- 18.04.2016, 10:44:42
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Schwerpunktumfrage: Wie laizistisch ist mein/e BP-KandidatIn?
Wien (OTS) - Sechs Fragen zum Verhältnis Staat/Religion richtete die
„Initiative Religion ist Privatsache“ an die Kandidaten zur
Bundespräsidentschaftswahl 2016. Die nun vorliegenden Antworten von
Dr. Irmgard Griss, Rudolf Hundstorfer und Dr. Andreas Khol sollen nun
Wählerinnen und Wählern veranschaulichen, welche Stellung die
Kandidaten zu Fragen beziehen, die das Verhältnis Staat/Religion
betreffen. Die Fragen thematisierten die grundsätzliche Einstellung
zur Trennung von Staat und Religion, Sterbehilfe, religiösen Symbolen
in Schulen, den Ethikunterricht, das König-Abdullah-Zentrum sowie die
rechtliche Behandlung gleichgeschlechtlicher Paare.
Auffällig ist, dass alle Kandidaten sich zwar grundsätzlich zur
Trennung von Staat und Religion bekennen, in den Detailfragen jedoch
oft unklare Formulierungen verwenden oder gar für eine pro-religiöse
Haltung der Republik plädieren. Andreas Khol würde gar einen
Gottesbezug in der Österreichischen Verfassung befürworten.
Besonders konservativ zeigen sich die Kandidaten beim Thema
Sterbehilfe: strikt „gegen eine Legalisierung der aktiven
Sterbehilfe“ spricht sich Irmgard Griss aus während Andreas Khol, der
eine Schlüsselrolle beim jüngsten Versuch, ein Sterbehilfeverbot in
die Österreichische Verfassung zu schreiben, gespielt hat, sich
lediglich zu einer „bestmöglichen Sterbebegleitung und
Palliativmedizin“ bekennt. Änderungsbedarf in den derzeitigen
gesetzlichen Sterbehilfe-Bestimmungen ortet Khol nun aber keinen
mehr. Eine explizite Stellung zur Sterbehilfe bezieht Rudolf
Hundstorfer zwar nicht, für ihn müssen „diese emotional schwierigen
Themen in gesellschaftlichen Debatten offen diskutiert werden“. Beim
König-Abdullah-Zentrum setzen Griss und Khol grundsätzlich auf Dialog
und lassen keine Zweifel an der Beteiligung Österreichs an der
umstrittenen Organisation erkennen. Lediglich für Hundstorfer müsse
„der Einsatz für Menschenrechte und Demokratie an oberster Stelle
stehen“ und „wenn das nicht passiert, muss dies thematisiert werden“.
Ebenfalls ausweichend ist Hundstorfers Position zur Frage der Schul-
und Kindergartenkreuze während die anderen Kandidaten, mit Verweis
auf „unsere christliche Tradition“ (Griss) bzw. auf die Europäische
„christlich-jüdische Tradition“ (Khol), den Beibehalt der religiösen
Symbole befürworten.
Sehr unterschiedliche Positionen vertreten die Kandidaten hingegen
bei den letzten zwei Fragen: während Rudolf Hundstorfer sich
unmissverständlich für die flächendeckende Einführung eines
„Ethikunterrichts als verpflichtendes Schulfach an allen Schulen“
ausspricht und Irmgard Griss einen „allgemeinen Ethik-Unterricht“
befürwortet, liefern für Andreas Khol Ethik und Religion, als
gleichrangige Faktoren, lediglich ein „Spannungsfeld“, in dem sich
eine „interessante Debatte zu Für und Wider“ entwickeln könnte.
Unmissverständlich gegen eine rechtliche Ungleichbehandlung aufgrund
der sexuellen Orientierung sprechen sich wiederum Griss und
Hundstorfer aus während für Khol die Ehe „juristisch gesehen“ etwas
ist, „das nach der Menschenrechtskonvention als eine Rechtsbeziehung
zwischen Mann und Frau verankert ist“.
Zusammengefasst veranschaulicht die Umfrage, dass keiner der
Kandidaten eine klare laizistische Position vertritt; für eine
Trennung von Staat und Religion spricht sich jedoch am ehesten Rudolf
Hundstorfer aus. Andreas Khol besetzt hingegen das entgegengesetzte
Ende der Skala mit eher pro-religiösen Positionen. Irmgard Griss
bewegt sich – mit auffälligen Schwankungen – im Mittelfeld.
Bis zum Redaktionsschluss lagen der „Initiative Religion ist
Privatsache“ keine Antworten seitens Alexander Van der Bellen,
Norbert Hofer und Richard Lugner vor.
Zu den Antworten der Kandidaten im Wortlaut:
http://www.religion-ist-privatsache.at/webandco/downloads/BP_Wahlen_Beantwortung.pdf
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