bereich sind die Erzeuger-Preise für
Bio-Milch derzeit relativ stabil. Es gebe aber trotz positiver
Zukunftsprognosen keine Garantie dafür, dass dies auch so bleibe.
Daher sei es hier besonders wichtig, behutsam vorzugehen und den
Markt mit der Produktion im Einklang zu entwickeln, so Grabmann, die
in diesem Zusammenhang abschließend potenzielle Bio-Umsteller dazu
anhält, ihre individuellen Marktchancen im Vorfeld mit den
Verarbeitern abzuklären.
Hintergrund:
BIO AUSTRIA ist das Netzwerk der österreichischen Biobäuerinnen und
Biobauern. Als größter Bio-Verband in Europa repräsentiert BIO
AUSTRIA die österreichische Bio-Landwirtschaft – mit über 12.500
Mitgliedern, 360 Partnerunternehmen und 100 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern auf Landes- und Bundesebene. Nähere Informationen unter
www.bio-austria.at
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