• 27.04.2016, 11:47:31
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Spitalsärzte: Wachsende Arbeitsverdichtung – steigender Zeitdruck

Wien (OTS) - Zunehmende Arbeitsverdichtung und zu wenig Personal sind
für Österreichs Ärzteschaft noch immer ein Problem. Entwicklungen im
Gesundheitswesen wie steigender Zeitdruck oder Dokumentation werden
als Belastung empfunden. Junge Ärztinnen und Ärzte können sich kaum
noch vorstellen, ihre gesamte berufliche Laufbahn im Krankenhaus zu
verbringen. Das sind nur einige Ergebnisse einer Studie, die das
Institut für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der
Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)
durchgeführt hat. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde die Studie am
Mittwoch präsentiert.

Verkürzte Arbeitszeit macht sich bemerkbar

„Die Verkürzung der Arbeitszeit macht sich deutlich bemerkbar, manche
Probleme haben sich jedoch in andere Bereiche verlagert. So haben wir
nach wie vor zu wenig Personal, was bei der verkürzten Arbeitszeit zu
einer Arbeitsverdichtung führt“, umriss ÖÄK-Vizepräsident und
Bundeskurienobmann Harald Mayer die wichtigsten Ergebnisse der
Studie. So sei die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 59
Stunden im Jahr 2006 auf nunmehr 48 Stunden gesunken. Auch die
höchste Stundenanzahl in einer Arbeitswoche habe sich seit Umsetzung
des novellierten Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes (KA-AZG)
deutlich verringert: „Im Jahr 2006 gaben die befragten Ärztinnen und
Ärzte noch an, bis zu 75 Stunden in einer Arbeitswoche gearbeitet zu
haben. Jetzt liegen wir bei 62 Stunden“, führte Mayer aus. Dennoch
sähen die befragten Ärztinnen und Ärzte bei der Arbeitszeit weiteren
Verbesserungsbedarf. Mayer: „Im Schnitt liegt die Wunscharbeitszeit
bei 41 Stunden. Speziell jüngere Kolleginnen und Kollegen wünschen
sich eine nochmals verkürzte Arbeitszeit, um die Work-Life-Balance
weiter verbessern zu können.“ Gleichzeitig werde die Beschränkung der
maximal zulässigen Dienstzeit auf 25 Stunden von 83 Prozent der
Befragten ausdrücklich begrüßt, so Mayer weiter. Die
Opt-Out-Regelung, die es erlaube, mehr als 48 Stunden pro Woche zu
arbeiten, werde nur von 33 Prozent der Befragten in Anspruch
genommen.

Positiv: „Die Verkürzung der Arbeitszeit und die damit verbundenen
Gehaltsverhandlungen haben ein entsprechendes Ergebnis in der Umfrage
erbracht. 60 Prozent erklären, dass sie keinen Einkommensverlust in
Kauf nehmen mussten, und anders als bei der letzten Umfrage vor drei
Jahren sagen nun 57 Prozent, dass sie mit ihrem Einkommen zufrieden
bis sehr zufrieden sind. 2013 lag dieser Wert noch bei 44 Prozent“,
führte Mayer aus. Hier gebe es ebenfalls noch Luft nach oben, man sei
aber eindeutig auf dem richtigen Weg, so der Kurienobmann.

Dennoch sei nicht alles Gold, was glänze. „Manche Probleme begleiten
uns nach wie vor. So wird noch immer mehr als ein Drittel der
Arbeitszeit ausschließlich für Administration aufgewendet. Hier
besteht noch reichlich Handlungsbedarf.

Personalknappheit und Dokumentationsaufwand

Nach wie vor würden die Entwicklungen im Gesundheitswesen negativ
beurteilt, ergänzte IFES-Studienleiter Georg Michenthaler. „Knapp 90
Prozent der Befragten gaben an, Personalknappheit in ihrem
Krankenhaus als wesentliches Manko wahrgenommen zu haben. Etwas mehr
als 80 Prozent gaben den Dokumentationsaufwand an, 85 Prozent den
steigenden Zeitdruck. Interessant ist, dass das Ansteigen der
Patientenaufnahmen nur noch von 68 Prozent der Befragten als Problem
wahrgenommen wird; bei der letzten Befragung im Jahr 2013 waren es
noch 74 Prozent“, führte Michenthaler aus. Der Personalmangel werde
von 77 Prozent als gravierendes Problem betrachtet, der
Dokumentationsaufwand stellt für rund zwei Drittel der Befragten ein
gravierendes Problem dar. Michenthaler: „Auch hier sind die Zahlen im
Vergleich zur letzten Befragung nahezu unverändert. Das bedeutet
auch, dass es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.“

Erstmals abgefragt wurde außerdem das Ansteigen der Ambulanzfälle. 77
Prozent der Befragten hätten diese Entwicklung wahrgenommen, für 62
Prozent stelle sie ein gravierendes Problem dar, so Michenthaler.

Daten und Fakten

- Das Institut für empirische Sozialforschung hat im Auftrag der
Bundeskurie Angestellte Ärzte 1.773 Spitalsärztinnen und –ärzte
befragt; die Befragung erfolgte telefonisch von März bis April 2016.

- Die Verweiblichung setzt sich weiter fort: Bei den jungen Ärzten
sind bereits 61 Prozent Frauen. Bei den Ärzten in Ausbildung zum
Allgemeinmediziner sind es 73 Prozent, bei den angehenden Fachärzten
60 Prozent.

- Nur 58 Prozent der ärztlichen Arbeitszeit werden für ärztliche
Tätigkeit aufgewendet, 35 Prozent für Administration und acht Prozent
für Forschung und Lehre.

- Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit im letzten Halbjahr
ist von 54 Stunden (2013) auf 48 Stunden gesunken.

- Die höchste Stundenanzahl in einer Arbeitswoche ist ebenfalls
gesunken und liegt nunmehr bei 62 Stunden (2013: 68 Stunden).

- Die österreichischen Spitalsärztinnen und –ärzte wünschen eine
weitere Verkürzung der Arbeitszeit auf im Schnitt 41 Stunden.

- Die Beschränkung der maximal zulässigen Dienstdauer auf 25 Stunden
wird von 83 Prozent begrüßt.

- Die Opt-Out-Regelung nehmen 33 Prozent der Befragten in Anspruch.

- 89 Prozent registrieren in ihrem Krankenhaus Personalknappheit,
wobei 77 Prozent darin ein „gravierendes Problem“ sehen.

(slv)

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