• 09.04.2016, 20:25:03
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Tiroler Tageszeitung, Leitatarikel, Ausgabe vom 10. April 2016. Von MARIO ZENHÄUSERN. "St. Pölten locuta, causa finita".

Innsbruck (OTS) - Tausche Landhaus gegen Innenministerium und
umgekehrt: Erwin Pröll hat der ÖVP wieder einmal gezeigt, wer der
Chef ist.

Als ob es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, wer in der ÖVP das
Sagen hat: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll lässt zwei
Wochen vor der Wahl des Bundespräsidenten seine Muskeln spielen. Eine
Wahl, bei der er gerne selbst die erste Geige gespielt hätte. Schon
2010 trug er sich mit dem Gedanken, gegen Heinz Fischer anzutreten,
scheiterte aber am passiven Widerstand der eigenen Partei. Sechs
Jahre später sollte es aber so weit sein. Der Instinktpolitiker, der
sein Land als Einziger noch immer mit absoluter Mehrheit regiert,
galt in der ÖVP als Fixkandidat für die Fischer-Nachfolge – und sagte
ab. Er stürzte damit seine Partei in eine schwere Krise, zwang sie
dazu, in Windeseile einen anderen Kandidaten für die
Bundespräsidentenwahl zu suchen, und versetzte ihr jetzt, zwei Wochen
vor der sich abzeichnenden Niederlage des in den Umfragen weit
zurückliegenden Andreas Khol, einen weiteren Schlag. Der Landesfürst
aus St. Pölten regelt die Übergabe an seinem Hof auf seine Weise und
zeigt damit der Partei und Obmann Reinhold Mitterlehner, wer der
wahre Chef ist.
Damit hat Erwin Pröll die Diskussion im Parteivorstand auf ein
Minimum verkürzt: St. Pölten locuta, causa finita! Die ÖVP-Granden
dürften den Wechsel heute aber nicht nur abnicken, sondern sich
darüber hinaus auch mit dem bevorstehenden Debakel bei den
Präsidentschaftswahlen auseinandersetzen. Gleiches gilt für die SPÖ,
deren Kandidat Rudolf Hundstorfer nur knapp vor Khol rangiert. Weil
beide Parteien wissen, dass Neuwahlen derzeit nur der FPÖ in die
Hände spielen, werden sie ihr Heil wohl in personellen Neubesetzungen
suchen. Offen ist nur, ob das vor oder erst nach der Wahlniederlage
passiert.

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