- 11.05.2016, 18:13:02
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Saller: Überwindung der digitalen Kluft birgt wirtschaftliche Chancen
Diskussionsveranstaltung des Bundesrats zu den Herausforderungen des Lernens im Alter im Zeitalter der Digitalisierung
Utl.: Diskussionsveranstaltung des Bundesrats zu den
Herausforderungen des Lernens im Alter im Zeitalter der
Digitalisierung =
Wien (PK) - Der Bundesrat setzt seine Diskussionen über den digitalen
Wandel und seine Herausforderungen fort. Im Mittelpunkt der
Diskussionsveranstaltung "Lebenslanges Lernen - Lernen im Alter"
standen heute die Chancen, welche die Digitalisierung im Bereich der
Fort- und Weiterbildung bietet. Gefragt ist ein ganzheitlicher
Begriff des lebenslangen Lernens, ist Bundesratspräsident Josef
Saller überzeugt. Die Vermittlung von Kompetenzen im Alter sei auch
ein wichtiger ökonomischer Faktor. Zur Diskussion mit den
Bundesrätinnen und Bundesräten hatte Saller ExpertInnen der
Erwachsenenfortbildung ins Parlament eingeladen. Die Vorträge und
Diskussionsbeiträge befassten sich neben Konzeptionen und Angeboten
für das Lernen im Alter auch mit den politischen Rahmenbedingungen,
die für die Umsetzung einer Strategie des lebenslangen Lernens
notwendig sind.
Saller: Keine digitale Kluft zulassen
Die Bildung habe mit der Digitalisierung eine neue Infrastruktur
erhalten, stellte Bundesratspräsident Josef Saller in seiner
Eröffnungsrede fest. Die Aufgabe der Politik bestehe nun darin, neben
der Förderung der entsprechenden digitalen Infrastruktur auch
medienpädagogische Angebote für den Umgang mit modernen Medien zu
schaffen. Ziel der Politik müsse es sein, dafür zu sorgen, dass alle
Menschen uneingeschränkt auf die Infrastruktur zugreifen und diese
Ressourcen nutzen können.
Die erste Herausforderung besteht daher für Saller darin, den
"Digital Divide", eine "digitale Kluft" aufgrund von Alter, den
Geschlecht oder sozialer Zugehörigkeit, zu vermeiden und einen
ganzheitlichen Bildungsbegriff zu entwickeln. Das umfasst für Saller
auch die berufliche Weiterbildung und das lebensbegleitende Lernen.
Ein System ganzheitlichen und lebenslangen Lernens brauche neben
einem entsprechenden Angebot an Bildungsinhalten auch Durchlässigkeit
zwischen Institutionen und Organisationen. Ein wichtiges Thema ist
für Saller in diesem Zusammenhang daher die Möglichkeit zur
Wiederaufnahme von abgebrochenen Ausbildungen in jedem Alter.
Umschulungen und Weiterbildung seien sowohl für den Verbleib im
Arbeitsmarkt als auch in Hinblick auf die späten Erwerbsjahre und die
Pension fundamental, unterstrich er. Für den nachberuflichen
Lebensweg sei lebenslanges Lernen besonders wichtig, um den Menschen
eine sinnerfüllte Pensionszeit zu ermöglichen. Die Lösungen zur
Erhaltung einer selbständigen Lebensführung auch im hohen Alter
eröffneten nicht nur einen großen Arbeitsmarkt. Hier entstehe ein
neuer Wirtschaftszweig mit vielen tausenden Arbeitsplätzen, betonte
der Bundesratspräsident. "Diese Chance dürfen wir nicht liegen
lassen", lautete seine Schlussfolgerung.
Zecha: "Strategie zum lebensbegleitenden Lernen" muss neu belebt
werden
Der Leiter der Volkshochschule Tirol Roland Zecha wies auf aktuellen
Zahlen zur Weiterbildungsaktivität nach Altersgruppen in Österreich
hin. Diese nimmt mit zunehmendem Alter nämlich ab und lag im Jahr
2014 bei den 50- bis 59-Jährigen bei 9,7%, bei den über 60-Jährigen
nur mehr bei 3,3%. Zecha erklärt sich diese Kluft mit dem Wegfall der
beruflichen Weiterbildung. Mit Blick auf diese Zahlen ist für Zecha
wichtig, die für 2020 formulierten Ziele der "Strategie zum
lebensbegleitenden Lernen in Österreich" der Bundesregierung
konsequent weiter zu verfolgen.
