- 01.04.2016, 12:44:40
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Gegensätzliche Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt: Höhere Arbeitslosigkeit – stärkerer Fachkräftemangel
WKÖ-Gleitsmann: Gemeldete offene Stellen oft schwer zu besetzen – praxistaugliche Bildungsangebote notwendig, um Lücke zu schließen
Utl.: WKÖ-Gleitsmann: Gemeldete offene Stellen oft schwer zu
besetzen – praxistaugliche Bildungsangebote notwendig, um
Lücke zu schließen =
Wien (OTS) - Die Arbeitsmarktlage ist Ende März mit einem Anstieg um
rund 10.135 Personen im Vorjahresvergleich weiterhin schlecht. „Es
ist sehr unerfreulich, dass Österreich im EU-weiten Ranking erneut
zurückfällt und nun deutlich abgeschlagen auf Platz 6 liegt“, so
Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung in der WKÖ.
Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit hat Österreich längst den
Stockerlplatz verloren und liegt mit dem 6. Platz im EU-weiten
Vergleich nur mehr im Mittelfeld. Vor allem der milden Witterung und
der frühen Osterwoche im heurigen Jahr sei es zu verdanken, dass die
Situation nicht noch schlechter ist, so Gleitsmann.
Positiv ist, dass der März einen neuerlichen Anstieg der
Beschäftigung um weitere 49.000 Personen im Vorjahresvergleich
brachte. Erfreulich ist auch der Zuwachs an gemeldeten offenen
Stellen (+ 40 % im Vorjahresvergleich) mit besonders positiven
„Ausreißern“ in Oberösterreich (+ 80%) und der Steiermark (+62,1%).
Besonders günstig ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt für Ältere: Im
Gegensatz zum allgemeinen Trend – Anstieg der Arbeitslosenquote um
+0,1% im Vorjahresvergleich - sinkt die Arbeitslosenquote der Älteren
(-0,1 Prozentpunkte im Vorjahresvergleich).
Offene Stellen und offene Lehrstellen sind schwer zu besetzen,
besonders in Westösterreich
Auf der Kehrseite verschärft sich der Fachkräftemangel, wie
Gleitsmann erläutert: „Unsere Betriebe melden vermehrt große Probleme
bei der Besetzung offener Stellen. Betroffen sind neben dem Tourismus
und dem Handel etwa auch die Metall- und Elektrotechnik und das Bau-
und Baunebengewerbe. Besonders große Schwierigkeiten melden Betriebe
in Westösterreich.“
Ähnlich ist die Lage am Lehrstellenmarkt. Viele Lehrstellen könnten
nicht besetzt werden, oft fehle es den Jugendlichen an
Basiskenntnissen in Mathematik und Deutsch oder an den notwendigen
Softskills wie Pünktlichkeit oder Verlässlichkeit, erläutert der
WKÖ-Experte. Das führe dazu, dass sich viele Betriebe schließlich aus
der Lehrlingsausbildung zurückziehen.
Weiterbildung im Betrieb stärken
Damit der Abgleich zwischen Arbeit Suchenden und offenen Stellen
besser gelingt, brauche es praxistaugliche Bildungszugänge, so
Gleitsmann: „Statt der trockenen Theoriekurse braucht es geförderte
Weiterbildungen, die direkt in den Betrieben ansetzen. Nur so ist
sichergestellt, dass die Ausbildung die notwendige Portion Praxis
enthält und am Bedarf der Unternehmen ansetzt. Die Jugendlichen
müssen die Schule so fit verlassen, dass sie sofort eine
Lehrausbildung starten können und nicht mühsam und teuer nachbetreut
werden müssen.“
Eine Aktivierung des ausgesetzten Fachkräftestipendiums wäre
jedenfalls der falsche Weg. Evaluierungen des bereits im letzten Jahr
ausgesetzten Fachkräftestipendiums haben gezeigt, dass dieses sogar
zu einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit geführt hat. Die
Arbeitsmarkterfolgsquoten von Weiterbildungen, die Theorie und Praxis
kombinieren, sind, nicht wenig überraschend, weit
überdurchschnittlich bei 80 %, vereinzelt sogar bei 100 %. „Der
Ausbau der betriebliche Ausbildungen sind im Regierungsprogramm
verankert und sollten daher schnell ausgebaut werden,“ fordert
Gleitsmann.
Arbeitsmarkt der Personen 50+: Steigende Beschäftigung,
sinkende Arbeitslosenquote
Erfreulich ist, dass die Beschäftigung bei Personen im Alter 50+ im
März erneut am stärksten (+58.000 Beschäftigten) zugelegt hat. Seit
Jahresbeginn nahmen bereits 31.227 Personen aus der Altersklasse 50+
eine Beschäftigung auf. „Der starke und überdurchschnittliche Zuwachs
an Beschäftigungsaufnahmen und die gleichzeitig sinkende
Arbeitslosenquote in dieser Altersgruppe bestätigt, dass die seit
letztem Jahr zusätzlich zur Verfügung stehenden Mittel für
Eingliederungsbeihilfen des AMS sehr gut wirken. Eine Stärkung der
Beschäftigungsanreize muss daher auch künftig der zentrale
Ansatzpunkt für eine wirksame Arbeitsmarktpolitik sein“, fordert
Gleitsmann.
Gezielte Wachstumsimpulse setzen
Um möglichst rasch mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen, brauche
es generell ein wachstumsfreundliches Umfeld, so Gleitsmann. Positive
Anreize für den Arbeitsmarkt würden z. B. bessere
Abschreibungsmöglichkeiten oder ein Investitionsfreibetrag bringen.
Und auch weitere rasch konjunkturstützend wirkende Maßnahmen wie der
Handwerkerbonus und oder ein Beteiligungsfreibetrag würden dem
Arbeitsmarkt Aufwind verleihen. (PWK232/PM)
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