- 30.05.2016, 08:30:01
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Shisha & Co: Gefährliche Tabakprodukte bei Jugendlichen auf dem Vormarsch
Zum Weltnichtrauchertag appelliert die Österreichische Krebshilfe an alle Verantwortlichen, Kinder und Jugendliche vor dem Einstieg in eine Raucherkarriere zu bewahren
Utl.: Zum Weltnichtrauchertag appelliert die Österreichische
Krebshilfe an alle Verantwortlichen, Kinder und Jugendliche
vor dem Einstieg in eine Raucherkarriere zu bewahren =
Wien (OTS) - Wasserpfeifen (konventionelle Shishas) und E-Zigaretten
(Shisha-to-go) nehmen bei Jugendlichen einen hohen Stellenwert ein.
Lt. einer Umfrage der Österreichischen Krebshilfe Oberösterreich im
Jahr 2014 kennen nicht nur fast alle 12 – 18 Jährigen diese
Tabakprodukte, sondern rauchen sie auch im Schnitt einmal pro Woche
bis wenige Male pro Monat. Die meisten Teens sind sich der
Schädlichkeit der Wasserpfeife jedoch nicht voll bewusst. Sehr viele
unterschiedliche Geschmacksrichtungen (Apfel, Zimt, Erdbeere etc.)
überdecken den herben Tabakgeschmack und reizenden Rauch. Ihr Konsum
ist vor allem bei den Jugendlichen ein soziales Ritual.
„Bei der Shisha wird dem Tabak Melasse, Glycerin und diverse
Zusatzstoffe wie Aromen und Essenzen hinzugefügt. Der Rauch dieses
Tabak-Aromagemischs beinhaltet jede Menge organischer und toxischer
Schadstoffe sowie Verbrennungsrückstände,“ erklärt Dr. Herwig
Schinko, Pneumologe und Vorstandsmitglied der Österreichischen
Krebshilfe Oberösterreich. „Das macht die Shisha noch schädlicher als
eine filterlose Zigarette,“ so Schinko.
Anders verhält es sich bei der E-Zigarette. Die so genannten
„Liquids“ bestehen aus Propylenglykol, Glycerin, Lebensmittelaromen,
Lösungsmitteln und geringem Anteil Wasser ohne und mit Nikotin. „Dass
das Dampfen, die Aerosolisierung der Nikotin-Aroma-Lösungen mit
Aldehydbildung, keine ‚gesunde‘ Alternative zum Tabakrauch darstellen
kann, sagt einem der gesunde Menschenverstand,“ so der Pneumologe.
„Aber viele Jugendliche können die Schädlichkeit der E-Zigaretten
nicht sicher einschätzen.“ Vor allem jene Jugendlichen, die
regelmäßig Zigaretten rauchen, haben schon Erfahrung mit E-Produkten
gemacht.
Rückgang der Jugendlichen RaucherInnen
Trotz dem Vormarsch dieser neuen Tabakprodukte beobachtet die
Österreichische Krebshilfe einen rückläufigen Trend beim
herkömmlichen Zigarettenkonsum bei den 12 – 18 jährigen Jugendlichen.
Das belegt auch eine Befragung der Krebshilfe unter mehr als 3.000
SchülerInnen in Oberösterreich: Rauchten 2005 noch 20 % der 12 – 18
jährigen SchülerInnen regelmäßig, also mindestens 3 Zigaretten
täglich, so waren es 2014 nur mehr 11 %. Diesen Trend bestätigen auch
Beobachtungen in den Nachbarländern „Der Konsum konventioneller
Zigaretten ist in Österreich bei Jugendlichen rückläufig. Unser
langjähriges Bemühen zur Senkung der jugendlichen Raucherrate scheint
Früchte zu tragen,“ freut sich der Präsident der Österreichischen
Krebshilfe, Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits besteht ein klarer
Zusammenhang zum familiären Umfeld, genauer zur Zahl der Raucher im
gemeinsamen Haushalt: Sprösslinge von Nichtraucherfamilien bleiben zu
88 % Nichtraucher, während bei zwei oder mehr Rauchern im Haushalt
der Anteil an jugendlichen Rauchern auf 50 % steigt. Der langfristige
Rückgang der regelmäßig rauchenden Erwachsenen (Eltern) zeigt hier
auch seine Vorbildwirkung.
