• 09.06.2016, 09:00:03
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Wachstumsbelebung in Österreich zu Jahresbeginn

Wien (OTS) - Gemäß der aktuellen Quartalsrechnung des WIFO stieg das
reale Bruttoinlandsprodukt in Österreich im I. Quartal 2016 gegenüber
dem Vorquartal um 0,5% (auf Basis der Trend-Zyklus-Komponente). Nach
einem robusten Verlauf im Vorjahr beschleunigte sich die Konjunktur
damit weiter. Maßgebend für den Wachstumsschub war die inländische
Nachfrage. Das Bild der Vorlaufindikatoren verbessert sich zwar
zunehmend, die allgemeine Stimmung ist jedoch nach wie vor verhalten.

Die Weltwirtschaft expandierte im I. Quartal 2016 ähnlich wie Ende
2015 nur verhalten. In den Schwellenländern scheint sich die
Konjunktur zuletzt stabilisiert zu haben, nachdem sie sich im Laufe
des Jahres 2015 deutlich eingetrübt hatte. So dürften in China die
wirtschaftspolitischen Bemühungen um eine Stimulierung der Wirtschaft
erste Erfolge erzielt haben, und in Russland schwächten sich die
rezessiven Tendenzen ab. Unter den Industrieländern blieb die
Expansion zu Jahresbeginn vor allem in den USA gedämpft, während sie
sich im Euro-Raum im I. Quartal merklich beschleunigte. Das Wachstum
der Weltwirtschaft dürfte in den nächsten Monaten allmählich etwas
anziehen; Auftrieb erhält es von der nach wie vor robusten
Entwicklung in den führenden Industrieländern und dem Abklingen der
tiefen Rezession in einigen großen Schwellenländern. Darauf weist
auch der jüngste Anstieg der Rohstoffpreise hin.

In Österreich erhöhte sich das Wachstum Anfang 2016 merklich.
Angesichts der verhaltenen Weltkonjunktur und des eher trüben Bildes
der Vorlaufindikatoren für Österreich ist diese Steigerung
bemerkenswert. Bestimmt wurde diese Entwicklung durch die
Inlandsnachfrage. Vor allem der Konsum wuchs im I. Quartal 2016
dynamisch; sowohl die private als auch die öffentliche
Konsumnachfrage wurden um 0,3% ausgeweitet. Einen positiven Beitrag
zum Wachstum des BIP leisteten auch die Bruttoanlageinvestitionen
(darunter die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen), sie stiegen im I.
Quartal um 0,6%. Der Außenhandel lieferte neuerlich keinen positiven
Beitrag zum Wirtschaftswachstum, da die Importe stärker zunahmen als
die Exporte.

Der Preisauftrieb ließ zuletzt abermals nach. Die Inflationsrate
erreichte im April 2016 auf Basis des VPI mit +0,5% (März +0,7%) den
niedrigsten Wert seit Oktober 2009 (+0,2%). Der Beschäftigungsanstieg
hielt im Mai an, die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten
erhöhte sich im Vormonatsvergleich saisonbereinigt um 1.900. Im
Vorjahresabstand stieg die Beschäftigtenzahl um 50.000 oder 1,5%. Die
Arbeitslosenquote lag im Mai (saisonbereinigt) bei 9,2%.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik
Austria veröffentlichten "saison- und arbeitstägig bereinigten
Veränderungen" der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO
diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als
Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren
Verlauf auf und machen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser
interpretierbar.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

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