30 Jahre nach Tschernobyl: Ärztekammer warnt vor atomarem Super-GAU

Gefahr durch Terrorattacken größer denn je – Folgen für Millionenmetropolen „unabschätzbar“

Wien (OTS) - Anlässlich der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, die vor exakt 30 Jahren am 26. April 1986 stattgefunden hat, warnt die Ärztekammer erneut vor der Gefahr einer nuklearen Katastrophe und fordert den sofortigen Ausstieg aus der Kernkrafttechnologie. ****

Während aufgrund der jahrzehntelangen Latenzzeiten nach wie vor über die Langzeitfolgen kontroversiell diskutiert wird, beträgt die unbewohnbare Sperrzone rund um Tschernobyl mittlerweile bereits 4300 Quadratkilometer. Hunderttausende Menschen mussten umgesiedelt werden. Die Wolken mit dem radioaktiven Fallout haben sich damals über weite Teile Europas und der nördlichen Hemisphäre verteilt, nach wie vor sind landwirtschaftliche Flächen und Waldgebiete radioaktiv belastet.

„Unabschätzbar“ sind laut Piero Lercher, Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, die gesundheitlichen, ökologischen und sozioökonomischen Folgen, sollte sich eine Katastrophe dieser Art im Umfeld einer Millionenmetropole ereignen. Konkret spricht Lercher hier die technisch veralteten Kraftwerke in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien, teilweise keine 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, an.

Gerade in jüngster Zeit habe sich das wahre Ausmaß der Bedrohung gezeigt. „Es ist mittlerweile gesichert, dass die perfiden Attentatspläne von Brüssel auch einen Anschlag auf belgische Kernkraftwerke beinhaltet haben“, warnt Lercher.

Verhindert wurde dieser atomare Super-GAU nur durch glückliche Zufälle. Ebenso hat die erst kürzlich stattgefundene, schwere Erdbebenserie in Japan erneut aufgezeigt, dass man auch im vermeintlich sicheren und technologisch hochstehenden Japan die Reaktivierung der Kernkraftwerke überdenken muss. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima vom 11. März 2011 war erdbebenbedingt ausgelöst worden.

Lercher: „Die Gefahr einer nuklearen Katastrophe ist so hoch wie nie zuvor.“ Dass die Atomenergie als geeignete, klimaschützende Alternative angepriesen werde, sei mittlerweile obsolet. Denn nach wie vor sei die Frage der atomaren Endlagerung weltweit ungelöst, es gebe keine Versicherungen für Kernkraftwerksbetreiber und keine verbindliche Rechtssicherheit in Haftungsfragen bei Katastrophenfällen für die Betroffenen.

Die Ärztekammer fordert daher den sofortigen Ausstieg aus der Kernkrafttechnologie. Hinsichtlich der Energiegewinnung sei ein Umstieg auf umweltfreundliche, nachhaltige Energieformen empfehlenswert, und es müsse offen angesprochen werden, dass auch von politischer und gesellschaftlicher Seite das Energiesparen forciert werde, so Lercher. (hpp)

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