- 08.05.2016, 10:59:03
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Bundeskanzler Faymann zum 8. Mai: Gedenken heißt, die Dinge beim Namen zu nennen
Staatsakt zum Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an die Beendigung des Zweiten Weltkriegs
Utl.: Staatsakt zum Gedenken an die Befreiung vom
Nationalsozialismus und an die Beendigung des Zweiten
Weltkriegs =
Wien (OTS) - "Gedenken heißt, die Dinge beim Namen zu nennen.
Gedenken heißt, auszusprechen, was Europa und die Welt in die
furchtbarste Krise seiner Geschichte gestürzt hat – in den Zweiten
Weltkrieg mit 65 Millionen Toten weltweit und in den Holocaust mit
sechs Millionen ermordeten Menschen", sagte Bundeskanzler Werner
Faymann heute, Sonntag, anlässlich des Staatsaktes durch die
Bundesregierung zum Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus
und an die Beendigung des Zweiten Weltkriegs im Bundeskanzleramt.
"Wir müssen aber auch sagen, dass es viele Österreicherinnen und
Österreicher gegeben hat, die sich gegen den Faschismus gestellt
haben und ein unvorstellbares Beispiel an Zivilcourage gaben.
Zehntausende Menschen sind in den Widerstand gegangen und Tausende
haben dabei ihr Leben verloren. Der 8. Mai ist also auch ein Tag, wo
wir uns an den Mut zum aufrechten Gang erinnern sollten. Es ist ein
Tag des 'Niemals vergessen' und ein Tag des 'Nie wieder'", so
Faymann.
"Frieden und gesellschaftlicher Frieden sind kein stabiler
Dauerzustand, den man ohnedies kaum aus dem Gleichgewicht bringen
kann. Das Gegenteil ist der Fall, oftmals zeigt uns das auch die
Gegenwart. Die Geschichte lehrt uns, dass es lange dauert, um
Demokratie und Wohlstand aufzubauen – und dass es oft nur ein paar
Federstriche, Akte des Unrechts und der gezielten Gewalt braucht, um
beides zu zerstören", sagte der Bundeskanzler.
"Ein ganz besonderer Zeitzeuge, der sein Leben der Erinnerung, der
Warnung und der Aufklärung über die schlummernden Gefahren gewidmet
hat, ist heute hier unser Festredner: Rudolf Gelbard. Er zählt zu
jenen wenigen, die das KZ Theresienstadt überlebt haben. Er hat dann
das gemacht, was uns als Vorbild dient: Nicht den Mantel des
Schweigens, des Vergessens über das Erlebte geworfen, sondern er hat
sich in den Dienst der Sache gestellt und in unzähligen
Veranstaltungen diese Erinnerung und das Gedenken gelebt: Nie wieder
Vertreibung, nie wieder Verfolgung, nie wieder millionenfacher Mord",
so Faymann. Und weiter: "Die Demokratie lebt durchaus von
gegensätzlichen Diskussionen, vom Ringen nach der besten Lösung -
aber immer mit Respekt. Ohne Hass, ohne Antisemitismus, ohne
Rassismus. Denn das sind die Feinde einer demokratischen Entwicklung.
Der richtige Weg ist jener der Rechtsstaatlichkeit, der Solidarität,
der Demokratie", sagte der Kanzler abschließend.
Rudolf Gelbard, Zeitzeuge und ehemaliger Häftling im
Konzentrationslager Theresienstadt, hielt das Festreferat, in dem er
von den schrecklichen Erlebnissen nach seiner Verschleppung in das KZ
berichtete.
Für die musikalische Umrahmung des Staatsaktes sorgte das
Streichquartett der Wiener Symphoniker.
Bilder von dieser Veranstaltung sind über das Fotoservice des
Bundespressedienstes, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at,
kostenfrei abrufbar.
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