• 02.06.2016, 13:50:31
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Lebenshilfe betont vorrangiges Recht auf Bildung in Regelschule

Lebenshilfe kritisiert Forderungen einer Elterninitiative für Sonderschule

Utl.: Lebenshilfe kritisiert Forderungen einer Elterninitiative für
Sonderschule =

Wien (OTS) - Die Lebenshilfe sieht die Forderungen einer
Elterninitiative gegen die Abschaffung der Sonderschule kritisch und
fordert zum wiederholten Male die schnellste Umsetzung und
entsprechende Finanzierung inklusiver Bildungskonzepte in allen
Bereichen der vorschulischen, schulischen und tertiären Bildung.
„Alle Kinder mit Beeinträchtigung, auch solche mit hohem
Unterstützungsbedarf, sollen ein vorrangiges Recht auf Bildung in der
Regelschule haben. Dies hat die erste Option zu sein“, fordert
Lebenshilfe Präsident Univ. Prof. Dr. Germain Weber. „Nicht-inklusive
Bildung behindert selbstbestimmtes Leben, inklusive Lernerfahrung
hingegen verbessert die Bildung aller Kinder. Wenn Kinder in ihrem
Bildungsweg ausgesondert werden, ist der Weg in Sondereinrichtungen
im Erwachsenenleben vorgezeichnet. Wir gehen jedoch von einem
gleichberechtigten Leben in der Gemeinschaft vor Ort aus, und nur
eine inklusive Schule kann darauf gut vorbereiten.“

Angehörigenvertreter der Lebenshilfe sehen Initiative kritisch

Der Vizepräsident der Lebenshilfe Österreich und Vertreter der
Angehörigen, Bernhard Schmid, sieht die Elterninitiative ebenfalls
kritisch: „ Natürlich steht für Eltern immer das Wohl ihrer Kinder an
erster Stelle; es ist ihnen daher nicht vorzuwerfen, dass sie sich
unter den heute gegebenen Umständen für die Erhaltung der
Sonderschule aussprechen. Gerade für Eltern von Kindern mit hohem
Unterstützungsbedarf besteht aber heute gar keine Wahl, vielmehr ist
die Sonderschule ihre einzige Wahl! Durch die parallele Beibehaltung
der Sonderschule werden dringend benötigte sonderpädagogische
Ressourcen der Regelschule vorenthalten. Internationale Erfahrungen
zeigen deutlich: Wo in Sondersysteme investiert wird, bleibt die
Finanzierung eines qualitätsvollen inklusiven Regelschulsystems auf
der Strecke!“

Die Lebenshilfe betont die notwendige und ausreichende Finanzierung
der inklusiven Regelschule. Die inklusionspädagogischen Ressourcen
wie ausgebildetes Personal, AssistentInnen, Lern- und Hilfsmaterial,
Maßnahmen der Barrierefreiheit seien essentiell für einen
qualitätsvollen Unterricht in einer inklusiven Schule. Dabei könne
ein großer Teil des Personals durch Transfer aus den Sonderschulen
bereitgestellt werden. „Schulinklusion darf keine Sparmaßnahme sein,
da ist den Elternvertretern unbedingt zuzustimmen“, erklärt Schmid.

Lebenshilfe für raschen Ausbau der inklusiven Regelschule

Die Lebenshilfe verweist darauf, dass Kinder mit sonderpädagogischem
Förderbedarf heute österreichweit bereits überwiegend in Regelschulen
unterrichtet werden. Auch deren Eltern wollen qualitätsvollen
Unterricht für ihre Kinder! „Viele Eltern fordern den weiteren Ausbau
der Regelschule in Richtung Inklusion. Die Kompetenz der
SonderpädagogInnen und die künftige Kompetenz der inklusiven
Pädagogik werden mehr denn je gebraucht, aber nicht in
Sondersettings. Inklusive Lernansätze nützen allen Kindern und
befruchten die gesamte Schulkultur“, erklärt Weber.

Den Eltern heutiger SonderschülerInnen soll das Recht eingeräumt
werden, dass ihre Kinder ihre Schullaufbahnen dort fertig absolvieren
können, wo sie sich heute gut aufgehoben wissen, meinen die Vertreter
der Lebenshilfe. Gleichzeitig haben aber ab sofort grundlegende
Weichenstellungen im Schulsystem gesetzt zu werden, damit eine
qualitätsvolle inklusive Schule tatsächlich für alle Kinder und
Eltern zur Wahl steht. Dazu zählen schulunabhängige inklusive
Beratungs- und Ressourcenzentren, aber auch temporäre Rückzugsräume,
Nachmittagsbetreuung, therapeutische Angebote auch in Regelschulen
dort, wo sie gebraucht werden.

Lebenshilfe-Präsident Weber beklagt: „Die Forderung nach Baustopp für
neue Sonderschulen, wurde bislang nicht eingehalten: für Neubauten,
Ausbauten und Generalsanierungen von Sonderschulen wurden in den
letzten Jahren viele Millionen Euro ausgegeben, die für den Ausbau
inklusiver Schulen viel dringender benötigt worden wären!“ Als
wichtige Sofortmaßnahme fordert der Lebenshilfe-Präsident einen
Neuaufnahmestopp an Sonderschulen mit entsprechender Übergangsfrist
für die Umwandlung in inklusive Schulen.

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