- 18.04.2016, 13:23:37
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Nach wie vor große Lücken bei der Kinderbetreuung - AK-Präsident Kalliauer: "Betreuungsquoten wenig aussagekräftig"
Linz (OTS) - Die heute präsentierten Fortschritte bei der
institutionellen Kinderbetreuung in Oberösterreich können nicht
darüber hinwegtäuschen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
nach wie vor schwierig ist. „Der leichte Anstieg bei den
Betreuungsquoten sagt wenig bis gar nichts darüber aus, ob die Eltern
problemlos einer Berufstätigkeit nachgehen können“, sagt AK-Präsident
Dr. Johann Kalliauer. Bei der AK häufen sich die Anrufe unzufriedener
Eltern. Betreuungsplätze, die dem Vereinbarkeitsindikator für Beruf
und Familie (VIF) entsprechen, sind nach wie vor Mangelware.
VIF-konform bedeutet, die Betreuung erfüllt folgende Kriterien:
Mittagessen an fünf Tagen die Woche, wöchentliche Öffnungszeit
mindestens 45 Stunden (Montag bis Freitag), an vier Tagen
Öffnungszeiten von mindestens 9,5 Stunden, maximale jährliche
Schließzeit fünf Wochen. VIF-konforme Betreuungsplätze gibt es nur
für 3,6 Prozent der Unter-Dreijährigen. Damit liegt Oberösterreich
nicht nur um 10,1 Prozentpunkte unter dem Bundesschnitt, sondern
rangiert auch im Bundesländer-Vergleich mit deutlichem Abstand an
letzter Stelle. Ähnlich ist die Situation bei den Drei-bis
Sechsjährigen. Nur ein Fünftel (20,3 Prozent) dieser Gruppe besucht
eine VIF-konforme institutionelle Kinderbetreuungseinrichtung. Auch
hier liegt Oberösterreich deutlich unter dem Bundesschnitt von 38,7
Prozent. (Quelle: Kindertagesheimstatistik 2014/15).
„Schön, dass die Betreuungsquote bei den Unter-Dreijährigen von 13,6
auf 14,7 Prozent gestiegen ist, vom Barcelona-Ziel der Europäischen
Union sind wir damit aber noch Lichtjahre entfernt“, sagt Kalliauer.
Mit den 2002 in der gesamten Europäischen Union festgelegten
sogenannten Barcelona-Zielen sollte erreicht werden, dass bis 2010
Betreuungsplätze für mindestens 33 Prozent der Unter-Dreijährigen zur
Verfügung stehen.
Auch die Schließzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen sind mit
rund 28 Tagen immer noch viel zu lang. Berufstätige Eltern haben in
der Regel nur 25 Tage Urlaub. Oft können Mütter und Väter ihren
Urlaub nicht einmal gemeinsam verbringen, weil es sich einfach nicht
ausgeht. Immer mehr unzufriedene Eltern rufen bei der Arbeiterkammer
an, weil die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eher schwerer wird
als leichter. Von den Eltern wird in der Arbeitswelt immer mehr
Flexibilität verlangt, die Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen
halten da nicht mit.
„Es ist erfreulich, dass das Land in den Ausbau der
Kinderbetreuungseinrichtungen investiert und dass die Gruppen kleiner
werden, es muss aber auch in den Ausbau der Öffnungszeiten investiert
werden“, fordert AK-Präsident Kalliauer.
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