• 31.03.2016, 21:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG. Leitartikel vom 1. April 2016 von Carmen Baumgartner-Pötz - Wenn alle Alarmglocken schrillen

Innsbruck (OTS) - Die Überprüfung der Bildungsstandards weist auf
große Schwächen der Kinder in der vierten Klasse Volksschule hin.
Nicht nur Politik und Lehrer sind jetzt gefordert, sondern auch die
Eltern.

Die gute Nachricht zuerst: Seit dem Jahr 2010, seitdem die
Viertklässler in Deutsch flächendeckend auf die Bildungsstandards
überprüft werden, hat sich die Lesekompetenz der Schüler hierzulande
leicht verbessert. Und: Kinder dieses Alters gehen überwiegend gern
in die Schule. Aber: Die detaillierten Ergebnisse der
Kompetenzmessung müssen Politikern, Lehrern und Eltern Grund zur
Sorge bereiten, auch wenn gestern bei der Präsentation im
Bildungsministerium vor allem Positives (endlich ein großer,
aussagekräftiger Datenpool! Lehrer und Schulen bekommen Feedback und
können damit arbeiten!) hervorgestrichen wurde. Ein paar traurige
Ausschnitte: Nur ein Fünftel der Schüler hat die vorgegebenen
Bildungsstandards im Verfassen von Texten in allen Dimensionen
erreicht bzw. übertroffen, 70 Prozent der Kinder haben
Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung. Jeder zehnte Schüler hat die
Standards beim Hörverständnis nicht geschafft.
Die Risikogruppen überraschen nicht: Kinder mit Migrationshintergrund
schneiden besonders schlecht ab, aber auch Kinder, deren Eltern
maximal Pflichtschulabschluss aufweisen. Buben tun sich beim Lesen
deutlich schwerer als Mädchen. Für diese Gruppen braucht es also
extra viel Förderung, damit nicht eine verlorene Generation
heranwächst, die nicht einmal die grundlegenden Deutschkenntnisse
beherrscht. Förderung bedeutet allerdings nicht nur mehr
Geld/Lehrer/Stunden für den Bereich der Elementarpädagogik (was sich
logischerweise alle Beteiligten sowieso wünschen). Es ist vor allem
auch die Bildungsverantwortung der Eltern gefragt, denn zuhause wird
der Grundstein für den Schulerfolg gelegt, und zwar bereits vor dem
Eintritt in die Schule: Wer seinen (Klein-)Kindern viel vorliest, ihr
Interesse für Sprache weckt, investiert, so pathetisch das klingen
mag, in die Zukunft von uns allen. Wer in der vierten Klasse
Volksschule schon zur Risikogruppe gehört, wird auch in der späteren
Schul- und Berufslaufbahn vermutlich nicht auf der Gewinnerseite
stehen – außer eben, es wird an allen notwendigen Reißleinen gezogen.
Dazu gehört auch auf Seiten der Politik, angekündigte Maßnahmen nicht
aus den Augen zu verlieren bzw. für die Finanzierung zu sorgen: Ein
zweites verpflichtendes Kindergartenjahr hilft Kindern aus schwachem
Elternhaus, vor dem Schuleintritt Deutsch zu lernen und die
Kenntnisse zu verfestigen. Auch mehr Ganztagesschulplätze können dazu
beitragen, Risikoschüler rechtzeitig aufzufangen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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