- 03.05.2016, 09:11:59
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NEUSTART SCHULE „Bildungsarena: Integration“ zeigt Hebel für gelingende Integration auf
Wien (OTS) - Am gestrigen Montag diskutierten im Haus der Musik rund
100 Gäste die bildungspolitischen Handlungsfelder in Zeiten der
Einwanderungsgesellschaft – darunter Vertreterinnen und Vertreter
der Wissenschaft, Politik, aus der pädagogischen Praxis sowie
Unterstützerinnen und Unterstützer der Initiative NEUSTART SCHULE.
Dabei wurde auf die Dringlichkeit einer umfassenden Bildungsreform
deutlich hingewiesen.
Fakt ist: die Bildungslaufbahn eines Kindes wird maßgeblich von
seinem Elternhaus geprägt. In besonderem Maße sind davon Personen mit
Migrationshintergrund betroffen – sie finden sich besonders häufig in
den niedrigsten Bildungsschichten wieder. „Wenn es das Bildungssystem
nicht schafft, Chancengerechtigkeit herzustellen, werden die
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgeprobleme weiter wachsen.
Auch die aktuelle Fluchtbewegung erhöht den bildungspolitischen
Handlungsdruck. Es braucht strategischen Weitblick und viel Energie,
die Umsetzung der Bildungsreform mutig voranzutreiben“, so NEUSTART
SCHULE-Initiator Christian Friesl in Richtung der politisch
Verantwortlichen.
Im Schulzentrum HTL HAK Ungargasse hat mehr als die Hälfte der
Schülerinnen und Schüler nichtdeutsche Muttersprache. Integration ist
hier gelebte Grundhaltung. In laufenden Fortbildungen werden wichtige
sozialpädagogische Fähigkeiten vermittelt. Der Umgang mit Vielfalt,
Konfliktlösung und Mehrsprachigkeit sind einige wichtige Fähigkeiten
von Lehrkräften. Diese müssen in der pädagogischen Ausbildung jedoch
stärker verankert werden. „Aber damit alleine ist es nicht getan,
denn es braucht mehr Unterstützung der Pädagoginnen und Pädagogen
damit sich diese auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.
Sozialarbeiter, Sprachförderkräfte und andere Professonialisten
müssen an Schulen dringend aufgestockt werden“, berichtet Direktorin
Martina Mikovits aus der Praxis. Auch die NEUSTART SCHULE-Community
mit über 22.000 Unterstützerinnen und Unterstützern ortet hier den
größten Handlungsbedarf, wie eine Umfrage im Vorfeld der
Veranstaltung deutlich zeigte.
„Bildung ist DER Schlüssel für Wohlstand, Partizipation am
gesellschaftlichen Leben und sozialen Zusammenhalt und damit für eine
gelingende Integration“, sind sich die Podiumsdiskutanten einig.
„Menschen, die sich der Gesellschaft nicht zugehörig fühlen, können
sich radikalen Gruppierungen anschließen, die mit Versprechungen wie
Status, Zugehörigkeit und Geld locken. Davor haben aktuell viele
Angst. Deshalb muss Inklusion inhärenter Bestandteil jeder
Bildungsreform sein“, so Soziologe Kenan Güngör. Bei Inklusion spielt
der Spracherwerb eine Schlüsselrolle. „Die sprachlichen Defizite sind
ein wesentlicher Grund, warum weniger Jugendliche aus zugewanderten
Familien höhere Bildungsabschlüsse erreichen und dementsprechende
Perspektiven entwickeln. Es braucht deshalb ein frühzeitiges und
durchgängiges Sprachbildungskonzept, das es nicht dem Zufall oder
Einzelinitiativen überlässt, ob ein Kind gefördert wird“, weiß
Bildungs- und Migrationswissenschaftlerin Barbara
Herzog-Punzenberger. Gerade in Wien sind die Herausforderungen
diesbezüglich am größten – beinahe die Hälfte aller Schülerinnen und
Schüler und fast 60 Prozent aller Kindergartenkinder haben eine
andere Umgangssprache als Deutsch.
Nichtsdestrotz glauben laut Umfrage zwei Drittel der NEUSTART
SCHULE-Community, dass Österreich von der Zuwanderung langfristig
profitieren wird, vorausgesetzt es werden jetzt die richtigen
Integrationsmaßnahmen im Bildungssystem gesetzt. Aus Sicht der Wiener
Bildungspolitik bedeutet dies vor allem „das Bekenntnis zum Ausbau
der verschränkten ganztägigen Schulform, dafür braucht es auch die
nötigen Mittel“, so Heinz Vettermann, Bildungssprecher der Wiener
SPÖ. „Die Regierung hat sich vorgenommen, bis Juni die wesentlichen
Pakete der Bildungsreform abzuschließen. Bis jetzt haben wir mit dem
Schulrechtspaket erst kleine Schritte vorwärts gesehen. Für NEUSTART
SCHULE braucht es auch bei den anderen Reformpaketen – vor allem bei
Elementarbildung und Schulautonomie – herzeigbare Ergebnisse. Das
hilft uns auch in der Integrationsfrage“, so Christian Friesl
abschließend.
Am Podium:
Christian FRIESL – Initiator Neustart Schule
Kenan GÜNGÖR – Soziologe
Barbara HERZOG-PUNZENBERGER – Bildungswissenschaftlerin und
Migrationsforscherin
Martina MIKOVITS – Direktorin des Schulzentrums HTL HAK Ungargasse
Heinz VETTERMANN – Landtagsabgeordneter und Bildungssprecher der
Wiener SPÖ
Moderation: Manuela Raidl (PULS4)
Über „Neustart Schule“
„Neustart Schule“ ist eine Initiative der Industriellenvereinigung
und ihrer Partner, die Bewegung in die österreichische
Bildungspolitik bringt. Sie thematisiert die Zukunft von Bildung in
Österreich und wird bisher von über 22.000 Personen unterstützt. Ziel
von Neustart Schule ist es, mit der Unterstützung von Partnern,
Expertinnen und Experten sowie der Bevölkerung auf die Notwendigkeit
einer Bildungsreform aufmerksam zu machen und die Politik dafür zu
gewinnen. Weitere Informationen unter www.neustart-schule.at und auf
Facebook unter www.facebook.com/neustartschule.
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