Daneben bestimmen Bildungsgang und –niveau wesentlich das
Rauchverhalten Jugendlicher: Die Schulkarriere von Hauptschulen über
Polytechnika zu Berufsschulen endet mit 50% regelmäßigen
Zigarettenkonsumenten, während in der Oberstufe nur 20 % der
Gymnasiasten und 25 % der SchülerInnen an Berufsbildenden Höheren
Schulen regelmäßig rauchen. (Quelle: Krebshilfe OÖ,
SchülerInnenbefragung 2005/2008/2012/2014).
Umstieg auf Wasserpfeife & Co?
Ob der beobachtete Rückgang der jugendlichen Raucherkarrieren auf
einen Umstieg auf Wasserpfeife oder E-Zigarette zurückzuführen ist,
erläutert der Pneumologe Schinko so: „Derzeit gibt es bei der
Wasserpfeife und den E-Zigaretten kein Umstiegs-, eher ein
Parallel-Szenario zum traditionellen Zigarettenkonsum. Diese Produkte
werden quasi als „Add on“ und nicht zur regelmäßigen Deckung eines
Nikotinverlangens eingesetzt,“ so Schinko. Der Shishagebrauch von
Nicht-Zigarettenrauchern ist aber als ein alternativer
Nikotineinstieg zu sehen. „Daher ist es wichtig, besonders Kinder und
Jugendliche über die Gefährlichkeit dieser harmlos anmutenden
Nikotinprodukte zu informieren,“ fordert Krebshilfe Präsident
Sevelda. Nikotinfreie E-Zigaretten schleifen über soziale Impulse ein
Verhaltensmuster ein, während nikotinhältige Aromata als „Nico-Pops“
analog den Alko-Pops Abhängigkeiten erzeugen.
Forderungen der Österreichischen Krebshilfe zum
Weltnichtrauchertag 2016
Tabakprodukte, v.a. gerauchte, sind an einer Vielzahl
unterschiedlicher Krebsleiden nicht nur der Atemwege beteiligt. Die
Österreichische Krebshilfe fordert daher seit vielen Jahren eine
Schärfung des Nichtrauch-Bewusstseins sowie einen umfassenden
Nichtraucherschutz ALLER Bürgerinnen und Bürger in Österreich,
insbesondere der Jugend. Viele Länder in Europa und auf der Welt
haben die Bedeutung der Tabakkarenz sowie des Nichtraucherschutzes
bereits erkannt und entsprechende gesetzliche Initiativen und
Kontrollen getroffen. Die Österreichische Krebshilfe unterstützt
daher alle Maßnahmen, die zu einer Erhöhung des Nichtraucheranteils
und Verbesserung des Nichtraucherschutzes führen. In diesem Sinne
begrüßt die Österreichische Krebshilfe das generelle Rauchverbot in
allen Gastronomiebetrieben, Jugendklubs und Diskotheken als einen
darüber hinaus wirksamen gesellschaftlichen Gesundheitsimpuls.
(Kommentar: z.B. Rückgang der Herzinfarktrate/hospitalisationen)
Die Österreichische Krebshilfe appelliert an alle Verantwortlichen,
Kinder und Jugendliche vor dem Einstieg in eine Raucherkarriere bzw.
Nikotinabhängigkeit zu bewahren und vor den Folgen des Tabakkonsums
zu schützen. Um dies zu erreichen, fordert die Krebshilfe:
1. Die gesetzliche Erhöhung der Mindestalters für den Kauf von Tabak-
und Nikotinprodukten nicht nur von Zigaretten auf 18 Jahre (statt
bisher 16 Jahre), zumindest eine effektive Kontrolle nicht nur des
Kauf-, sondern auch jugendlichen Rauchverbotes
2. Die Erhöhung des Preises von Tabak- und Nikotinprodukten,
einschließlich von konventionellen und elektrischen Zigaretten sowie
von Wasserpfeifen und ihren Tabaken
3. Eine Fortsetzung vermehrter Aufklärung und Informationsarbeit an
Schulen neben der konsequenten Umsetzung der Nichtrauchverordnung an
schulischen Einrichtungen. Die Rate an rauchenden Lehrern ist
mustergültig zurückgegangen.
4. Rauchfreie Arbeitsplätze/Lehrstellen für Jugendliche (besorgt sind
wir wegen des hohen Raucheranteils an täglichen Rauchern unter
Berufsschülern, wobei Berufsschulen nicht nur zeitlich eine geringere
Bedeutung haben als die Lehrplätze selbst).
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