- 04.04.2016, 09:00:03
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Die Arbeitsmarktintegration von anerkannten Flüchtlingen in Österreich
Wien (OTS) - Laut einer in den WIFO-Monatsberichten erschienen
Untersuchung ist der Arbeitsmarktintegrationserfolg von anerkannten
Flüchtlingen, die erst seit einigen Jahren in Österreich sind, selbst
nach Berücksichtigung anderer für die Arbeitsmarktintegration
wichtiger Faktoren geringer als von anderen Zuwanderungsgruppen.
Anerkannte Flüchtlinge sind auf dem Arbeitsmarkt auch hinsichtlich
der faktischen Anerkennung ihrer Qualifikationen gegenüber anderen
Zuwanderungsgruppen benachteiligt. Überdies verlagerte sich die
Altersstruktur der Asylsuchenden in Österreich in den letzten Jahren
zunehmend zu jüngeren Personen.
Die Asylmigration nach Österreich erreichte im Jahresverlauf 2015
infolge der Krise in Syrien und Afghanistan mit fast 89.000 Anträgen
eine seit der Ungarn-Krise 1956 nicht mehr verzeichnete
Größenordnung. In der internationalen Literatur werden Asylsuchende
als eine Migrantengruppe gesehen, die sich hinsichtlich ihres
Humankapitals, ihrer Arbeitsmarktintegration und anderer
Eigenschaften wie z. B. ihrer physischen und psychischen Gesundheit
von Arbeitsmigranten und Arbeitsmigrantinnen, aber auch anderen
Migrantengruppen (z. B. Familienmigration, etwa Familiennachzug)
unterscheiden.
Nach den Ergebnissen des Mikrozensus-Ad-hoc-Moduls zur
"Arbeitsmarktsituation von Migrantinnen und Migranten", das diese
rezente Fluchtbewegung noch nicht berücksichtigt, waren 2014
Personen, die aus Asylgründen nach Österreich kamen, überwiegend
Männer und 20 bis 40 Jahre alt. 46% der aus Asylgründen nach
Österreich zugewanderten Personen verfügten über eine mittlere
Qualifikation (Lehre oder AHS-Abschluss) und 24% über einen tertiären
Bildungsabschluss. Damit entsprachen die formalen Qualifikationen der
Asylsuchenden etwa jenen der Familienmigranten und -migrantinnen und
waren nur unwesentlich schlechter als jene der Arbeitsmigranten und
-migrantinnen.
Die Qualifikationsstruktur veränderte sich jedoch in den letzten
Jahren, weil sich der Zuwanderungsschwerpunkt zwischen Ländern
verlagerte und verstärkt junge Asylsuchende nach Österreich kamen.
Unter den im Zeitraum 2005 bis 2014 aus Asylgründen Zugewanderten
waren mit 62% deutlich mehr Personen mit höchstens
Pflichtschulausbildung als in früheren Kohorten.
Die insgesamt relativ höhere Qualifikation von schon länger in
Österreich lebenden Flüchtlingen wird aber (sowohl faktisch als auch
formal) in Österreich u. a. aufgrund geringer Sprachkenntnisse selten
anerkannt. So war 2014 die in der Befragung selbst genannte
Qualifikation von fast 74% der Flüchtlinge formal nicht anerkannt.
Hinsichtlich der faktischen Anerkennung dieser Qualifikationen auf
dem österreichischen Arbeitsmarkt zeigt sich überdies eine deutliche
Benachteiligung der anerkannten Flüchtlinge gegenüber anderen
Zuwanderergruppen.
Der wohl wichtigste Ansatzpunkt für eine Verbesserung der
Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen läge laut dem
Monatsberichtsbeitrag von Julia Bock-Schappelwein und Peter Huber in
einer möglichst raschen Bearbeitung der offenen Asylanträge. Dies
würde Sicherheit über den Rechtsstatus in Österreich vermitteln und
lange Stehzeiten außerhalb des Arbeitsmarktes vermeiden. Die
Folgekosten der mit längeren Wartezeiten auf einen Arbeitsmarktzugang
verbundenen Dequalifikation könnten so verringert werden.
Fast ebenso wichtig wären aber eine entsprechende,
zielgruppenspezifische Betreuung für Asylsuchende mit dem Ziel einer
Verbesserung der Sprachkenntnisse, da anerkannte Flüchtlinge in ihrer
Arbeitsmarktintegration besonders durch mangelnde Sprachkenntnisse
eingeschränkt werden, und ein breiterer Zugang zur Erstausbildung im
Anschluss an die Pflichtschulausbildung (sowohl zu Lehrstellen als
auch zu anderen Bildungsangeboten). Für Jugendliche sollten die
Regelungen dabei deutlich großzügiger sein als für Erwachsene, weil
das Fehlen von Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten diese Jugendlichen
langfristig erheblich beeinträchtigt, woraus sich auch beträchtliche
Folgekosten für den Sozialstaat ergeben.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
3/2016 (http://monatsberichte.wifo.ac.at/58750)
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