- 24.04.2016, 20:54:09
- /
- OTS0054 OTW0054
Neues Volksblatt: "Blaue Schlange" (von Markus Ebert)
Ausgabe vom 25. April 2016
Utl.: Ausgabe vom 25. April 2016 =
Linz (OTS) - Der Wähler hat immer recht — auch wenn er irrt. Andreas
Khol und Rudolf Hundstorfer bekamen ihre Stimmen vermutlich von
Menschen, die tatsächlich ein Wörtchen dabei mitreden wollten, wer
nächster Bundespräsident werden soll, auch auf Alexander Van der
Bellen dürfte das zutreffen. Bei Irmgard Griss und erst Recht bei
Norbert Hofer liegt die Sache anders: Sie wurden gewählt, weil viele
Menschen mit der seit Jahrzehnten von SPÖ und ÖVP bestimmten
Regierungspolitik unzufrieden sind. Griss machte freilich mit der
Karte der Partei-Unabhängigkeit nicht den entscheidenden Stich, Hofer
hingegen zückte erfolgreich die „Österreich-zuerst-Karte“. Dass eine
Bundespräsidentenwahl dafür das falsche Ventil ist, ändert nichts
daran, dass mehr Wähler als je zuvor ein solches Ventil gesucht
haben. Umso spannender wird die Stichwahl: Haben nun alle so viel
Dampf abgelassen, dass sie die einmal gezückte blaue Karte wieder in
den Talon legen oder wird die Hofburg zum Symbol des bisher größten
Wahltriumpfes der FPÖ? Ironie der Geschichte ist, dass SPÖ und ÖVP
zuletzt beim heikelsten Thema — der Flüchtlingskrise — alles richtig
gemacht haben. Womit sich die Frage stellt: Ist die Koalition willens
und auch fähig, weiterhin auf gute Politik zu setzen und damit die
verbleibende Zeit bis zur Nationalratswahl zu nutzen? Oder lähmt die
Angst vor der blauen Schlange jegliche Aktivität?
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NVB






