- 08.06.2016, 20:27:52
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GBV-Verbandstag: Gemeinnützige plädieren für einen New Deal im Wohnungsbau
Deutsch-österreichischer Schulterschluss gegen baukostentreibende Normenflut
Utl.: Deutsch-österreichischer Schulterschluss gegen
baukostentreibende Normenflut =
Wien (OTS) - Preisgünstige Wohnungen fehlen in den Ballungsgebieten
an allen Ecken und Enden. Der geförderte Wohnbau kann die gestiegene
Wohnungsnachfrage durch das starke Bevölkerungswachstum in den
Städten nicht decken, er ist zuletzt sogar auf einem historischen
Tiefstand zurückgegangen. Gleichzeitig hat der Normen-Wildwuchs und
das Dickicht an bautechnischen Auflagen ein Ausmaß erreicht, das
Bauen immer teurer und komplizierter hat werden lassen,
Flächenwidmungs- und Bauverfahren ziehen sich durch
naturschutzrechtliche Auflagen und Bürgerbeteiligungsprozesse unnötig
in die Länge und Grundstücke zu angemessenen Konditionen werden
zunehmend zur Mangelware. Mit diesen Rahmenbedingungen für
kostengünstigen Wohnungsbau beschäftigte sich der Verbandstag der
gemeinnützigen Wohnungswirtschaft am Mittwoch, 8.6., in Wien. „Um den
Problemstau zu lösen und die Wohnbauleistung deutlich anzukurbeln,
braucht es einen New Deal“, erklärte Karl Wurm, Obmann des
Österreichischen Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), in
seinem Referat bei der Jahrestagung.
Der GBV-Obmann sprach sich für einen neuen Schwung im Wohnbau aus. Zu
allererst ist die Wohnbauinvestitionsbank rasch flott zu machen,
damit noch heuer die ersten Finanzierungsmittel in die Errichtung von
kostengünstigen Wohnraum fließen können. Voraussetzung für eine
rasche Abwicklung der Wohnbauprojekte sind straffe behördliche
Verfahren, einfachere Bauauflagen und vor allem preisgünstige
Grundstücke. Zur Mobilisierung von Bauland sind wirksame Instrumente,
wie z.B. eine Widmungskategorie „förderbarer Wohnbau“ und eine
Rückwidmung von gewidmetem und nicht genutztem Bauland nach 10
Jahren, erforderlich. Zur Anwendung dieser grundstücksmobilisierenden
Maßnahmen forderte GBV-Obmann Wurm einmal mehr eine
verfassungsrechtliche Kompetenzklarstellung, wonach diese Befugnis
eindeutig den Ländern zufällt. Möglichkeiten im Wohnbau rasch etwas
weiterzubringen, liegen auf der Hand, betonte Wurm und verwies dabei
auf die Kasernenareale, die für den geförderten Wohnbau zur Verfügung
gestellt werden sollten. Hier hat die Bundesregierung ihrer
Ankündigung allerdings noch immer keine Taten folgen lassen.
„Was die Bauvorschriften betrifft, so musste die gemeinnützige
Wohnungswirtschaft noch nie in einem so dichten Netz oder besser
gesagt: Gestrüpp an Auflagen und Standards agieren wie heute“,
kritisierte der GBV-Obmann. „Es ist zum Großteil überhaupt nicht mehr
über- bzw. durchschaubar, was an Rechtsvorschriften bei der
Bewältigung der Aufgaben der Gemeinnützigen eingehalten werden muss.
Die Rechtsordnung ist in diesem Bereich unübersichtlich, ja teilweise
sogar widersprüchlich geworden. Sie legt den Unternehmen engste
Fesseln an und hemmt ihre Handlungsmöglichkeiten. Dynamisches
Wirtschaften und ideenreiches Bauen ist dadurch nur mehr schwer
möglich.“
Als entscheidend für einfaches Bauen sieht Wurm die Notwendigkeit,
die für den Wildwuchs an Vorschriften und Auflagen verantwortlichen
Experten „einzubremsen“. „Nicht alles, was technisch machbar ist, hat
auch für den Endverbraucher denselben Stellenwert. Im Sinne
kostengünstigeren Wohnens braucht es wieder mehr Einfachheit beim
Bauen“, unterstrich der GBV-Obmann. Denn die Baukosten sind in den
letzten 10 Jahren um rd. 40% auf über 2.000 Euro/m2 angestiegen. Für
ein Drittel des Baukostenanstieges sind die Qualitätsstandards auf
zusätzliche Ausstattungen im Brand- und Schallschutz,
Autoabstellplätze sowie der Barrierefreiheit und energetische
Standards (Dämmung, Be- und Entlüftung etc.) zurückführen. Umgelegt
auf eine Miete bedeute das eine Kostensteigerung um 1 Euro/m2 auf
fast 8 Euro/m2.
Zu den Baukostentreibern haben die Gemeinnützigen einen umfassenden
Einsparungskatalog erarbeitet. Ein wesentlicher Einsparungseffekt
würde sich durch eine Reduktion der energetischen Anforderungen an
die Wohngebäude infolge einer Rückkehr auf den kosteneffizienten
Niedrigenergie-Standard der Generation „Wohnbauförderung 2010“
einstellen, erklärte Wurm und verwies dabei auf eine Studie des
GBV-Verbandes zu den Investitions- und Nutzungskosten von
energetischen Maßnahmen. Sie hat ergeben, dass sich die höheren
Investitionskosten von Niedrigstenergie- und Passivwohnhäusern nicht
durch die laufenden Energieeinsparungen wettmachen lassen.
Dass der österreichische Wohnbau mit den stark steigenden
Grundstücks- und Baukosten nicht alleine dasteht, zeigte das Referat
von Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs-
und Immobilienunternehmen – GdW. „Wir haben in Deutschland genau die
gleichen Probleme wie in Österreich“, betonte Gedaschko. Mit 45%
haben sich in Deutschland die Baukosten in den letzten 10 Jahren ganz
ähnlich stark erhöht. Hauptverantwortlich für diesen Kostenauftrieb
machte der GdW-Präsident die überzogenen
Energieeinsparungsverordnungen im Gebäudesektor. Wie in Österreich
lassen sich die Mehrinvestitionen durch die Energieeinsparungen nicht
kompensieren.
Da nicht nur die Vorgaben an die energetischen Anforderungen der
Wohngebäude, sondern ein Großteil der bautechnischen Regelwerke
wesentlich auf EU-Ebene ihren Ausgang nehmen, haben der
Österreichische Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen und der
Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen einen
Schulterschluss gegen die baukostentreibende Flut an Normen und
Auflagen vereinbart. Gestützt auf ihre Evaluierungen wollen sich die
beiden Verbände künftig gemeinsam verstärkt für wirtschaftlicheres
und kostengünstigeres Bauen einsetzen.
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