• 23.05.2016, 09:45:38
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Enquete Zukunft trotz(t) Herkunft: Chancenindex - Mehr Ressourcen für sozial benachteiligte Schulstandorte

Benachteiligte Schulstandorte besonders gut ausstatten, damit sie keine Schüler zurücklassen & für alle Einkommensschichten attraktiv bleiben

Utl.: Benachteiligte Schulstandorte besonders gut ausstatten, damit
sie keine Schüler zurücklassen & für alle Einkommensschichten
attraktiv bleiben =

Wien (OTS) - Das österreichische Schulsystem ist durch einen
besonders starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und
Bildungserfolg gekennzeichnet. Um die Chancen für alle Kinder zu
erhöhen, diskutieren heute auf der fünften Bildungsenquete „Zukunft
trotz(t) Herkunft“ SchulpraktikerInnen und WissenschafterInnen,
internationale Modelle zur besonderen Unterstützung benachteiligter
Schulstandorte.

"Schulen in sozial benachteiligten Bezirken besonders gut
auszustatten, damit sie keine Schüler zurücklassen und für alle
Einkommensschichten attraktiv bleiben", schlägt die Armutskonferenz
einen „Chancenindex" vor, um Kindern "Zukunft trotz Herkunft" zu
ermöglichen. Mit dieser schulpolitischen Intervention kann zwar die
Spaltung in "gute" und "schlechte" Wohngegenden nicht aufgehoben
werden - die liegt ja in der Einkommens- und Wohnpolitik - aber es
kann in den Schulen einiges verbessert werden", so Martin Schenk,
Sozialexperte und Mitbegründer der Armutskonferenz.

Gute Erfahrungen in Niederlande, Zürich, Hamburg oder Kanada

Die Niederlande, Zürich, Hamburg und auch Kanada haben mit einer
kompensatorischen Mittelzuteilung gute Erfahrung gemacht. Mit einem
solchen Sozialfaktor, der unter anderem Bildungsstand, Beruf und
Einkommen der Eltern umfasst, würde eine Schule um einen bestimmten
Prozentsatz x mehr an Ressourcen bekommen: In Toronto heißt das
„Learning Opportunity Index (LOI)“. Wozu er dient, argumentieren die
Kanadier so: „Die Schulen mit dem höchsten Wert haben die stärksten
Herausforderungen zu bewältigen und brauchen daher die meiste
Unterstützung“. Die Maßzahlen beziehen sich in Toronto auf die
unmittelbare Wohnumgebung der Schüler und der Schule selbst. Die
Modellschulen sind in 8 Cluster gruppiert mit verantwortlichen
Lehrern (lead teachers), Weiterbildung (learning classroom teacher)
und Sozialarbeitern (community support worker). Der LOI wird alle
zwei Jahre berechnet.

In Österreich wird man dabei besonderes Augenmerk auf die
Unterrichtsqualität und Raumstruktur legen müssen. „Wie wir aus dem
hiesigen Schulsystem wissen, bedeutet mehr Geld nicht automatisch,
dass die Schule qualitativ besser wird“, gibt Schenk zu bedenken.
Deswegen muss jeder Standort ein Konzept entwickeln, wie er die
Ressourcen am sinnvollsten einsetzt. Und nach einer Zeit wird
überprüft ob die Maßnahmen helfen. Die Vorteile sind: Schulische
Autonomie und Demokratie wird gefördert und Anreize für engagierte
Pädagogen gesetzt. Das zahlt sich aus für die Kinder: Bessere
Leistungen, mehr Chancen und attraktivere Schulen.

11% der Volksschulen, 17% der Hauptschulen, aber nur 2% der
AHS hohe soziale Benachteiligung

Es ist nicht ein Faktor, der zu schlechten Schulleistungen führt. Es
ist auch nicht ein Faktor, der Kinder aus ökonomisch benachteiligten
Familien geringe Aufstiegschancen beschert. Es ist die Kombination
aus einem Bündel von Kriterien: Eine überbelegte Wohnung fällt
zusammen mit einer Halbtagsschulordnung. Wenig Einkommen trifft auf
ein einkalkuliertes Nachhilfesystem. Keine Unterstützung zu Hause
kommt mit eigener Erschöpfung und Unkonzentriertheit zusammen. Und
schlecht ausgestatteten Schulen vereinen sich mit einem sehr
selektiven Schulsystem. 11% der Volksschulen, 17% der Hauptschulen,
aber nur 2% der AHS weisen eine hohe soziale Benachteiligung auf.
Wenn geschlossene "Ausländerklassen" zum Deutschlernen errichtet
werden, wenn mehrsprachige Begleitlehrer an allen Ecken fehlen, wenn
leistungshomogene Restklassen entstehen, wenn die Klassen überfüllt
sind, wenn die Raumarchitektur flexible Lernformen nicht zulässt
-dann hilft das niemanden. Trotz der im europäischen Vergleich
geringen Kinderarmut schneidet Österreich in der sozialen Mobilität
"nach oben" nur durchschnittlich ab. Schulsysteme in anderen Ländern
schaffen das besser. Die soziale Herkunft entscheidet überaus stark
den weiteren Lebensweg.

Enquete „Zukunft trotz(t) Herkunft. (Gemeinsame Veranstaltung von
Armutskonferenz, Bildunggrenzenlos und Arbeiterkammer):
http://www.ots.at/redirect/Armutskonferenz2

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