• 06.06.2016, 14:26:06
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Lebenshilfe: Wie verändert Pränataldiagnostik unsere Gesellschaft?

Internationale Ethik-Tagung vom 7.-8. Juni in Berlin

Utl.: Internationale Ethik-Tagung vom 7.-8. Juni in Berlin =

Wien (OTS) - 9 von 10 Kindern mit Down-Syndrom werden nach
Pränataldiagnostik abgetrieben. Welche Folgen vorgeburtliche
Untersuchungen für Menschen mit Behinderung und die gesamte
Gesellschaft haben, damit setzt sich am 7. und 8. Juni eine
internationale Ethik-Tagung in Berlin auseinander.

Für Ulla Schmidt, die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe Deutschland
und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, ist der hohe Anteil
der Schwangerschaftsabbrüche besorgniserregend: „Wir leben heute in
einer Gesellschaft, die Menschen mit Behinderung so viele
Teilhabemöglichkeiten bietet wie nie zuvor. Doch wird gleichzeitig
mit immer feineren Methoden der Pränataldiagnostik regelrecht nach
ihnen gefahndet. Das passt einfach nicht zusammen.“ Besonders
problematisch ist dabei der neue Bluttest auf Down-Syndrom, er wird
bei der Berliner Ethik-Tagung ein wichtiges Thema sein.

Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich und Dekan der
Fakultät für Psychologie der Universität Wien: „Die Lebenshilfe
Österreich fordert dazu seit langem eine breit angelegte öffentliche
Debatte um die Kernfrage: Wie steht unsere Gesellschaft zu einem
Leben mit Beeinträchtigung und zur vollen gesellschaftlichen Teilhabe
behinderter Menschen? Vorgeburtliche Untersuchungsmethoden wie PID
oder Blut-Gentest tragen dazu bei, dass Beeinträchtigungen in unserer
Gesellschaft weiter nur als Defizit gesehen und dadurch ausgegrenzt
werden.

Die Lebenshilfe Österreich fordert auf Basis der
UN-Behindertenrechtskonvention die Umsetzung der Inklusion, also die
selbstverständliche Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigungen
in sämtlichen Bereichen des täglichen Lebens.
Dabei stehen zwei Grundansätze zur Ethik zur Debatte: Einerseits ist
unsere Gesellschaft zunehmend bereit, in Inklusion zu investieren,
wie es die UN-Behindertenrechtskonvention und der Nationale
Aktionsplan Behinderung vorschreiben. Das ist die Basis einer
nicht-exklusiven Ethik. Andererseits soll gleichzeitig in die
Vermeidung behinderten Lebens investiert werden. Das erfolgt auf der
Basis einer Ethik der Exklusion, der Aussonderung. Hier erleben wir
einen Widerspruch, der uns zum Nachdenken, zum Debattieren und zum
Handeln zwingt!“

Zur Eröffnung spricht Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin
bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Sie wünscht sich, „dass sich Eltern zuversichtlich auch für ein Kind
mit Behinderungen entscheiden können, weil sie Gewissheit haben, dass
Teilhabe an unserer Gesellschaft jedem Kind mit all seinen
Besonderheiten offensteht. Dafür setzen wir uns im
Bundesfamilienministerium mit der Inklusiven Lösung für alle Kinder
mit und ohne Behinderungen ein.“

Die deutsche Bundesvereinigung Lebenshilfe richtet die Tagung
gemeinsam mit der Lebenshilfe Österreich, der Schweizer
Elternselbsthilfeorganisation insieme sowie mit dem Berliner Institut
Mensch, Ethik und Wissenschaft aus. Über 50 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer haben sich angemeldet, darunter Ethiker, Mediziner,
Fachleute der Behindertenhilfe, Politiker und Menschen mit
Behinderung. Der Berliner Schauspieler Sebastian Urbanski wird einen
Vortrag darüber halten, wie er mit dem Down-Syndrom lebt. Er sagt:
„Ich leide nicht am Down-Syndrom. Ich bin für ein Miteinander, das
alle einschließt.“

Ein neuer Test, der sogenannte Praena-Test, hat Menschen wie
Sebastian Urbanski im Visier. Zu einem frühen Zeitpunkt der
Schwangerschaft wird das Blut der Frau auf das Down-Syndrom hin
untersucht. Zurzeit wird geprüft, ob dieser neue Test flächendeckend
von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden soll,
manche bieten ihn sogar schon jetzt als Kassenleistung an. Ulla
Schmidt: „Der Praena-Test darf keinesfalls als Routineuntersuchung
angeboten werden. Er vermittelt den Eindruck, es sei ein perfektes
Kind möglich. Ethisch hoch problematisch gefährdet er die Akzeptanz
von Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit.“ Hinzu komme die nicht
unerhebliche Zahl der falsch-positiven Testergebnisse – „das heißt“,
so die Lebenshilfe-Vorsitzende Deutschlands, „der Test zeigt eine
Behinderung an, obwohl das Kind nicht behindert ist“.

Weitere Informationen zum Programm der Ethik-Tagung finden Sie im
Internet unter:
http://www.imew.de/de/veranstaltungen/imew-veranstaltungen/einzelvera
nstaltungen/07080616-npid/

Zu den Veranstaltern:
www.lebenshilfe.at
www.lebenshilfe.de
www.insieme.ch
www.imew.de

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