Gemeinnützige übergeben 1.000.000ste Wohnung

5-Punkte-Maßnahmenpaket für leistbares Wohnen soll Erfolgskurs prolongieren

Wien (OTS) - Heute wurde die 1.000.000ste gemeinnützige Wohnung in Radfeld (Bezirk Kufstein) an die Bewohner übergeben. Die Wohnanlage wurde von der Neue Heimat Tirol errichtet. Mit der Fertigstellung haben die 186 gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) Wohnraum für 2.000.000 Österreicherinnen und Österreicher geschaffen. Die 1.000.000ste Wohnung (Gesamtbauleistung seit ca. 1900 plus im Jahr 2016 bislang übergebene Wohnungen) stellt einen historischen Meilenstein nicht nur für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft, sondern für Wohnungspolitik insgesamt dar, erklärte Karl Wurm, Obmann des Österreichischen Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigung, anlässlich der feierlichen Wohnungsübergabe. „Jeder fünfte Einwohner unseres Landes wohnt damit unter gemeinnützigem Dach und profitiert von qualitätsvollen und preisgünstigen Wohnungen“.

Die prämierte Anlage umfasst 23 Wohnungen in zwei Häusern und repräsentiert in vielerlei Hinsicht die Bautätigkeit der Gemeinnützigen. Sie bietet hohe energetische und bautechnische Standards, qualitätsvolle Architektur und das zu erschwinglichen Mietkonditionen. “In Radfeld haben wir – einmal mehr – unseren gesetzlichen Auftrag erfüllt, langfristig effiziente Gebäude für unsere Kunden zu schaffen, die auch in Zukunft leistbar sind”, resümiert NHT-Geschäftsführer Klaus Lugger mit Freude.

Günstiger Wohnen bei den GBV

Mit durchschnittlich 6,6 Euro/m2/Monat liegt die Miete (inkl. BK und USt.) von Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) um rd. 20% unter dem Niveau von privaten/gewerblichen Vermietern (8,1 Euro/m2/Monat). Stark wirksam wird dabei ein GBV-Spezifikum: Nach Rückzahlung aller Kredite durch die GBV kann die Miete nicht - wie bei gewerblichen Vermietern - angehoben werden, sondern bleibt gleich bzw. muss auf die gesetzlich festgelegte „Grundmiete“ von 1,75 Euro/m2/Monat zuzüglich eines Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrages abgesenkt werden. Der entschuldete Wohnungsbestand der GBV weist damit konkurrenzlos niedrige Mieten auf.

Die gemeinnützigen Mieten sind nicht nur billiger, sie sind in den letzten Jahren auch deutlich gedämpfter angestiegen. Private Hauptmieten erhöhten sich zwischen 2008 und 2014 um 28%, bei den Gemeinnützigen nur um 17%, also nur wenig über der Inflationsrate. Der Anstieg der GBV-Mieten war damit auch geringer als bei den Gemeindewohnungen.

Big Player

Mit durchschnittlich jährlich rd. 15.000 fertiggestellten Wohnungen erbringen die Gemeinnützigen insgesamt ein Drittel der gesamten Neubauleistung (GBV, gewerbliche/private Bauträger, Privatpersonen etc.), im Mehr-geschoßwohnbau steigt dieser Anteil auf über 50%.

Mit ihrer stabilen Bautätigkeit haben sich die Gemeinnützigen in der 2. Republik zu einem zentralen Faktor des Wohnungswesens entwickelt. Sie starteten 1945 mit rd. 45.000 Wohnungen, einem Anteil von 5% am gesamten Wohnungsbestand, und konnten diesen seither auf rd. 21% ausbauen. Noch deutlicher fällt der Zuwachs bei den – am stärksten nachgefragten - Geschoßwohnungen aus. Dort haben die Gemeinnützigen ihren Anteil von 8% auf fast 40% gesteigert.