Politische Handlungsfelder sieht Zecha in der Fortsetzung und
Intensivierung der "Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in
Österreich". Der Prozess müsse neu belebt werden, vielleicht auch mit
einem/einer Koordinator/in für Erwachsenenbildung als Flaggschiff der
Strategie, meinte er. Im Sinne der Qualitätssicherung und Sicherheit
für bereits bestehende Institutionen, die in der Erwachsenenbildung
tätig sind, wünscht sich Zecha die Implementierung eines
Erwachsenenbildungsgesetzes. Auch der Zugang zur Erwachsenenbildung
für sozial schwache Personen ist für ihn ein Thema auf Bundes-,
Länder- und Gemeindeebene. Zecha denkt etwa an vergünstigte
Teilnahmegebühren oder die flächendeckende Sicherung eines
wohnortnahen Bildungsangebots besonders in den ländlichen Regionen.
Hawlicek: Budgeterhöhung für das Lernen im Alter
Lernen, Bildung und Forschung sind zentrale Fragen der Gesellschaft
und Grundlage für Wirtschaftsentwicklung und Wohlstand, stellte die
ehemalige Unterrichtsministerin Hilde Hawlicek am Beginn ihrer Rede
fest. In Österreich gebe es für die Erwachsenenbildung gute
Rahmenbedingungen, wie Hawlicek meinte. Ähnlich wie Zecha setze sie
auf die Umsetzung der "Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in
Österreich". Positiv bewertete Hawlicek dabei den 2012
veröffentlichten "Bundesplan für Seniorinnen und Senioren", die darin
festgemachten Ziele dürften auch hier nicht aus den Augen verloren
werden.
Insgesamt sei es wichtig, Erfahrungen über Bildungsthemen wie das
Lernen im Alter auszutauschen, beispielsweise über Good Practice-
Projekte, und vor allem auch die positiven Wirkungen des lebenslangen
Lernens und dessen Zusammenhänge mit Effekten wie bessere Gesundheit,
höhere Lebenserwartung und Zufriedenheit entsprechend hervorzuheben.
Hawlicek machte ebenfalls darauf aufmerksam, dass lebenslanges Lernen
bzw. Erwachsenenbildung für viele SeniorInnen ein Kostenproblem
darstellt. Die ehemalige Unterrichtsministerin sprach sich daher für
entsprechende Budgetmittel für Bildung im Alter aus.
Wagner: Es ist nie zu spät, Neues zu beginnen
Der Geschäftsführer des CURRIT Instituts für Fortbildung, Bernhard
Erich Wagner, befasste sich mit der Frage, wie es neben dem Erhalt
der körperlichen Fitness auch gelingen könne, die geistige
Leistungsfähigkeit zu erhalten. Sein Grundsatz dafür laute: "Es ist
nie zu spät, Neues zu beginnen". Der Schlüssel dazu ist seiner
Ansicht nach soziale Aktivität und der Mut, sich mit Neuem zu
konfrontieren. Dazu brauche es weniger neue Initiativen oder Kurse,
sondern den Austausch zwischen den Generationen neu zu denken. Dabei
sei auch die Wirtschaft gefordert, um Modelle zu entwickeln, wie etwa
Mentoring-Programme, in denen Erfahrungen weitergegeben werden
können.
Meinhard-Schiebel: Lebensbegleitendes Lernen als Antwort auf
geänderte Lebensrealitäten
Die Wiener Gemeinderätin Birgit Meinhard-Schiebel meinte, sie
bevorzuge den Begriff "lebensbegleitendes Lernen". Heute müsse die
gesamte Gesellschaft lernen, mit veränderten Realitäten und
permanenten Veränderungen zurechtzukommen. Als eine dieser neuen
Realitäten, mit denen wir umgehen müssen, sieht Meinhard-Schiebel die
um vieles verlängerte Lebenserwartung. Daraus ergeben
Herausforderungen, für deren Bewältigung klassische
Bildungsvorstellungen oft nicht mehr ausreichen. Vielmehr müssten
neue Begriffe von Kompetenzen entwickelt werden, etwa
Gesundheitskompetenz. Die Frage müsse lauten, was realistische
Vorstellungen seien, um Lebensqualität im Alter zu erhalten. Anlass
zu Optimismus geben bereits viele Initiativen, in denen neuartige
Zugänge zum Lernen entwickelt werden. Für diese Projekte brauche es
aber auch politischen Rückhalt. (Schluss) keg/sox
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
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