- 09.06.2016, 08:50:44
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Ärztekammerumfrage: Patienten orten Stillstand im Gesundheitswesen
Nur Durchschnittsnoten für Wiener Gesundheitsversorgung – Leitner: „Wienerinnen und Wiener haben Verständnis für die Anliegen der Ärzteschaft“
Utl.: Nur Durchschnittsnoten für Wiener Gesundheitsversorgung –
Leitner: „Wienerinnen und Wiener haben Verständnis für die
Anliegen der Ärzteschaft“ =
Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer hat eine wienweite
Patientenbefragung zur Wahrnehmung des Wiener Gesundheitswesens und
der aktuellen Debatte durchgeführt. Die Ergebnisse sind neuerlich
ernüchternd: 52 Prozent der Patienten orten einen Stillstand in der
medizinischen Versorgung in Wien, 33 Prozent sehen sogar eine
Verschlechterung. ****
Bereits im Februar 2016 hatte die Wiener Ärztekammer eine
großflächige Umfrage mit dem Resümee der Ärztinnen und Ärzte zum
neuen Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) präsentiert. Damals
hatten 87 Prozent aller befragten Ärztinnen und Ärzte angegeben, dass
sie eine Verschlechterung der Patientensituation beobachten. 74
Prozent nahmen sogar eine Verschärfung des Problems der
Zwei-Klassen-Medizin wahr.
„Die damals sehr schlechte Beurteilung der Patientenversorgung und
das Absinken der Patientenzufriedenheit aus Sicht der Ärzteschaft
haben wir zum Anlass genommen, um nun auch eine großflächige
Patientenumfrage zum Wiener Gesundheitssystem durchzuführen“, erklärt
Hermann Leitner, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte
der Ärztekammer für Wien.
Im Fokus der Patientenumfrage standen unter anderem die
derzeitigen Sparmaßnahmen und die damit einhergehende
Personalknappheit, die steigenden Wartezeiten in den Spitälern sowie
die Elektronische Gesundheitsakte ELGA. „Durch die Kombination aus
Spitalsärzte- und Patientenumfrage haben wir nun eine ganzheitliche
Sicht auf die aktuelle Problematik in den Wiener Spitälern“, so
Leitner.
Spitäler schneiden schlecht ab
Die zuletzt immer wiederkehrenden Berichte zum „Niedergang“ der
Wiener Spitäler und Ambulanzen werden von den Patienten bestätigt: 31
Prozent, also knapp ein Drittel, der Befragten gaben an, dass sie mit
den ambulanten Spitalsaufenthalten nicht zufrieden waren, im
stationären Bereich sind es 23 Prozent.
Zwar sind die Patienten laut Umfrage mit der Gesundheitsversorgung
in Wien insgesamt nach wie vor noch zufrieden (77 Prozent), doch:
„Die Tendenz ist hier eindeutig weiter sinkend“, meint Leitner und
betont: „Der Stillstand wird offensichtlich noch toleriert, doch eine
Verschlechterung wäre für die Patienten dramatisch.“
„Besonders freut uns daher das Verständnis der Wiener Bevölkerung
für die Ablehnung und Kritik der Ärzteschaft an der derzeitigen
Gesundheitspolitik“, ergänzt Leitner. 81 Prozent der Patienten können
laut Umfrage nämlich „nachvollziehen, dass dies an den geplanten
Sparmaßnahmen für die Wiener Gemeindespitäler liegt“. 76 Prozent
befürworten sogar eine allfällige öffentlichkeitswirksame Gegenwehr
der Ärztinnen und Ärzte.
82 Prozent der Befragten befanden, dass „Ärztinnen und Ärzte in
den Wiener Spitälern in zu kurzer Zeit zu viele Patienten“ behandeln
müssten, 71 Prozent meinten, dass es „durch die Reduzierung der
Arbeitszeiten zu Leistungsreduktionen und dadurch zu längeren
Wartezeiten“ kommen würde. 63 Prozent stellten fest, dass, wenn die
Wiener Politik nicht eingreife, die Gesundheitsversorgung in Wien
nicht mehr gesichert sei.
Ergebnisse „höchst aussagekräftig“
Von der Ärztekammer mit der Durchführung beauftragt wurde das
unabhängige Umfrageinstitut Pitters Trendexpert. Insgesamt wurden
1008 Patienten ab 16 Jahren in ganz Wien telefonisch und elektronisch
befragt, der Erhebungszeitraum war Mai 2016. Die Ergebnisse der
Umfrage beurteilte Harald Pitters, Geschäftsführer von Pitters
Trendexpert, sowohl aus geschlechtsspezifischer als auch
altersdynamischer Sicht, als „höchst aussagekräftig“. (ast)
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