Durch ihr starkes Gewicht am Mietsektor und den deutlich unter Marktniveau liegenden Mieten tragen die GBV überdies zu einer merklichen Dämpfung der Mieten am gesamten Wohnungsmarkt bei.

Wirtschaftsfaktor

Durch die vergleichsweise günstigeren Mieten ersparen sich die Bewohner jährlich rd. 1 Mrd. Euro, die sie zusätzlich zahlen müssten, wenn sie bei privaten oder gewerblichen Vermietern wohnen. Ein Vorteil, der die Kaufkraft erhöht und zur Wirtschaftsbelebung beiträgt.

Insgesamt schaffen bzw. sichern die Gemeinnützigen mit ihren Neubau-und Sanierungsinvestitionen von jährlich insgesamt 3,8 Mrd. Euro rd. 43.000 Arbeitsplätze im Bau-und Baunebengewerbe.

Langfriste Bestandspflege

Die Gemeinnützigen „verabschieden“ sich nicht nach Fertigstellung ihrer Bauten, sondern pflegen und betreuen sie ein „Wohnleben“ lang. Sie halten ihre Häuser gut in Schuss – das kommt den Bewohner zugute. Das zeigt sich u.a. in der vorbildlichen Sanierungstätigkeit. Die Sanierungsrate ist bei den GBV mit 6% des vor 1980 errichteten GBV-Mietwohnungsbestandes (inkl. Eigentumssektor 5%) deutlich höher als im gewerblichen Immobiliensektor mit 2%.

Durch kontinuierliches Sanieren – insbesondere im energetischen Bereich - ersparen sich die Mieter jährlich rd. 250 Euro pro Jahr. Die GBV tragen überproportional zur CO2-Reduktion im Wohnbau bei. Ihre Wohnungen nehmen nur 12% der gesamten Wohnfläche ein, sind aber für 30% der Treibhausgas-Verringerung (seit 1990) verantwortlich.

Die GBV sind Vorreiter bei bautechnischen und energetischen Innovationen sowie bei neuen Wohnformen. 70% aller Passivwohnhäuser im Mehrgeschoßsegment stammen von den Gemeinnützigen, betreutes Wohnen findet in GBV-Bauten „maßgeschneiderte“ Bedingungen vor.

Beliebteste Wohnform

85% der österreichischen Bevölkerung und 91% der Bewohner gemeinnütziger Wohnungen sind von der großen Bedeutung der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft für das Wohnungswesen im Land überzeugt. Mehr als 60% erwarten, dass ihre Bedeutung künftig noch zunehmen wird. Das geht aus einer im Auftrag des Österreichischen Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen durchgeführten Umfrage (1.000 Interviews) des Gallup-Instituts hervor.

5-Punkte Maßnahmenpaket für leistbares Wohnen

Der steigende Wohnungsbedarf durch das erhöhte Bevölkerungswachstum in den Städten und Ballungsräumen macht eine Ankurbelung des Wohnungsneubaus erforderlich. Die Gemeinnützigen haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie über die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen und Ressourcen verfügen, um den Neubau von günstigen Wohnungen im großen Umfang zu steigern. Für eine Wohnbau-Offensive schlägt GBV-Obmann Wurm ein 5-Punkte-Paket vor. Es umfasst

  • die rasche und unkomplizierte Umsetzung des Wohnbaupakets (Wohnbauinvestitionsbank)
  • die Vereinfachung und Beschleunigung von Widmungs- und Bauverfahren
  • Einsparungsvorschläge für kostengünstigeres Bauen
  • die Einrichtung eines Baukostensenkungsbeirates
  • Konzepte zur Baulandmobilisierung.

“Die Übergabe der 1.000.000sten Wohnung ist uns Ansporn und Auftrag, weiterhin alles daran zu setzen, um leistbares Wohnen auch für kommende Generationen zu sichern”, verspricht GBV-Obmann Karl Wurm:
“Und die nächsten 30.000 Wohnungen sind bereits in Bau.”

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen
Dr. Alfred Früh
Tel.: (01) 505 58 24 226

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